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ARD sagt Nuschlern im Tatort den Kampf an: Zuschauer können jetzt „klare Sprache“ auswählen

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Von: Sina Alonso Garcia

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Schauspieler Til Schweiger vor Tatort-Wand.
Nicht nur Til Schweiger in der Rolle des Nick Tschiller (Tatort Hamburg) gilt als begnadeter Nuschler unter den Tatort-Kommissaren. © Christian Charisius/dpa

Verständnisprobleme beim Tatort sind häufig ein riesiges Ärgernis für Zuschauer. Nun kommt die ARD Krimi-Fans entgegen und bietet ihnen einen besseren Ton zur Auswahl.

Berlin - Sonntags um 20.15 Uhr versammeln sich beim Tatort gerne die Nuschler der Nation. Verschluckte Worte, schlampige Ausdrucksweisen und starke Dialekte sind hier Gang und Gäbe. Der Grund: Alles soll laut der Produktion so realistisch wie möglich wirken. Auch, wenn die Intention, die dahinter steckt, sicherlich nicht die Provokation der Zuschauer sein sollte, treibt das Genuschel diese häufig zur Weißglut. Parallel zur laufenden Sendung beschweren sich oftmals zahlreiche Tatort-Fans auf Twitter - insbesondere dann, wenn der Ton wieder besonders schlimm war. Erst kürzlich erklärten Twitter-Nutzer, sie hätten beim Tatort in Berlin „die Hälfte der Dialoge nicht verstanden“.

ARD und ZDF haben sich die Kritik offenbar zu Herzen genommen. Wie die Sender mitteilten, bieten sie ab sofort ein neues Tonangebot „Klare Sprache“ zur Auswahl. „Es hebt die Sprache deutlicher hervor und verbessert damit die Sprachverständlichkeit“, erklärte das ZDF. Das Angebot steht ab sofort für das ZDF-Hauptprogramm zur Verfügung, die Programme ZDF Neo, 3 Sat und ZDF Info folgen nach und nach. Auch die ARD bietet das neue Tonangebot „Klare Sprache“ nach eigenen Angaben im Ersten sowie in den dritten Programmen von NDR, WDR und RBB an. Weitere Sender sollen später folgen.

Neues Tonangebot in ARD und ZDF: Hier können Zuschauer bessere Verständlichkeit auswählen

Zuschauer, die von dem neuen Tonangebot Gebrauch machen wollen, finden „Klare Sprache“ als Auswahloption unter den bisherigen Tonoptionen (Stereo, Dolby Digital, Audiodeskription, Originalton). Verfügbar ist sie über Satellit, Kabel, DVB-T2 HD sowie Programm-Livestreams über die ZDFmediathek-App. Auch in den Programm-Livestreams über die ZDF-Webseite wird der neue Service in Kürze angeboten. Die Tonspur „Klare Sprache“ muss am Endgerät oder am Video-Player ausgewählt werden.

Tatort-Fans dürfen gespannt sein, inwieweit die neue Tonoption Abhilfe schafft, wenn es die Kommissare mit ihrem Genuschel mal wieder übertreiben. Zuschauer sollten wissen: Ob eine Sendung als sprachlich gut verständlich wahrgenommen wird, hängt nicht nur vom Mischungsverhältnis des Beitrags, sondern auch von Empfangsbedingungen und individuellem Hörvermögen ab. Die zusätzlich anwählbare Tonspur „Klare Sprache“ erzeugt mit Hilfe von Algorithmen der künstlichen Intelligenz einen Sendeton, der das gesprochene Wort deutlich präsenter macht. Die Kritik an schwer verständlichen Schauspielern wie kürzlich im Nürnberger Tatort oder im Hamburger Tatort dürfte dann hoffentlich etwas abnehmen. Schauspieler haben jedenfalls dann keine Ausrede mehr. So können sie eine schwere Verständlichkeit ab sofort nicht mehr auf die Tontechnik schieben.

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