E-Mail an die Parteimitglieder

AfD-Chef Meuthen kündigt seinen Rückzug an - Rechtsruck jetzt unausweichlich?

Jörg Meuthen, AfD-Bundessprecher, bei einer Pressekonferenz (Archivbild)
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Jörg Meuthen, AfD-Bundessprecher, bei einer Pressekonferenz (Archivbild)
  • Cindy Boden
    VonCindy Boden
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Auch in der AfD soll es Veränderung an der Spitze geben: Jörg Meuthen zieht sich Berichten zufolge demnächst zurück. Er will nicht mehr beim Parteitag kandidieren.

Berlin - Jörg Meuthen zieht sich aus der AfD*-Spitze zurück. Er will nicht beim nächsten Parteitag kandidieren, berichten mehrere Medien wie t-online oder der Spiegel. Sie beziehen sich dabei auf eine E-Mail an die Parteimitglieder vom Montag. Der langjährige AfD-Co-Vorsitzende will bei der Neuwahl des Parteivorstandes im Dezember nicht mehr für den Spitzenposten kandidieren.

AfD-Chef Meuthen will nicht mehr für den Vorsitz kandidieren - aber politisch aktiv bleiben

In dem Schreiben heißt es den Berichten zufolge, er habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht und sie nach „vielen intensiven Gesprächen“, auch mit seiner Familie, getroffen. Genaue Gründe nenne er nicht. Weiter schreibe er von einer „unglaublich fordernden“ Zeit als Bundessprecher. Sie sei von „manchen Härten und Enttäuschungen“ geprägt gewesen, doch auch von „sehr vielen guten Erlebnissen“.

Ganz aus der Politik will er sich aber nicht zurückziehen: „Ich werde selbstverständlich meine politische Arbeit fortsetzen“, schreibt Meuthen - und seine Stimme „hörbar einsetzen“. Seit 2017 sitzt er für die AfD im Europaparlament*. „Das ist eine persönliche Entscheidung von Jörg Meuthen“, sagte Co-Parteichef Tino Chrupalla* der Deutschen Presse-Agentur. Das Verhältnis zwischen den beiden Co-Vorsitzenden war zuletzt sehr angespannt.

Die AfD will ihren neuen Parteivorstand auf einem zweitägigen Bundesparteitag in Wiesbaden wählen, der für den 11. Dezember geplant ist. Er habe ja bereits angekündigt, dass er dort erneut kandidieren wollen, sagte Chrupalla. Wer - sollte es bei der Doppelspitze bleiben - aus seiner Sicht als Co-Vorsitzender infrage käme, wollte er nicht sagen. Aus der AfD ist zu hören, man sollte neben Chrupalla, der aus Sachsen stammt, einen Co-Vorsitzenden aus dem Westen wählen.

Wie geht es in der AfD weiter? Verluste bei der Bundestagswahl

Mit dem Rückzug wird es umso spannender zu verfolgen, wie es in der AfD weitergeht. Es könnte sein, dass die Partei damit weiter nach rechts rückt. Seit langem gibt es einen innerparteilichen Streit zwischen den Kräften um Meuthen, der eher für einen gemäßigteren Kurs steht, und den rechtsradikale Kräfte um den Thüringer AfD-Chef Björn Höcke und den Chrupalla. Ende September wählte die neue Bundestagsfraktion der AfD Alice Weidel und Chrupalla zu ihren Vorsitzenden. Bei der Bundestagswahl* erreichte die Partei nach vorläufigem Ergebnis 10,3 Prozent der Stimmen und verlor damit im Vergleich zu 2017 rund 2 Prozentpunkte.

Meuthen war im Sommer 2015 auf einem von Tumulten geprägten Parteitag in Essen erstmals zum Co-Vorsitzende gewählt worden. Damals stand mit ihm Frauke Petry an der Spitze der Partei. (cibo/dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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