Wölfe im Schwarzwald

Wolf ist „gesamtgesellschaftliches Problem“: Gemeinden wollen Rückkehr der Tiere verhindern

Ein Europäischer Wolf läuft im Wildparadies Tripsdrill durch das Wolfsgehege.
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Im Schwarzwald gibt es mindestens zwei Wölfe.
  • Sabrina Kreuzer
    vonSabrina Kreuzer
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Wo Wölfe leben, müssen Nutztiere geschützt werden. Doch das sehen nicht alle Menschen so: Im Schwarzwälder Wiesental tun sich Gemeinden schwer daran, Schutzzäune zu genehmigen.

Todtnau/Fröhnd - In Baden-Württemberg siedeln sich immer mehr Wölfe an. Im Odenwald gibt es nach 155 Jahren endlich wieder einen Wolf und auch im Schwarzwald leben mindestens zwei Exemplare. Doch genau hier gibt es nun Probleme: Die Gebiete, in denen Wölfe sesshaft sind, werden als „Fördergebiet Wolfsprävention“ ausgeschrieben. Dort müssen Nutztiere mit Zäunen geschützt werden, deren Kosten das Land übernimmt. In mehreren Kommunen im Oberen Wiesental, das in einem dieser Fördergebiete liegt, tun sich die Kommunalpolitiker jedoch schwer, diese Zäune zu genehmigen.

In der Gemeinde Todtnau im Landkreis Lörrach ist die Lage laut der Badischen Zeitung besonders verzwickt. Dort hat der Bauausschuss kürzlich einen Antrag zum Bau eines Wolfszauns in Brandenberg abgelehnt. Doch das bringt den Gemeinderat von Todtnau nun in Bredouille: Wer muss haften, wenn ein Wolf in Brandenberg ein Nutztier reißen sollte? Diese missliche Lage versteht auch Bürgermeister Andreas Wießner: „Das Thema Wolfszäune wird noch einmal grundsätzlich bei einer Klausur im Gemeinderat beraten werden.“

Wölfe im Schwarzwald: Die Gemeinden Todtnau und Fröhnd tun sich bei der Genehmigung von Zäunen schwer

Im Landwirtschaftsamt von Todtnau rechnet man mit weiteren Anträgen zur Genehmigung von Schutzzäunen gegen Wölfe im Schwarzwald sowie zu anderen Anliegen in dieser Richtung. Die gesamte Thematik sei für alle Beteiligten neu, es gelte, verschiedene Aspekte zu betrachten, so Georg Dutschke vom Landwirtschaftsamt. Dazu zähle zum Beispiel die Querung von Wanderwegen, die Verkehrssicherungspflicht, das Sichern von Wildwechsel und vieles mehr.

Auch in Fröhnd geht der Gemeinderat nicht leicht mit der Genehmigung von Schutzzäunen gegen Wölfe um: Zähneknirschend wurde dem Antrag zweier Landwirte zugestimmt, die ihre sieben Hektar große Gemeinschaftsweide mittels eines 2,2 Kilometer langen Schutzzauns vor Wölfen schützen und damit ihren Anspruch auf Entschädigung durch das Land sichern wollten. Bürgermeister Michael Engesser machte seinem Unmut gegenüber des Wolfsprojekts laut: „Die Wiederansiedlung des Wolfes halten wir nicht für gut.“ Es sei seiner Meinung nach nicht auszuschließen, dass Wolfsrudel in Zukunft auch Menschen angreifen. Zudem werde die Offenhaltung der Landschaft durch Wolfszäune erschwert.

In Fröhnd will man die Ansiedlung von Wölfen im Schwarzwald verhindern

Wie die Badische Zeitung berichtet, hatte die Forstwirtschaftliche Versuchsanstalt in Freiburg jedoch eine Einschätzung abgegeben. Laut dieser ernähren sich Wölfe in der Regel von Wildtieren und reißen nur in Ausnahmefällen Schafe. Doch das sehen die Betroffenen vor Ort offenbar anders: Sie wollen die Rückkehr des geschützten Raubtieres in den Schwarzwald verhindern.

Vielleicht, weil es vereinzelte Meldungen gibt, dass Wölfe ein Nutztier gerissen haben: Wie vergangenen Dezember als ein Wolf bei Freiburg ein Schaf tötete. Bürgermeister Michael Engesser erhielt volle Unterstützung seitens der Gemeinderäte. Besorgte Stimmen wurden laut, dass die Wölfe an den Zäunen auf und ab rennen und so die Herden in Panik versetzen würden. Die Wiederansiedlung des Wolfes sei nicht nur ein Problem für die Nutztierhalter, „sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem“, hieß es weiter.

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