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Die Höhle der Löwen: „Woollaa“-Gründer reagieren auf Kritik beim Pitch - „Fühlten uns ungerecht behandelt“

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Von: Franziska Vystrcil

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Die Gründer Florian und Friederike Pfeffer präsentieren in „Die Höhle der Löwen“ ihr Start-up „Woollaa“.
In der VOX-Sendung „Die Höhle der Löwen“ suchten Friederike und Florian Pfeffer nach einem Investoren für ihre Online-Strickmaschine. Sie gingen ohne Deal nach Hause. © RTL/Bernd-Michael Maurer

Für das Strick-Start-up „Woollaa“ gab es bei „Die Höhle der Löwen“ keinen Deal. Stattdessen hagelte es vonseiten der Investoren Kritik. Doch die Gründer geben nicht auf.

Köln - Produkte individuell gestalten liegt im Trend. Egal ob Familienfotos auf Tassen, eigens kreierte Sprüche auf T-Shirts oder individualisierte Handyhüllen - der Markt ist voll mit Angeboten. Nichtsdestotrotz haben die Gründer des Bremer Start-ups „Woollaa“ mit ihrer Idee genau hier angesetzt. Mit ihrer Software verwandeln sie Bilddateien in individuelle Strickwaren.

Um ihre Geschäftsidee groß rauszubringen, pitchte das Ehepaar Friederike und Florian Pfeffer in der VOX-Sendung „Die Höhle der Löwen“ (DHDL). Die beiden boten den Löwen 180.000 Euro für 20 Prozent Firmenanteile. Zwar zeigten sich die Investoren Georg Kofler und seine Kollegen begeistert, jedoch reichte es nicht für einen Deal. Der Umstand, dass „Woollaa“ in vier Jahren nur 800 Produkte verkauft hatte, stimmte die Unternehmer skeptisch.

„Woollaa“ ist nicht das einzige Start-up, das in der elften Staffel ohne Deal nach Hause ging. Die Gründer von „Zero Bullshit“ aus Stuttgart haben sich nach dem Auftritt bei DHDL ein zweites Standbein aufgebaut. Ähnlich wie das Stuttgarter Start-up hat auch „Woollaa“ die Erfahrung aus der VOX-Sendung genutzt, um sich neu aufzustellen.

„Woollaa“-Gründer gestehen: „Das Thema hat nun einen Zug, den wir vorher nicht gespürt haben“

Seit ihrem Auftritt bei „Die Höhle der Löwen“ hat sie bei den Bremer Gründern einiges getan. Auch wenn die Kritik der Löwen schmerzte - ohne sie hätten die Gründer womöglich ihr Konzept nicht überdacht. „Natürlich waren wir nach dem Pitch erst einmal enttäuscht und fühlten uns ein wenig ungerecht behandelt“, gesteht Florian Pfeffer im Gespräch mit Wirtschaftswoche. Dabei hatten sie so sehr auf einen Deal mit Georg Kofler oder Unternehmerin Judith Williams gehofft.

Der bemängelte Punkt mit den geringen Produktionszahlen sei aber richtig gewesen und habe sie vor allem in einem Gedanken gestärkt: „Wenn wir es nicht schaffen, einen erfolgreichen E-Commerce-Kanal aufzubauen, warum richten wir uns nicht an die, die schon einen großen Shop haben – und machen so unseren Hebel viel, viel größer.“ Auch seine Frau Friederike pflichtet ihm bei: „Jetzt spüren wir, dass wir diesen guten Hebel gefunden haben. Das Thema hat nun einen Zug, den wir vorher nicht so gespürt haben.“

Freuen sich über die „Woollaa“-Schals in der „Höhle der Löwen“ (VOX): die Investoren Judith Williams (rechts) und Georg Kofler.
Freuen sich über die „Woollaa“-Schals in der „Höhle der Löwen“ (VOX): die Investoren Judith Williams (rechts) und Georg Kofler. © Bernd-Michael Maurer/RTL

