5.000 Karten bereits verkauft

Mannheim will Auftritt von Xavier Naidoo in SAP-Arena verbieten - Hopp distanziert sich

  • Sina Alonso Garcia
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Die Stadt Mannheim rät den Betreibern der SAP-Arena, das Konzert von Xavier Naidoo am 9. Oktober abzusagen. Doch die Hallen-Betreiber weisen die Verantwortung von sich.

Mannheim - Sänger Xavier Naidoo sorgt schon seit einer Weile mit Verschwörungsmythen für Aufsehen. So verbreitete er wilde Thesen über eine flache Erde und Aliens, die angeblich unter dieser wohnen. In der Pandemie positionierte er sich klar als Corona-Skeptiker. Gemeinsam mit Attila Hildmann, Wendler und Nena organisierte er eine Demo in Berlin gegen die Corona-Maßnahmen und bezeichnete sich als „Kraft des Widerstands“.

Auch am bundesweiten Warntag im vergangenen September 2020 teilte Xavier Naidoo absurde Verschwörungstheorien. Kritiker werfen dem Sänger Antisemitismus, Verfassungsfeindlichkeit und rechtes Gedankengut vor.

Erst vor wenigen Tagen tauchte im Netz ein Song mit dem Titel „Ich mach da nicht mit“ auf, in dem Xavier Naidoo den Corona-Impfstoff als „euer Gift“ bezeichnet und gemeinsam mit einer Reihe von Rappern offen zur Sprengung eines Impfzentrums aufruft. Auf YouTube wurde das Video mittlerweile gelöscht.

Xavier Naidoo: Stadt Mannheim warnt SAP-Arena davor, ihm eine Bühne zu bieten

Mit ihrem wohl berühmtesten Sohn will die Stadt Mannheim aufgrund seiner kontroversen Standpunkte nichts mehr zu tun haben - und versucht jetzt, ein Großkonzert mit Naidoo zu verhindern. „Das bevorstehende Konzert in der SAP-Arena am 9. Oktober ist nicht im Sinne der Stadt“, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung. Die SAP-Arena solle prüfen, „ob sie einem Künstler, der immer weiter ins Abseits driftet und nun mit Antisemiten und Rechtsextremisten Musik macht, eine Bühne bieten will, die er erwartbar nicht nur musikalisch nutzen wird.“

Daniel Hopp, Betreiber der SAP-Arena, erklärte auf Anfrage des SWR, dass man nicht Konzert-Veranstalter, sondern lediglich Vermieter der Halle sei. Eine Absage könne nur durch den Veranstalter „DeMi Promotion“ aus Hirschberg (Rhein-Neckar-Kreis) erfolgen. In einem Gespräch mit dem Veranstalter will Hopp nun das weitere Vorgehen klären. Wie Mannheim24* berichtet, machte Hopp klar, dass er die Gesinnung von Xavier Naidoo nicht teilt. „Von den durch Xavier Naidoo verbreiteten äußerst problematischen Inhalten distanzieren wir uns entschieden“, sagte er dem Mannheimer Morgen.

Xavier Naidoo: Druck auf Veranstalter, Konzert abzusagen, wächst - „Demokratie muss sich wehrhaft zeigen“

Der Veranstalter betonte gegenüber dem SWR, er sei von der Entwicklung überrascht worden. Mit dem Management von Xavier Naidoo habe es zur aktuellen Entwicklung noch kein Gespräch gegeben. Eine andere Möglichkeit, das Konzert zu verhindern, wäre nur eine behördliche Verfügung. 5.000 Karten hat der Veranstalter nach eigenen Angaben für das Naidoo-Konzert bereits verkauft.

Ursprünglich hätte das Konzert auf der Ladenburger Neckarwiese stattfinden sollen. Dort hatte sich Widerstand gegen den Auftritt von Xavier Naidoo geregt. Auch nach der Verlegung in die SAP-Arena Mannheim fordern mehr als 30.000 Menschen die Absage des Konzerts.

Gerhard Fontagnier (Grüne), fraktionspolitischer Sprecher gegen Rechtsextremismus im Mannheimer Gemeinderat, sagte laut SWR: „Wer die Demokratie derart frontal und grundsätzlich angreift, dem muss klar sein, dass er mit Einrichtungen und Strukturen der Demokratie nichts mehr zu schaffen hat.“ Die Demokratie müsse sich „wehrhaft zeigen“, so Fontagnier.

Auch Naidoos ehemalige Band, die „Söhne Mannheims“, distanzieren sich klar von der Haltung ihres ehemaligen Gründungsmitglieds. *Mannheim24 ist ein Angebot von Ippen.Media.

Rubriklistenbild: © Alexandra Wey/dpa

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