Raubtier kehrt zurück

Schafe und Ziegen gerissen: Wolf aus Italien verbreitet Angst und Schrecken im Südwesten

Ein Wolf streift durch den Wald.
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Wölfe verbreiten sich immer weiter in Deutschland.
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Ein Wolf aus dem Süden Europas fühlt sich in Baden-Württemberg offenbar wohl - zum Ärgernis der hiesigen Landwirte. Denn er hat bereits mehrere Tiere gerissen.

Bad Rippoldsau-Schapbach - Lange galt er in Deutschland als ausgerottet, nun erobert er langsam aber sicher seinen Lebensraum zurück: Der Wolf taucht wieder im Land auf. Auch in Baden-Württemberg wurden schon mehrere Exemplare gesichtet. Im Odenwald ist seit Anfang des Jahres das erste Mal in 155 Jahren ein Wolf sesshaft. Doch das Zusammenleben von Mensch und Tier läuft nicht immer friedlich ab. In Bad Rippoldsau-Schapbach im Kreis Freudenstadt hinterlässt ein Wolf eine blutige Spur.

Das Tier, das wohl ursprünglich aus Italien nach Baden-Württemberg kam, hat im Nordschwarzwald bereits neun Tiere gerissen. Zunächst habe er sieben Schafe getötet, einige Tage später riss er zwei Ziegen im Gemeindegebiet Nordrach im Ortenaukreis. Ende Mai sei der Wolfsrüde auch in Schramberg (Kreis Rottweil) genetisch nachgewiesen worden, teilte die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg am Mittwoch mit.

Wolf aus Italien hat bereits zwei Artgenossen im Schwarzwald

Der Wolf hat inzwischen den wissenschaftlichen Namen GW2120m erhalten. Bad Rippoldsau-Schapbach und Nordrach liegen laut Umweltministerium im Fördergebiet Wolfsprävention Schwarzwald, in dem bereits zwei weitere Wolfsrüden heimisch sind. „Ob sich GW2120m auch weiterhin im mittleren Schwarzwald aufhalten wird, müssen weitere Daten zeigen“, sagte eine Sprecherin des Ministeriums der Deutschen Presse Agentur (dpa).

Als sesshaft gilt ein Wolf dann, wenn ein eindeutig zuzuweisender Nachweis des Tieres auch nach sechs Monaten noch gefunden wird. Unterdessen taucht in Baden-Württemberg auch der Goldschakal auf. Eine Sensation, denn in Mittel- und Nordeuropa war er zuvor nie heimisch. Doch Tierfreunde fürchten um das Leben des seltenen Goldschakals.

Durch Wolf könnte die Region künftig zum Fördergebiet für Wolfsprävention werden

Würde der Wolf aus Italien im Schwarzwald sesshaft werden, wäre er dort nicht der einzige Vertreter seiner Art. Im Südwesten sind bislang drei weitere Wölfe bekannt, die dauerhaft im Schwarzwald und im Odenwald leben. Wenn der italienische Wolf tatsächlich im Kreis Freudenstadt bleibt, hieße das für die Region, dass dort ein weiteres Fördergebiet Wolfsprävention ausgewiesen wird. Heißt für die Landwirte: Dann gelten besondere Anforderungen für den Herdenschutz. Dieser muss wolfsabweisend sein. Im Gegenzug erstattet das Land im ausgewiesenen Fördergebiet nahezu sämtliche Kosten für den zusätzlichen Herdenschutz.

Auch wenn Wölfe ab und an Nutztiere reißen - zu einer Begegnung von Mensch und Wolf kommt es eher selten. Die Raubtiere sind äußerst scheu und meiden den Menschen wenn möglich. Sollte es doch zu einem Aufeinandertreffen von Wolf und Mensch kommen, sollte man gewisse Regeln beachten. Der Wolf ist außerdem nicht das einzige Raubtier, das wieder in Deutschland auftaucht. Ausgerottete Tierarten wie Luchs und Schakal kehren nach Baden-Württemberg zurück.

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