Apokalyptischer als Covid-19

Winfried Kretschmann warnt vor größerer Gefahr nach der Pandemie: „Es geht einfach nicht mehr“

  • Lisa Schönhaar
    VonLisa Schönhaar
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Nach fast zwei Jahren nähert sich das Ende der Pandemie. Winfried Kretschmann zufolge lauert aber bereits eine viel größere Gefahr.

Stuttgart - Während im Bund darüber diskutiert wird, die epidemische Lage zu beenden, wendet sich Ministerpräsident Winfried Kretschmann bereits der nächsten Gefahr zu. Schon im Juni 2020, also mitten in der Pandemie, hatte Kretschmann davor gewarnt, eine viel größere Bedrohung in der öffentlichen Diskussion zu vernachlässigen: Die Klimakrise.

„Der Klimawandel beschäftigt mich weiterhin sehr, auch wenn er gerade nicht die Schlagzeilen beherrscht“, sagte Kretschmann damals zur dpa. Sollten wir den Klimawandel nicht bremsen können, werde er die Corona-Krise in den Auswirkungen noch in den Schatten stellen. „Der Klimawandel kann die ganze Welt nachhaltig erschüttern und ihn können wir nicht irgendwann einfach wegimpfen", sagte Kretschmann.

Winfried Kretschmann mit wütendem Auftritt: „Es geht einfach nicht mehr“

Jetzt, da sich die Pandemie ihrem Ende nähert, scheint Winfried Kretschmann sich wieder voll auf den Kampf gegen den Klimawandel zu konzentrieren. Und dabei tut sich dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten bisher viel zu wenig. Deshalb hat er nun genug. „So krawallig wie in den letzten drei Monaten war ich in zehn Jahren zuvor nicht, und das hat einfach damit zu tun: Es geht zu langsam, es geht nicht richtig voran, und das muss sich einfach ändern“, sagte Winfried Kretschmann im Oktober 2021 beim „KongressBW“, einer Tagung zum Thema Energie.

Winfried Kretschmann ist wütend, weil der Kampf gegen den Klimawandel zu langsam vorangeht.

„Es hat Ausmaße angenommen auf allen Gebieten, wie lange alles geht und wie alles zerredet wird. Es geht einfach nicht mehr“, schimpfte Kretschmann bei der Tagung. Auch in der eigenen Regierung geht es ihm zu langsam voran, weil es zu viele Bedenken und bürokratische Hindernisse gibt. Winfried Kretschmann fragt: „Wozu bin ich überhaupt Regierungschef, wenn ich eigentlich nichts mehr machen kann?“

Winfried Kretschmann warnt: „Wenn das auf uns zukommt, dann gnade uns Gott“

Die nächsten zehn Jahre entschieden nicht nur über die Zukunft des Klimas, sondern auch über diejenige des Wirtschaftsstandorts, sagte Kretschmann bei der Konferenz. „Auch andere machen super Produkte.“ Wenn die Demokratie nicht zeige, dass sie besser sei, komme zur Klimakrise noch eine politische Krise hinzu.

Ähnlich dramatisch hatte sich Winfried Kretschmann bereits in der Vergangenheit geäußert. „Vor dem Klimawandel habe ich weit mehr Respekt als vor der Coronakrise“, sagte Kretschmann 2020 zur dpa.  Die Folgen wären Naturkatastrophen, Ernteausfälle, Hunger- und Hitzetote, Flüchtlingsströme und ganze Landstriche, die wegen Dürre oder Überflutung unbewohnbar sind. „Das hat fast eine apokalyptische Anmutung“, sagte Kretschmann. „Wenn das auf uns zukommt, dann gnade uns Gott.“

Rubriklistenbild: © Bernd Weissbrod/dpa

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