Das Grundkonzept hinter „Woollaa“ haben die Gründer Friederike und Florian Pfeffer aber nicht verändert. Sie wollen die Kleidungsproduktion effizienter und nachhaltiger gestalten. „Wir haben es geschafft, dass unsere Software jedes Bild online sofort in ein Strickmuster umwandelt. Jeder Pixel kann in eine Masche übersetzt werden“, erklärt Friederike Pfeffer. Auch wenn es vonseiten der Löwen viel Kritik gab, halten die beiden Macher an ihrem Produkt fest. Das Argument, man könne keinen festen Kundenstamm aufbauen, können sie nicht nachvollziehen. „Wenn man selbst an der Erstellung und Gestaltung beteiligt ist, ist die emotionale Verbindung zu Produkten deutlich höher – das erhöht die Nutzungsdauer“, argumentiert Florian Pfeffer für „Woollaa“.

Bremer Start-up bei „Die Höhle der Löwen“: „Woollaa“ wird zu „ito ito“

Die Kritik der Löwen war zwar harsch, dennoch haben sich die Gründer die Punkte der Investoren zu Herzen genommen. Statt individueller Produkte setzen die Unternehmer nun auf Modeketten und Marken. „Wir entwickeln jetzt eine Plattform, auf der Designer und Strickereien vernetzt werden“, erklärt der Gründer weiter. „Woollaa“ ist somit Geschichte. Mithilfe der neuen Plattform „ito ito“ können Modelabels ihre Entwürfe auch in geringer Stückzahl produzieren lassen. „Dafür haben wir ein System entwickelt, das unterschiedliche Entwürfe kombiniert und als einen Arbeitsauftrag an eine professionelle Strickerei liefert, die sich auf der Plattform registriert.“

Durch uns können die Designer nach dem Prinzip ‚erst verkaufen, dann produzieren‘ arbeiten.

Florian Pfeffer, Gründer von „Woollaa“

Normalerweise werde in solch geringen Stückzahlen nicht produziert und wenn doch, dann zu astronomischen Preisen. „Durch unser System wird eine On-Demand-Produktion wirtschaftlich sinnvoll – für Label genauso wie für Designer. Für dieses Modell haben wir bereits einen Prototypen gebaut und eine erste Finanzierungsrunde abgeschlossen“, erzählt Florian Pfeffer stolz. Auch andere Unternehmen waren nach einem gescheiterten Pitch nach der VOX-Sendung erfolgreich. Das Start-up „Audory“ hatte nach DHDL gut lachen, denn es fand trotzdem einen Investor.

Mit ihrer neuen Software will das Bremer Ehepaar jetzt den großen Modemarkt erobern. „Mit der neuen Plattform „ito ito“ richten wir uns an bestehende Modelabel oder professionelle Designer, die eine Strickkollektion aufbauen wollen. Aktuell kooperieren wir bereits mit 15 verschiedenen Labels“, sagt Florian Pfeffer. Sie hoffen, zukünftig auch große Marken mit ihrer Software erreichen zu können.

Gründer von „Woollaa“ wollen Gutes für die Umwelt tun: „Die Modebranche ist im Blindflug unterwegs“

Noch ein Vorteil ihrer Plattform: es werden geringere Mengen produziert. Das schont Ressourcen und ist gut für die Umwelt. „Durch uns können die Designer nach dem Prinzip ‚erst verkaufen, dann produzieren‘ arbeiten“, erklärt Florian Pfeffer. „Die Modebranche ist im Blindflug unterwegs. Heute werden 40 Prozent der Kleidung weggeworfen, ohne genutzt worden zu sein. Zudem können Labels schneller auf Trends reagieren, auch mitten in der Saison kann man innerhalb von Stunden neue Entwürfe auf den Weg bringen.“

Trotz geringer Produktionsmengen sei es den Gründern möglich, einen Preis im mittleren Segment anbieten zu können. Digitalisierte Lieferketten sowie über Deutschland verteilte Produktionsstandorte machen dies möglich. Dass die Löwen nicht an ihre Vision geglaubt haben, stört Friederike und Florian Pfeffer nicht mehr. Sie kämpfen weiter für ihre Vision und gegen Ressourcenverschwendung.

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