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Vorab-Check: So wird der Tatort „Marlon“ aus Ludwigshafen

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Von: Sina Alonso Garcia

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Tatort Marlon
Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Johanna Stern (Lisa Bitter) hören sich an der Schule des Opfers nach Hinweisen um. © SWR/Christian Koch

Im Ludwigshafener Tatort wird am Sonntag ein brandaktuelles Thema aufgegriffen: Ein „Systemsprenger“-Kind bringt eine Schule an ihre Grenzen und wird am Schulfest tot aufgefunden. BW24 findet: Leider nervt dieser Krimi nur.

Ludwigshafen - Eigentlich ist das Thema im Tatort am kommenden Sonntag, 8. Mai, 20.15 Uhr (ARD) brandaktuell: Ein „Systemsprenger“-Kind bringt eine ganze Grundschule an ihre Grenzen. Wird gewalttätig, versetzt sogar Lehrer und Eltern in Schrecken. Als der Junge an einem Schulfest schließlich tot im Treppenhaus aufgefunden wird, scheint die Schulgemeinschaft seltsam erleichtert. Schnell wird den Ludwigshafener Kommissarinnen Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Johanna Stern (Lisa Bitter) klar: Jemand hat den Jungen absichtlich die Treppe heruntergestoßen. BW24 hat den Tatort vorab gesehen und findet: Das Potenzial des Themas wurde leider verschenkt. Statt Spannung erwarten den Zuschauer ätzende Kinder und ein langatmiges, schleppendes Schauspiel.

Tatort „Marlon“ aus Ludwigshafen: Opfer hatte wenige Freunde

Worum geht‘s? Der neunjährige Marlon wird in seiner Grundschule tot aufgefunden. Er wurde die Treppe hinuntergestoßen und zeigt Spuren eines vorangehenden Kampfes. In der Schule ruft sein Tod ambivalente Reaktionen hervor. Marlons auffälliges Verhalten machte ihn zum Außenseiter, der seine Lehrer, die eigenen Eltern und auch die der Mitschüler bis zur Weißglut trieb.

Umso mehr sind Odenthal und Stern bei ihren Ermittlungen auf Marlons einzigen Freund Pit und auf seinen einzigen Verbündeten unter den Erwachsenen, den Sozialarbeiter Anton Leu, angewiesen. Stück für Stück rekonstruieren die Kommissarinnen die letzten Tage eines Jungen, der mit seinen eigenen Affekten nicht zurechtkam und den nicht wenige am liebsten loswerden wollten.

Tatort „Marlon“ aus Ludwigshafen: Die BW24-Redaktion gibt 1,5 von 5 Sternen

Wie gut ist der Tatort? Die BW24-Redaktion vergibt dem Tatort vorab 1,5 von 5 Sternen. Begründung: Nach einer starken Anfangsszene verliert der Tatort jegliche Dynamik. Zudem: Auch wenn ein „schwieriges“ Kind ermordet wird, würde die Schule doch trauern - und nicht wie im Ludwigshafener Tatort fröhlich und erleichtert weitermachen. Statt sich darüber zu sorgen, dass in der Schule ein Mörder herumläuft, benehmen sich Lehrer, Kinder und Eltern an Marlons Schule komplett normal und unbeeindruckt.

Nervtötend an diesem Tatort wirkt außerdem der Umgang der Erwachsenen mit den Kindern an der Grundschule, von denen manche nicht nur frech, sondern völlig unverschämt daherkommen. Die Message - auch schwierige Kinder verdienen, dass man ruhig im Umgang mit ihnen bleibt - ist ja durchaus berechtigt. Dass sich Kommissarin Lena Odenthal von der kleinen, kratzbürstigen Madita in einer Szene aber derart heftig beleidigen lässt, ohne auch nur im Geringsten daran zu denken, der Rotzgöre Grenzen aufzuzeigen, wirkt einfach unpassend. Am Ende der Szene hebt die Kommissarin beschwichtigend die Hand und flüchtet vor dem kleinen Mädchen.

Tatort Marlon
Kommissarin Lena Odenthal bei der Befragung von Marlons bestem Freund Pit in seltsam ehrfürchtiger Pose. © SWR/Christian Koch

Tatort aus Ludwigshafen - unser Fazit: Verschwendete Lebenszeit, ihn zu sehen

Als Zuschauer würde man stellenweise am liebsten wegschalten, angesichts der abwegigen Situation, in der sich die Schule im Tatort befindet. Selbst Marlons Eltern wirken seltsam unberührt vom Mord an ihrem Sohn. Auch die Eltern anderer Kinder benehmen sich komisch. So weist der Vater der kleinen Madita am Elternabend darauf hin, wie viel Schande Marlon der Schule und seinen Opfern bereitet hat. Als ob das einen Mord an ihm oder den nahtlosen Übergang der Schule zur Tagesordnung rechtfertigen würde. Als der Sozialarbeiter der Schule dann auch noch eine „Abschiedsparty“ von Marlon veranstalten will, fragt man sich als Zuschauer endgültig: Was will uns dieser Tatort sagen? Unser Fazit: Leider verschwendete Lebenszeit, ihn zu sehen.

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