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Tatort „Tyrannenmord“ aus Hamburg: Anhaltende Spannung trifft auf politischen Diskurs - Falke in Höchstform

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Von: Sina Alonso Garcia

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Thorsten Falke und sein Tatort-Kollege
Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) und sein Kollege auf Zeit: Felix Wacker (Arash Marandi). © NDR/Marc Meyerbroeker

Der Hamburger „Tatort“ überzeugte am Sonntag mit einer spannenden Story, solider Polizeiarbeit und politischen Themen. Endlich mal wieder ein klassischer Krimi, der ohne Klamauk oder Nebenschauplätze auskommt - findet unsere Autorin.

Hamburg - Nach dem völlig abgedrehten Münsteraner Tatort sowie der künstlerisch-angehauchten Ausgabe aus Zürich erwartete Zuschauer am Sonntag endlich mal wieder ein klassischer Krimi. „Tyrannenmord“ aus Hamburg überzeugte mit anhaltender Spannung und klammerte sich dabei nicht an Nebendetails oder persönliche Verstrickungen von Kommissaren. Falke-Fans erlebten ihren rauen, schlecht gelaunten, rebellischen und skeptischen Krimi-Helden in Höchstform.

Bereits die Ausgangslage des Krimis - das Verschwinden des 17-jährigen Juan aus einem Elite-Internat - sorgte für Spannung. Lebt er noch, flüchtete er freiwillig vor seinem Vater, dem Diktator, oder ist er längst tot? Fragen wie diese ratterten Zuschauern durch den Kopf. Entsprechend geschockt war man, als Juan nach der Bekanntgabe seines Verstecks tot aufgefunden wurde. Seine abgeschnittene Zunge weckte Assoziationen: Wollte der Mörder symbolisch darauf hinweisen, Juan sein freches Mundwerk lahmgelegt zu haben? Steckte vielleicht sogar sein Leibwächter, den Juan immer ein wenig von oben herab behandelt hatte, hinter dem Mord?

Tatort „Tyrannenmord“ aus Hamburg: Naiver, aber sympathischer Dorfpolizist

Neben seiner dynamischen Handlung überzeugte der Hamburger „Tatort“ mit einer völlig neuen Figur im Ermittlerteam. So erhielten Thorsten Falke und Julia Grosz in „Tyrannenmord“ Unterstützung von dem naiven, aber sympathischen Dorfpolizisten Felix Wacker. Im Zusammenspiel mit Falke wirkte er als angenehmer Gegenpol zu dessen mürrischen Anwandlungen. Offenbar gab er den Hamburgern allerdings nur ein kurzes Gastspiel und wird bedauerlicherweise in den kommenden Folgen nicht mehr mit von der Partie sein.

Auch gesellschaftskritische und politische Themen kamen im Hamburger Tatort nicht zu kurz und könnten aktueller nicht sein. So ging es um die wirtschaftliche Abhängigkeit Deutschlands von einem diktatorisch geführten Land ohne Meinungsfreiheit. Insbesondere die Darstellung von Juans grobschlächtigem und skrupellosen Leibwächter wirkte authentisch und der Druck des Diktators im Hintergrund war für Zuschauer deutlich spürbar.

Tatort „Tyrannenmord“ macht Lust auf mehr - doch der Titel sorgt für Irritationen

Fazit: Der neue Fall von Falke, Grosz und ihrem Gehilfen Wacker macht definitiv Lust auf mehr. Einziger Kritikpunkt: Der Plot und die Hinführung zum Täter hinkt am Ende dann doch ein wenig. Schon bevor der Vertrauenslehrer als Täter identifiziert wurde, konnten Zuschauer anhand Szenen, in denen er sich äußerst sonderbar verhielt, erahnen, dass er etwas mit dem Mord zu tun hat. Dass er am Ende rein zufällig entlarvt wurde, weil er zusammenbrach und ins Krankenhaus musste, wirkte leider zu konstruiert.

Zudem wird während der gesamten Sendung nicht wirklich klar, wieso der Tatort nun eigentlich „Tyrannenmord“ heißt. Weder ist ein Tyrann gestorben - sondern nur sein Sohn - noch scheint Juan zu Lebzeiten jemanden ernsthaft tyrannisiert zu haben. Möglicherweise spielt der Titel aber auch auf Juans forsche und dominante, manchmal auch herablassende Art an, mit der er in seinem Internat immer wieder anzuecken schien.

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