Seltene Gäste

Schakal, Wolf, Luchs: Ausgerottete Tierarten kehren jetzt nach Baden-Württemberg zurück

Goldschakal streift im Dunkeln durch den Wald.
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Ein Goldschakal tappt in eine Fotofalle, aufgenommen 2012 im Landkreis Freyung-Grafenau in Bayern. Jetzt wurde auch im Odenwald in Baden-Württemberg ein Schakal gesichtet.
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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Nach Jahrzehnte langer Abwesenheit kehren größere Raubtiere zurück nach Baden-Württemberg. Immer wieder wurden Wolf, Luchs und Schakal gesichtet.

Mudau/Konstanz - 150 Jahre lang war der Wolf in Deutschland ausgerottet. Im Jahr 2000 wurden dann in der Lausitz die ersten Wolfswelpen in Freiheit geboren. Seither erobern sich die Wölfe ihren alten Lebensraum zurück. Acht Wölfe soll es mittlerweile in Baden-Württemberg geben. Einer davon wurde im Neckar-Odenwald-Kreis bestätigt. Schon seit September hält er sich in einem großen Waldgebiet rund um Mudau auf. Menschen brauchen den Fleischfresser jedoch nicht zu fürchten: Das Raubtier hat es vor allem auf Nutztiere abgesehen.

Der Wolf ist im Neckar-Odenwald-Kreis nicht der einzige seltene Gast. Auch andere Wildhunde und Raubkatzen machten von sich Reden: Im vergangenen Jahr wurden im Elztal Spuren von einem Luchs nachgewiesen und in Mudau tauchte kürzlich sogar ein Schakal auf. „Wir hatten einen sicheren Nachweis eines Luchses im Elztal“, bestätigte Tobias Kuhlmann, Wildtierbeauftragter im Neckar-Odenwald-Kreis, gegenüber den Fränkischen Nachrichten. „Der scheint aber recht zügig in den Rhein-Neckar-Kreis weitergezogen sein und wurde im Anschluss dort mehrfach bestätigt.“ Der Luchs stamme nachweislich aus dem Harz. „Vom Schakal haben wir bislang auch nur den einen bestätigten Hinweis.“

Schakal tappte in Fotofalle - seltener Geselle in Baden-Württemberg

Der scheue Goldschakal tappte Anfang November in eine Fotofalle auf der Gemeindeebene Mosbach. Das bestätigte die Forstliche Forschungs- und Versuchsanstalt (FVA) Baden-Württemberg. Es ist einer der ersten Nachweise des seltenen Wildtieres in Baden-Württemberg. Von seinem ursprünglichen Siedlungsgebiet auf dem Balkan breitet der Schakal sich zunehmend Richtung Mitteleuropa aus. Als Wolfs- und Schakaltiger ist er eng mit dem Wolf verwandt. Optisch ist er eine Mischung aus Fuchs und Wolf.

Den Grund für das vermehrte Vorkommen von Wildtieren im Odenwald sieht Kuhlmann darin, „dass der Mensch hier noch nicht so stark in die Natur eingegriffen hat, wie es in anderen Regionen der Fall ist“. So nisten sich auch Fischotter, Biber, Nutria, Marderhund, Waschbär, Wildkatze, Nilgans, Schwarzstorch oder Uhu gerne in dem Gebiet ein. Auch der seltene Rothirsch darf hier leben: „Der Odenwald hat gesetzlich das Privileg, als Rotwildgebiet gewertet zu werden“, erklärt der Wildtierbeauftragte.

Wolf und Co.: Ausbreitung macht vielen Menschen Angst, doch es droht keine Gefahr

Die Ausbreitung der Wölfe in Deutschland macht vielen Menschen Angst. Aufklärung zum Thema Wolf ist Kuhlmann daher ein wichtiges Anliegen. „Nach langer Abwesenheit kehrt nun ein größeres Raubtier zurück in unsere Landschaft. Mensch und Wolf müssen sich der neuen Situation anpassen.“

In Deutschland leben derzeit nach offiziellen Angaben über tausend Wölfe. Vor allem Jungwölfe legen bei der Suche nach einem eigenen Territorium teils enorme Strecken zurück. Seit 2015 wurden in Baden-Württemberg insgesamt acht Wölfe eindeutig nachgewiesen. Einer ist seit 2017 im Nordschwarzwald sesshaft, ein anderer seit 2019 im Südschwarzwald. Drei wurden bisher auf Autobahnen überfahren, einer illegal getötet und im Schluchsee versenkt. Von zwei weiteren Wölfen fehlt derzeit jede Spur.

Weiterer Luchs in Konstanz gesichtet - eine kleine Sensation

Der Luchs, der sich kurze Zeit im Odenwald-Kreis niedergelassen hat, stellt eine absolute Seltenheit dar. Bislang waren nämlich nur insgesamt drei Luchse in Baden-Württemberg bestätigt worden.

Nun hat die kleine Population im Südwesten Zuwachs bekommen: Im Kreis Konstanz hat sich das Männchen „B723“ niedergelassen, wie das Ministerium für Ländlichen Raum am Montag bekannt gab. Die wissenschaftliche Bezeichnung trägt das Tier jetzt so lange, bis es mit einem Halsbandsender versehen wurde. Dann erst bekommt es einen richtigen Namen.

Bereits im Januar hatte es erste Hinweise für einen Luchs in Konstanz gegeben. Im September und Oktober wurde das Tier dann in verschiedenen Gemeinden fotografiert. Laut des Ministeriums kommen seit den 1990er-Jahren Luchse aus der Schweiz nach Baden-Württemberg.

Bisher konnten allerdings nur männliche Tiere nachgewiesen werden. „Es wäre großartig, wenn der Luchs in Baden-Württemberg wieder heimisch würde“, sagte die Artenschutzreferentin des Nabu, Felicitas Rechtenwald, dem Böblinger Boten. Um dies zu verwirklichen, müsse man den Bestand mit ausgewilderten Weibchen stützen.

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