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Tatort „Hubertys Rache“: Gelungenes Geiseldrama aus Köln

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Von: Sina Alonso Garcia

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Daniel Huberty aus dem Tatort „Hubertys Rache“
Ein durchgeknallter Geiselnehmer: Daniel Huberty (Stephan Kampwirth). © WDR/Bavaria Fiction GmbH/Thomas Kost

Der Kölner „Tatort“ sorgte am Sonntag für anhaltende Spannung zur Primetime. Eigentlich eine ziemlich unvorstellbare Story, aber dennoch bestes Entertainment - findet unsere Autorin.

Köln - Den Sonntags-Tatort zu schauen, ist für viele Zuschauer inzwischen zum Russisch-Roulette geworden. Ob man danach zufrieden oder enttäuscht zurückbleibt, ist ungewiss. Immer häufiger hagelt es nach der Sendung Kritik in den sozialen Netzwerken - zuletzt etwa beim Münsteraner-Tatort, der als „schlechtester Tatort aller Zeiten“ geschimpft wurde. Dennoch gehört die Sendung für einige Menschen in Deutschland noch immer zum Sonntagsritual. Auch ich sehe mir den Krimi wöchentlich an und kann mich einfach nicht davon lösen. Die Sendung erscheint mir popkulturell relevant und unterhält mich auch meistens - sei es durch unfreiwillig komische Inszenierung oder wirklich gute Spannung.

Mit Spannung überzeugte am Sonntag auch der Kölner Tatort „Hubertys Rache“. Im Mittelpunkt: Der wegen Missbrauchs an einer 14-jährigen Schülerin zu 18 Monaten Haft verurteilte ehemalige Gymnasiallehrer Daniel Huberty. Neun Jahre nach seiner Verurteilung dreht er völlig durch. Wie eine tickende Zeitbombe schleicht Huberty auf dem Deck des von ihm in Geiselhaft genommenen Schiffes umher. Wirkt fahrig, faselt die ganze Zeit von seiner Rehabilitation. Die lustige Gesellschaft auf dem Ausflugsdampfer ahnt noch nicht, was ihr blüht.

Kölner Tatort überzeugt mit Dynamik und Abwechslung - wer ist Hubertys geheimer Komplize?

Dadurch, dass Huberty nach und nach immer mehr Personen aus seiner Vergangenheit aufs Deck forderte, wurde es für den Zuschauer nicht langweilig. Auch die vielen Gäste an Bord - beispielsweise die Gruppe vom Junggesellenabschied -, der eingeschleuste Kommissar und der geheime Komplize, den es zu ermitteln galt, sorgten für Abwechslung und Dynamik.

Eine gute Dynamik entstand auch deshalb, weil Huberty es zunächst so darstellte, das Opfer eines Justizbetrugs gewesen zu sein. Es sei wahre Liebe gewesen, was er und die Schülerin hatten. Ihre Mutter und die Lehrerin hätten alles nur aufgebauscht. Er sei der Arme, Unschuldige, von der Gesellschaft Verstoßene, der einfach nur seine Rehabilitierung fordere.

Unrealistische Story mit Unterhaltungswert - langweilig wurde es nicht!

Erst im Laufe der Handlung erfuhr der Zuschauer, wie das Opfer - nämlich die damals 14-jährige Schülerin - wirklich über das Verhältnis dachte. Und auch Huberty offenbarte mit zunehmendem Druck sein wahres Gesicht: Das eines Mannes, der die Unsicherheit einer Schülerin auf widerwärtige Art und Weise ausnutzte.

Insgesamt kommt die Story eher unrealistisch daher. Warum sollte ein Lehrer neun Jahre nach der Verurteilung wegen des Verhältnisses mit einer Schülerin derart durchdrehen, dass er ein ganzes Schiff voller Geiseln nimmt und es mit einer Bombe in die Luft zu sprengen droht? Dennoch: Langweilig wurde es bei dieser Kölner Ausgabe nicht! Auch die Kommissare Max Ballauf und Freddy Schenk machten im „Tatort“ eine gute Figur. Besonders die Idee von Ballauf, sich unter einem anderen Namen auf dem Schiff einzuschleusen, sorgte dafür, dass die Spannung immer aufrechterhalten wurde.

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