Hinterlistiger Parasit

„Fliegende Zecke“ befällt auch Menschen - Biss überträgt gefährliche Bakterien

Eine Hirschlausfliege sitzt auf einem Blatt.
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Nicht nur Zecken können Waldspaziergängern gefährlich werden: Die Hirschlausfliege ist ein blutsaugender Plagegeist.
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Sie ist klein aber gefährlich: Die Hirschlausfliege, auch „fliegende Zecke“ genannt, kennen nur wenige. Ein Biss des Parasiten ist jedoch sehr schmerzhaft - und kann sogar gefährlich werden.

Stuttgart - Um dem tristen Alltag während des Coronavirus in Baden-Württemberg etwas zu entkommen, flüchten viele in die Natur. Vor allem Waldspaziergänge helfen, abzuschalten und einmal tief durchzuatmen. Doch dort lauert eine Gefahr, die nur wenige kennen: die Hirschlausfliege. Die Hirschlausfliege wird auch „fliegende Zecke“ genannt. Aus gutem Grund: Der Parasit fliegt zu seinem Wirt, landet und sucht sich eine geeignete Stelle. Wie eine Zecke beißt er sich fest, um Blut zu saugen. Ihre Flügel wirft sie ab, sobald sie festsitzt - daher auch der Name „fliegende Zecke“.

Die Hirschlausfliege zu erkennen, ist gar nicht so einfach. Auf den ersten Blick sieht das Insekt aus wie eine normale Stubenfliege. Doch bei genauerem Hinsehen fallen Unterschiede auf: Die „fliegende Zecke“ hat einen flacheren Körper, ist etwa vier bis sechs Millimeter groß und hat eine rotbraune Färbung. Mit kleinen Haken an den Beinen kann sich die Hirschlausfliege gut an ihrem Wirt festklammern.

„Fliegende Zecke“: Gefährliche Hirschlausfliege hat jetzt Hochsaison

Von Juli bis Oktober hat die Hirschlausfliege in Baden-Württemberg Hochsaison. Anzutreffen ist das Tierchen in Wäldern. Besonders bevorzugt es dabei Eichen-, Kiefer- und Mischwälder und breitet sich dort immer weiter aus. Noch ein anderes Insekt breitet sich in Baden-Württemberg aus: das gefährlichste Tier der Welt, die asiatische Tigermücke. Normalerweise befällt die Fliege im Wald lebende Wildtiere wie Rehe oder Wildschweine. Doch auch auf Menschen und andere Tiere wie Hunde, Katzen oder Pferde, hat es die Hirschlausfliege abgesehen.

Der Biss selbst ist schmerzfrei. Ähnlich wie bei einem Moskitostich sind Schmerz und Juckreiz erst hinterher zu spüren. Häufig schwillt die Bissstelle an und wirkt wie ein Bluterguss. Ähnlich sieht auch der Stich der sich in Baden-Württemberg ausbreitenden Kriebelmücke aus. Beim Biss einer Hirschlausfliege benötigt der Körper mehrere Tage, um das Gift abzubauen. Während dieser Zeit juckt der Biss meist heftig. Trotz seiner unangenehmen Begleiterscheinungen ist der Biss in den meisten Fällen nicht gefährlich. Kommen jedoch Bakterien ins Spiel, sieht die Sache ganz anders aus.

Denn oft überträgt die Hirschlausfliege mit ihrem Biss gefährliche Bakterien auf ihren Wirt, berichtet WAZ.de. So sorgt etwa das von ihr übertragene Bakterium „Bartonella schoenbuchensis“ für Hauterkrankungen und Hautausschläge wie Pusteln, Ödeme oder Eiterungen. Häufig bekommen Infizierte zudem Fieber. Die Hirschlausfliege steht zudem unter Verdacht, durch das übertragene Bakterium Herzentzündungen auszulösen. Wissenschaftlich ist dies allerdings noch nicht belegt.

„Fliegende Zecke“: Gefährliche Hirschlausfliege umkreist erst ihre Opfer, bevor sie zubeißt

Bevor der Blutsauger zubeißt, schwirrt sie um ihr potenzielles Opfer. Sobald sie auf ihm landet, wirft sie ihre Flügel ab und begibt sich auf die Suche nach einer passenden Stelle. Bei Menschen beißen sich die Fliegen bevorzugt am Nacken oder der Kopfhaut fest. Ist eine passende Stelle gefunden, krallt sich das Insekt fest, drückt sich flach gegen die Haut und beißt zu. Bis zu 20 Minuten kann es dauern, bis die „fliegende Zecke“ vollgesaugt ist. Das Gemeine daran: In dieser Zeit kann sie auch mehrfach zubeißen.

Tiere wie Hunde oder Katzen leiden besonders unter dem Parasiten. Denn: Wird er nicht entfernt, nistet er sich bis zu 13 Monaten bei seinem Wirt ein, beißt ihn unzählige Male. Weibliche Hirschlausfliegen legen zudem auf dem Menschen oder dem Tier ihre Eier ab. Die Larven verpuppen sich dann allerdings später auf dem Boden.

Am besten ist es daher, die Hirschlausfliege zu entdecken, bevor sie sich überhaupt festbeißen kann. Einfach zu erwischen ist das Tier allerdings nicht. Es ist überaus flink und durch seine kleine Größe nur schwer zu fassen. Hat sie bereits zugebissen, sollte sie so schnell wie möglich entfernt werden. Am besten gelingt das mit einem Floh- oder Nissenkamm, schreibt WAZ.de. Auch Wasser, etwa bei einem Bad, kann helfen, die Plagegeister loszuwerden. Sollte das alles nicht helfen, sollte am besten ein Hausarzt aufgesucht werden. Kühlen der Bissstelle hilft außerdem gegen den Juckreiz.

Wie WAZ.de weiter berichtet, gehen Forschende davon aus, dass die Hirschlausfliege in Zukunft häufiger vorkommen wird, da die Winter in Europa milder werden. Entscheidend für die Ausbreitung der „fliegenden Zecke“ ist somit das Wetter in Deutschland. Denn in frostig-kalten Wintern sterben die im Boden überwinternden Larven ab.

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