Raubtiere im Schwarzwald

Wolf in Baden-Württemberg gesichtet: Jäger mit warnenden Worten - wer jetzt aufpassen muss

  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
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Seit etwa 20 Jahren erobern Wölfe verstärkt ihren Lebensraum in Deutschland zurück. Auch in Baden-Württemberg ist der Wolf zurückgekehrt. Mittlerweile haben sich zwei der Raubtiere im Schwarzwald niedergelassen - für die Nutztiere von Bauern eine Gefahr. Das Umweltministerium bietet daher eine finanzielle Förderung für Betroffene im sogenannten „Fördergebiet Wolfsprävention“.

  • Der Wolf in Baden-Württemberg ist zurückgekehrt. Mittlerweile haben sich zwei der Raubtiere im Schwarzwald dauerhaft niedergelassen.
  • Die Anwesenheit von Wölfen bedeutet eine Gefahr Nutztierhalter der Region. Immer wieder werden beispielsweise Schafe oder Ziegen von einem Wolf gerissen.
  • Das Umweltministerium weitet nun das Fördergebiet Wolfsprävention auf den ganzen Schwarzwald aus. Betroffene bekommen vor Ort finanzielle Unterstützung.

Schluchsee/Südschwarzwald - Etwa 150 Jahre lang war in Baden-Württemberg kein Wolf mehr gesichtet worden, bis es 2015 erstmals wieder Nachweise für die Raubtiere im Südwesten gab. Seitdem werden Wölfe immer wieder gesichtet. Viele Menschen wissen jedoch nicht, wie sie sich bei einer Begegnung mit einem Wolf in Baden-Württemberg verhalten sollen.

Ein ganz bestimmter Wolf sorgt bei Bauern und Nutztierhaltern im Nordschwarzwald für Beunruhigung. Sein wenig klangvoller Name: „GW 852m“. Er war der bislang einzige Wolf, der sich in einer Region in Baden-Württemberg dauerhaft niedergelassen hat. Eingewandert war das Tier aus Norddeutschland.

Zweiter Wolf in Baden-Württemberg hat sich am Schluchsee im Südschwarzwald niedergelassen

Während sich Naturschützer über die Rückkehr des Wolfs in Baden-Württemberg freuten, hatte die Anwesenheit des Raubtiers für die Bauern vor Ort eher negative Folgen. Immer wieder kommt es zu Wolfsangriffen, was für die Weidetierhalter häufig einen großen finanziellen Schaden bedeutet.

Im Mai 2018 etwa war der Wolf „GW 852m“ für eine schlimme Attacke auf eine Schafherde in Bad Wildbad im Kreis Calw verantwortlich. 44 Tiere starben bei dem Angriff. Nicht wenige befürworten daher eine härte Vorgehensweise in Bezug auf den Wolf in Baden-Württemberg. Nach nationalem und internationalem Recht steht das Raubtier jedoch unter strengem Artenschutz. Töten darf man das Tier nur im Einzelfall, etwa wenn ein Wolf „gegenüber Menschen auffälliges Verhalten zeigt“ oder „konkret ausgeführte Herdenschutzmaßnahmen überwindet“, wie es auf der Seite des Umweltministeriums heißt.

Auch wenn der Wolf in Baden-Württemberg geschützt ist, stellt er dennoch eine große Bedrohung gerade für Nutztiere und ihre Besitzer dar. Aufgrund des ersten dauerhaft sesshaften Wolfs im Nordschwarzwald beschloss das Umweltministerium im Mai 2018 daher eine finanzielle Förderung von Herdenschutzmaßnahmen in dem sogenannten Fördergebiet Wolfsprävention. Dabei handelte es sich um ein rund 3.700 Quadratmeter großes Areal. Innerhalb dieses Fördergebiets können Nutztierhalter und Bauern vielerlei staatliche Unterstützung beim Bau von beispielsweise Elektrozäunen, die gezielt zur Abwehr von Wolfsangriffen gedacht sind, erhalten.

Wolf in Baden-Württemberg: Umweltministerium vergrößert Fördergebiet Wolfsprävention

Wie das Umweltministerium jetzt in einer Mitteilung bekannt gab, soll das Fördergebiet Wolfsprävention auf den gesamten Naturraum Schwarzwald erweitert werden. Dies sei nötig, weil sich mittlerweile ein zweiter Wolf in Baden-Württemberg angesiedelt habe. Dies hatte Umweltminister Franz Untersteller unlängst in Stuttgart bekanntgegeben. Sein Revier hat das Tier wohl nachweislich am Schluchsee knapp 40 Kilometer südöstlich von Freiburg. Auch dieser junge Wolfsrüde trägt mit „GW1129m“ eine ähnliche Zahlen-Buchstaben-Kombination als Namen wie sein Artgenosse im Nordschwarzwald.

Im Schwarzwald in Baden-Württemberg haben sich mittlerweile zwei Wölfe niedergelassen. (Symbolfoto)

Als Reaktion auf den zweiten Wolf in Baden-Württemberg soll sich das neue Fördergebiet Wolfsprävention laut Umweltministerium von Ettlingen im Norden bis Bad Säckingen im Süden erstrecken und werde sich im Westen von der B3, im Osten von der A81 begrenzt. Die scharfe Grenzziehung erfolge in den nächsten Tagen, im Anschluss daran werde das neue Fördergebiet offiziell ausgewiesen. Es soll den Lebensraum betreffen, in dem sich der Wolf in Baden-Württemberg bewegen könnte.

„Es ist uns wichtig, ein zusammenhängendes und klar umrissenes Fördergebiet auszuweisen“, wird Umweltminister Franz Untersteller in der Mitteilung zu dem zweiten Wolf in Baden-Württemberg zitiert. „Deshalb nutzen wir Bundesstraße und Autobahn als erkennbare Landmarken im Osten und Westen und korrigieren damit das bestehende Fördergebiet an wenigen Stellen. Gleichzeitig schließen wir das neue Fördergebiet im Süden nahtlos an das alte Gebiet an.“

Wolf in Baden-Württemberg: Das passiert, wenn sich das Raubtier weiter ausbreitet

Bereits bei dem ersten Fördergebiet Wolfsprävention von 2018 gab es laut Umweltministerium eine Übergangsfrist, die nun auch für das neue gelten soll. Innerhalb eines Jahres werden Nutztierhalter, deren Tiere in Baden-Württemberg von einem Wolf gerissen wurden, entschädigt. Bis zum Ablauf der Frist müssen sie ihre Weiden jedoch mit einem „wolfsabweisenden Grundschutz" sichern. Ist dieser anschließend nicht gegeben, entfällt auch der Grundschutz. Sollte sich der Wolf in Baden-Württemberg auch anderenorts niederlassen, besteht vermutlich auch die Möglichkeit, das Fördergebiet noch weiter auszuweiten.

Mitte Mai wurde auch im Landkreis Schwäbisch Hall angeblich ein Wolf in Baden-Württemberg gesichtet. Eine Wildkamera soll das Raubtier fotografiert haben, die Aufnahme von dem Wolf gab jedoch Rätsel auf. Eine Expertin vom Alternativen Wolfs- und Bärenpark teilte jedoch mit, dass Menschen im Falle einer Begegnung mit einem Wolf, keine Angst haben müssten, da die Tiere extrem scheu seien. Selbiges gilt im Übrigen für Wildschweine. Kürzlich kam es zu einem Fall im Landkreis Rottweil, wo eine Wildsau in die Weide einer Kuh eindrang - das Hochlandrind ging jedoch bis zum Äußersten, um seine Kälber zu beschützen.

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