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„Völlig inakzeptabel“: Vergrößerung des Europa-Parks erfährt heftigen Gegenwind

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Von: Sina Alonso Garcia

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Der Expansionsdrang des Europa-Parks sorgt bei Anwohnern zunehmend für Unbehagen. Insbesondere das geplante „Europa Vallée“ im angrenzenden Elsass stößt auf Widerstand.

Diebolsheim/Rust - Schneller, höher, weiter: Im Europa-Park Rust jagt derzeit ein Bauprojekt das nächste. Erst kürzlich wurde bekannt, dass im Park ein völlig neuer Themenbereich mit Achterbahn entsteht. Doch Rust scheint den Betreibern nicht genug. Im fünf Kilometer entfernten Diebolsheim im Elsass (Frankreich) ist eine Mega-Ferienanlage des Europa-Parks geplant: Wie Geschäftsführer Roland Mack erklärte, soll „Europa Vallée“ ähnlich wie Center Parcs aus zahlreichen Hütten im elsässischen Stil bestehen. Noch wächst auf dem vorgesehenen Gebiet Weizen. Dass das naturbelassene Gebiet bald umfunktioniert werden soll, stößt bei Anwohnern zunehmend auf Widerstand.

Wie der SWR berichtet, protestierten Bürger vergangene Woche erstmals gegen die Pläne des Europa-Parks in Diebolsheim. Verschiedene Initiativen radelten gemeinsam über die Grenze nach Rust, um ihrem Unmut Ausdruck zu verleihen. „Natur vs. Profitgier“ stand in dicken Lettern auf ihren Schildern. Oder: „Spaß hat Grenzen“. Ein Demo-Teilnehmer der Initiative „Le Chaudron des Alternatives“ (deutsch: Der Kessel der Alternativen) erklärte gegenüber dem SWR, er halte das Projekt für „völlig inakzeptabel“. „In einem Gebiet mit reicher Biodiversität und reichen Feuchtgebieten ist das nicht ökologisch“, sagte er. „Dazu kommt, dass landwirtschaftliche Flächen ebenfalls weichen müssen.“

Europa-Park-Projekt stößt auf Widerstand: „Es ist eine Grenze erreicht, wo wir sagen müssen: Jetzt langt‘s“

Auch die Initiative „Jetzt langt‘s“ war bei der Demonstration in Rust vor Ort. Die Bauprojekte des Europa-Parks würden „immer mehr und mehr“, sagt Sonja Kohler-Bellemare, Gründungsmitglied der Initiative, gegenüber dem SWR. „Es ist eine Grenze erreicht, wo wir sagen müssen: Jetzt langt‘s.“ Auch im Netz formiert sich Widerstand. Dort informieren verschiedene Initiativen über aktuelle Entwicklungen und Bauvorhaben des Europa-Parks und äußern ihre Bedenken. Mit Sorge beobachtet etwa die Umwelt-Initiative Mitwelt Stiftung Oberrhein die Expansion des Mack-Imperiums. Der Park schaffe „immer größere Probleme für die Menschen in den benachbarten Gemeinden und für die Natur“, so die Initiative in einem Blogeintrag.

Europa-Park Rust
Auf einer 150 Hektar großen Fläche in Diebolsheim, fünf Kilometer vom Europa-Park entfernt, planen die Macks eine Mega-Ferienanlage. © Petra Schneider-Schmelzer/Imago

Ein Dorn im Auge war den Kritikern lange auch eine geplante Seilbahn, die den Europa-Park mit der Ferienanlage im Elsass verbinden sollte. Zwischenzeitlich hat der Europa-Park die Pläne für die Seilbahn aber auf Eis gelegt. Zu groß war der Widerstand von Naturschützern, die die Gebiete Taubergießen und Ile de Rhinau durch die Seilbahn bedroht sahen.

Europa-Park-Anwohner erzürnt: „Immer mehr Verkehr, Lärm und Touristen“

Noch ist das Europa Vallée offenbar noch nicht in Stein gemeißelt. Laut SWR lägen noch keine konkreten Bebauungspläne oder ähnliches vor. Auslöser für den Protest sei allein eine Absichtserklärung der Parkleitung gewesen. Diese sieht vor, auf einer 150 Hektar großen Fläche zwischen Diebolsheim und Sundhouse das Europa Vallée zu realisieren. Sonja Kohler-Bellemare von „Jetzt langt‘s“ fordert „einen sofortigen Stopp aller Expansionspläne“ des Europa-Parks, wie sie gegenüber der Badischen Zeitung erklärte - sowohl dies- als auch jenseits des Rheins. „Wir haben genug von immer mehr Verkehr, immer mehr Lärm, immer mehr Touristen wegen der Spaßfabrik“, so die Rusterin. Lange habe man in Rust zu der stetigen Expansion des Europa-Parks geschwiegen. Es seien ja auch viele Arbeitsplätze entstanden. Nun habe man allerdings genug davon, dass das Wachstum auf Kosten der Natur und Menschen im Ort gehe.

Während die Bürger der Anwohner-Gemeinden die Vergrößerung des Mack-Imperiums also alles andere als gutheißen, stehen die Betreiber selbst unter Druck, ihren Besuchern immer neue Eindrücke und Attraktionen zu bieten. Wie ein Park-Sprecher erklärte, hätten die Gäste sehr hohe Ansprüche: „Was heute super ist, ist übermorgen eine Drei Minus“, sagte er. Wie es mit den Plänen zum Europa Vallée weitergeht, bleibt abzuwarten.

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