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Tatort aus Stuttgart: Darsteller beschämen mit unechtem Schwäbisch

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Von: Sina Alonso Garcia

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Tatort aus Stuttgart
Tatort aus Stuttgart: Johanna (Christina Hecke) spricht mit ihrem Mann (Nicholas Reinke) in einem Schwäbisch, das ausbaufähig ist. © SWR/Benoît Linder

Eigentlich freut man sich als Schwabe über Tatort-Ausgaben aus Stuttgart. Das Möchtegern-Schwäbisch, das die Schauspieler am Sonntag zum Besten gaben, war aber leider alles andere als authentisch. Ein Kommentar.

Stuttgart - Die Krimi-Reihe Tatort ist vermutlich auch deshalb so erfolgreich, weil sie vom Lokalkolorit lebt. Bekannte Institutionen und Eigenheiten der Bewohner am Handlungsort sind immer wieder ein Thema. Für Menschen aus dem Schwabenland bot sich etwa vergangenen Sonntag die Möglichkeit, beim Stuttgarter Tatort vertraute Locations in der Landeshauptstadt zu erspähen. Für mich als Schwäbin, die Stuttgart quasi in- und auswendig kennt, ist es immer besonders aufregend, genau hinzuschauen, ob ich einen der Drehorte wiedererkenne. Zuletzt stellte ich etwa belustigt fest, dass das „Haus in dem Kommissar Bootz wohnt“, das ist, in dem ein Bekannter von mir mal eine WG hatte.

Neben den mir altbekannten Orten in der Schwabenmetropole erweckte allerdings noch eine ganz andere Facette des Krimis meine Aufmerksamkeit, die mich schier wahnsinnig machte. Statt Schauspieler zu casten, die echtes Schwäbisch sprechen, griff die ARD auf Darsteller zurück, die sich äußerst unauthentisch zu Wort meldeten. Zwar versuchten diese zeitweise zu schwäbeln - in einer Art, wie echte Schwaben nicht auch nur ansatzweise sprechen würden - um dann allerdings zwei Sekunden später wieder in astreines Hochdeutsch zu verfallen.

Stuttgarter Tatort: Darsteller wechseln von astreinem Hochdeutsch zu tiefem Schwäbisch - und wirken unglaubwürdig

Leider ist das Problem beim Stuttgarter Tatort nicht neu. Schon öfter blamierte sich die Krimi-Ausgabe mit falschem Schwäbisch und sorgte bei Zuschauern für Unmut. Doch auch diesmal haben die Filmemacher es mit den Fake-Schwaben wieder übertrieben. Schon die erste Szene, als die Leiche gefunden wird, treibt die Fremdscham weit nach oben. Ohne dem Schauspieler zu nahe treten zu wollen, der den Rechtsmediziner Dr. Daniel Vogt spielt - denn eigentlich spielt er wirklich gut: Was er an schwäbischem Dialekt von sich gibt, wirkt aus meiner Sicht einfach nur gekünstelt. Obwohl der Schauspieler Jürgen Hartmann in Stuttgart geboren ist, kommt es mir so vor, als ob er spätestens seit seinem Studium in Hannover kein Schwäbisch mehr gesprochen hat - oder aber, er hat falsche Anweisungen von der Regie bekommen. Betonung und Tempo seiner Aussprache passen für mich einfach nicht zu einem wahrhaftigen Schwaben.

Irritiert hat mich zudem das „Schwäbisch“ von Johanna Dellien (Christina Hecke), der Frau des Verdächtigen. Auch sie switchte fröhlich von astreinem Hochdeutsch zu „tiefem Schwäbisch“. Kleine Anmerkung: Wenn jemand wirklich tief Schwäbisch spricht, dann wird man das auch seinem Hochdeutsch anmerken. In der Regel kann man einen Urschwaben, der sich in Hochdeutsch vorstellt, sofort erkennen. Jemanden, der so mir nichts, dir nichts von völlig verwaschenem Slang zu astreinem Hochdeutsch wechselt, gibt es schlichtweg nicht. Mein Tipp an die Umsetzung fürs nächste mal: Entweder authentisch Schwäbisch sprechen oder es gleich lassen!

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