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„Ich zahle Steuern, was soll das?“ Strafzettel-Video aus Baden-Württemberg landet im russischen Fernsehen

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Von: Sina Alonso Garcia

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Falschparker-Kontrolle in Lörrach
Im Netz macht ein Video aus Lörrach die Runde, in dem ein Mitarbeiter der Gemeinde ein ukrainisches Fahrzeug von einem Strafzettel verschont. © Arne Dedert/dpa/Facebook (Fotomontage BW24)

Ein Mann aus Lörrach hat beobachtet, wie er einen Strafzettel bekam, der Halter eines ukrainischen Wagens aber nicht. Wütend stritt er sich mit dem Vollzugsdienst - und stellte ein Video davon ins Netz.

Lörrach - „Wieso hat das Fahrzeug mit ukrainischem Kennzeichen keinen Strafzettel, aber ich habe hier einen?“ Mit diesen Worten leitet ein Mann in Lörrach ein Video ein, das kurze Zeit später im Netz viral geht. Die Kamera hält er geradeaus auf den Mitarbeiter des Gemeindevollzugsdiensts (GVD), der ihm das Knöllchen ausgeteilt hat. Während dieser ihn zu besänftigen versucht - „Sie wissen, was da momentan läuft“ -, redet sich der Falschparker erst richtig in Rage. „Na und, ich zahl die Steuern, was soll das?“, schreit er.

Strafzettel-Video aus Baden-Württemberg geht viral: ukrainischer Wagen im Mittelpunkt

„Warum geben Sie ihm keinen Strafzettel und mir geben Sie einen?“, empört sich der Autofahrer. „Dürfen die einfach ihre Fahrzeuge abstellen, wo sie wollen und ich als Steuerzahler muss dafür aufkommen? Wo bleibt da die Gleichberechtigung?“ Immer wieder versucht der GVD-Mitarbeiter, die Situation zu deeskalieren und empfiehlt: „Klären Sie es mit der Stadt.“

Nachdem der brüllende Autofahrer keine Ruhe gibt, wendet sich der GVD-Mitarbeiter ab und verschwindet von der Bildfläche. Ungebremst und völlig in Rage filmt der Mann weiter und schwenkt auch nochmal extra auf das ukrainische Fahrzeug.

Stadt Lörrach bestätigt: „Kulantere Regelung für ukrainische Fahrzeughalter“

Inzwischen hat sich das Video rasend schnell in den sozialen Medien verbreitet. Laut der Badischen Zeitung ist es allein auf Facebook bis Dienstagnachmittag fast 200.000 Mal aufgerufen worden und wurde mehr als 3.200 Mal geteilt. Auch auf TikTok wurde es gepostet und hat dort mehr als 110.000 Aufrufe. Inzwischen landete der Clip sogar im russischen Fernsehen, wie ein Ausschnitt zeigt, den der Urheber des Films auf Facebook teilte. Allerdings sind nur neun Sekunden des eigentlich eine Minute und sieben Sekunden langen Videos zu sehen. In welchem Kontext es im russischen TV erschien, ist unklar.

Laut BZ spielte sich die Szene am 16. April in der Feldbergstraße in Lörrach ab. Wegen Verletzung von Persönlichkeitsrechten durch die Bildaufnahme hat die Stadt Lörrach einen Strafantrag gegen den Filmenden gestellt. Wie ein Sprecher der Stadt mitteilte, würden grundsätzlich alle Parkverstöße geahndet. Bei Verstößen von ukrainischen Fahrzeughaltern habe man den Einzelfall geprüft und „in den vergangenen vier Wochen eine kulantere Regelung angewendet.“ Diese habe nicht gegolten, wenn der Verkehr gefährdet wurde, zum Beispiel beim Parken in einer Feuerwehrzufahrt.

Noch sind die konkreten Hintergründe der Szene aus dem Video unklar. So geht daraus nicht hervor, ob der Strafzettel wegen einer Überschreitung der Parkzeit erteilt wurde, oder ob der Mann gar kein Parkticket hatte. Beim ukrainischen Auto sieht man hingegen kurz eine Parkscheibe im Auto liegen. In der Feldbergstraße muss man allerdings Anwohner sein oder ein Ticket lösen. Wie der Urheber des Videos auf Anfrage der BZ mitteilte, habe er zur Klärung der Angelegenheit einen Sachbearbeiter hinzugezogen. Dieser erklärte gegenüber der BZ, dass ein Video in Arbeit sei, das die Anfragen mehrerer Personen diesbezüglich klären solle.

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