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Nestlé kauft „Die Höhle der Löwen“-Start-up „Ankerkraut“ - Fans wenden sich ab: „Gewürze fliegen in den Müll“

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Von: Franziska Vystrcil

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„Ankerkraut“ bekam 2013 einen Deal in der Höhle der Löwen und setzt heute ca. 30 Millionen Euro im Jahr um.
„Ankerkraut“ bekam 2013 einen Deal bei „Die Höhle der Löwen“ und setzt heute circa 40 Millionen Euro im Jahr um. Nestlé hat sich nun den Hauptanteil am Unternehmen gesichert. © TVNOW

Nach dem Auftritt bei „Die Höhle der Löwen“ kam das Start-up „Ankerkraut“ groß raus. Nun hat sich Nestlé die Hauptanteile des Unternehmens gesichert - zum Missfallen der Fans.

Köln - Die VOX-Sendung „Die Höhle der Löwen“ ist nicht nur unterhaltsam, sie hat auch vielen Start-ups bis ganz nach oben verholfen. Denn die Löwen Ralf Dümmel, Nico Rosberg, Dagmar Wöhrl, Judith Williams, Carsten Maschmeyer, Georg Kofler und Nils Glagau kennen sich aus im Geschäft. Dank der Gründer-Sendung schaffte es auch das Stuttgarter Start-up „Duschbrocken“ an die Spitze.

Die Höhle der Löwen: „Ankerkraut“ gehört künftig zu Nestlé - Start-up kassiert Shitstorm

Eine Erfolgsgeschichte wie aus dem Bilderbuch kann auch das Gewürz-Start-up „Ankerkraut“ vorweisen. 2013 traten die Gründer Stefan und Anne Lemcke vor die Kamera, um ihre Geschäftsidee zu pitchen. Hochwertige Gewürze, Tees und Kräuter ohne Aromastoffe begeisterten damals die Löwen. Investor Frank Thelen war es letzten Endes, der den Zuschlag für „Ankerkraut“ erhielt. Für 300.000 Euro sicherte er sich 20 Prozent der Unternehmensanteile.

Eine lukrative Investition: Mittlerweile vertreibt das Hamburger Unternehmen mehr als 500 Gewürze und Gewürzmischungen, Soßen, Tees sowie Zubehör. Gemeinsam mit mehr als 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erzielte „Ankerkraut“ einen Umsatz im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Dass das Gewürz-Start-up Potenzial hat, hat nun auch der Lebensmittelriese Nestlé erkannt. Der Konzern übernimmt künftig „Ankerkraut“ und wird zum Mehrheitseigentümer. Das teilte das Start-up auf seinen Social-Media-Kanälen mit. Während sich „Ankerkraut“ über den Deal freut, sind die Reaktionen der Fans jedoch alles andere als positiv. Im Netz löste die Nachricht einen Shitstorm aus.

„Ankerkraut“-Fans kehren Unternehmen nach Nestlé-Deal den Rücken - „wie man seine Seele verkauft“

Die Abneigung vieler Verbraucher gegen den Schweizer Lebensmittelkonzern kommt nicht von ungefähr. Schon lange ist Nestlé hochumstritten, etwa für seine Wassergewinnung für die Marke Vittel, die den Grundwasserspiegel im gleichnamigen Ort in Frankreich stetig sinken lässt. Der Discounter Lidl hat bereits umstrittene Nestlé-Produkte aus dem Sortiment genommen.

Das Image von Nestlé leidet seit Jahren. Dass die beliebte Gewürzmarke „Ankerkraut“ nun Teil des Großkonzerns werden soll, missfällt vielen Verbrauchern. Die beiden Gründer des Start-ups, Anne und Stefan Lemcke, bleiben weiterhin „relevant beteiligte Gesellschafter“, teilte „Ankerkraut“ auf Twitter mit. Viele Fans zweifeln jedoch daran, dass die Gründer noch viel im Unternehmen zu sagen haben werden. Manche gehen so weit, die Produkte von Ankerkraut ganz boykottieren zu wollen. „Kennt jemand gute Alternativen?“, kommentiert jemand die Übernahmeankündigung auf Twitter.

„Wie unfassbar schade. Habe einige eurer Produkte ständig im Gebrauch. Na ja. Es wird sich eine Alternative finden“, schreibt eine andere Nutzerin. „Wie man seine Seele verkauft. Sehr schade! Dann wird es in Zukunft keine Einkäufe mehr von mir bei euch geben!“ Eine anderer will sogar bereits gekaufte Produkte von „Ankerkraut“ aussortieren. „Und damit fliegen die Gewürze bei uns in den Müll“, schreibt der User. Einen Shitstorm im Netz löste auch der Pitch der Strahlenschutz-Unterhose „Silverton“ bei „Die Höhle der Löwen“ aus.

Ankerkraut-Gründer werben bei Kunden um Verständnis für Entscheidung - doch die bleiben hart

Die Stimmung unter der Ankündigung ist eindeutig: Den Schritt, Nestlé zum Mehrheitseigentümer zu machen, heißt niemand der Verbraucher willkommen. Viele können die Entscheidung der Gründer nicht nachvollziehen. „Sorry, aber wie könnt ihr sowas machen. Klar gehts ums Geld, aber wie weit muss man sinken. Es passt wirklich nicht zusammen, dass ihr Premium-Gewürze weiter verkaufen wollt und der Eigentümer ist Nestlé“, meint einer.

„Ankerkraut“ reagierte auf die Kritik, schrieb: „Wir haben uns natürlich bei dieser Entscheidung auch mit der öffentlichen Kritik an Nestlé auseinandergesetzt. Am Ende waren es vor allem die Menschen bei Nestlé, die uns begeistert und mit dem Verständnis für unsere Marke überzeugt haben.“ Die Gründer werben um Verständnis: „Wir vertrauen Nestlé als seriösem Partner - sonst hätten Anne und Stefan dem Unternehmen niemals ihr Lebenswerk anvertraut.“

Mit diesem Statement konnten sie die Verbraucher jedoch nicht überzeugen. Der Shitstorm ging weiter. „Peinlich, einfach nur peinlich! Ihr seid bei mir unten durch. Hauptsache Geld machen. Ihr Geier!“, regt sich ein Nutzer auf. Andere sagen bereits einen Umsatzeinbruch voraus. „Eure Verkaufszahlen werden sich ändern. Selbst schuld“, meint eine Userin. Es bleibt abzuwarten, ob der Deal mit Nestlé für „Ankerkraut“ am Ende eine gute Entscheidung war. Das bisher durchweg positive Image des Start-ups hat jedoch schon jetzt einen Kratzer abbekommen.

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