Ministerpräsident warnt vor Lockerungen

Winfried Kretschmann kontert Merkels Corona-Einschätzung mit spöttischem Spruch

Winfried Kretschmann zieht bei einem Treffen mit Markus Söder zum Schutz vor dem Coronavirus eine Atemmaske mit der Aufschrift „Wir halten zusammen. Auch mit Abstand“ über die Nase.
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Coronavirus in Baden-Württemberg: Winfried Kretschmann mahnt vor weiteren Lockerungen und widerspricht Aussagen von Angela Merkel.
  • Valentin Betz
    vonValentin Betz
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Nach den Lockerungen der Maßnahmen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg gibt sich Ministerpräsident Winfried Kretschmann weiter skeptisch. Er zieht die Bürger in die Verantwortung und widerspricht Kanzlerin Angela Merkel.

  • Winfried Kretschmann setzt bei der Lockerung der Maßnahmen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg auf die Eigenverantwortung der Bürger.
  • Gegenüber Lobbyisten und Ministern sieht sich Baden-Württembergs Regierungschef als „Bremser“.
  • Winfried Kretschmann sieht Deutschland und Baden-Württemberg anders als Angela Merkel weiter mitten in der Pandemie.

Stuttgart - Anfang Mai wurden die Maßnahmen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg gelockert. Ministerpräsident Winfried Kretschmann hatte da bereits Bedenken und mahnte zur Vorsicht. In einem Interview mit der Heilbronner Stimme (HST) äußerte er sich skeptisch zur Öffnung der Gaststätten und appellierte an die Verantwortung der Bürger.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Öffnen der Gaststätten ein Risiko

Winfried Kretschmann hält die Öffnung der Gaststätten trotz des Coronavirus in Baden-Württemberg weiterhin für ein großes Risiko. Um ein erneutes Ansteigen der Covid-19-Erkrankungen zu verhindern, käme es auf die Eigenverantwortung der Bürger an. „Ob wir den Pfad der Lockerung weiter verfolgen können, liegt wirklich bei jedem und jeder einzelnen von uns“, erklärte Kretschmann gegenüber der HST. Er vertraue darauf, dass sich „die Bürger in ihrer überwältigenden Anzahl weiter so diszipliniert und vernünftig verhalten wie bisher.“

Kampf gegen Coronavirus-Pandemie: Winfried Kretschmann kontert Kanzlerin Angela Merkel

Laut Bundeskanzerin Angela Merkel ist die erste Phase der Bekämpfung des Coronavirus in Baden-Württemberg und ganz Deutschland abgehakt. Dieser Aussage widerspricht Winfried Kretschmann vehement.  „Also so eine Pandemie hat nicht einfach zwei Hälften. Das ist nicht wie beim Fußball“, sagte er im Interview. Das Infektionsgeschehen bleibe immer fragil, so Winfried Kretschmann gegenüber der HST. Deutschland befinde sich weiter mitten in der Pandemie.

Die Einführung der Maßzahl für das Infektionsgeschehen auf Ebene der Stadt- und Landkreise bezeichnet Winfried Kretschmann dann aber selbst als neue Phase, die durch Ministerpräsidentenkonferenz eingeleitet worden sei. Wenn innerhalb von sieben Tagen 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner verzeichnet würden, müssten Beschränkungskonzepte erarbeitet werden, so Kretschmann. Diese Regelung gilt sowohl in Bezug auf das Coronavirus in Baden-Württemberg, als auch in den anderen Bundesländern Deutschlands.

Winfried Kretschmann: Druck durch Lobbyisten, Minister und andere Bundesländer standhalten

Durch das Coronavirus in Baden-Württemberg versuchten zudem zahlreiche Interessengruppen auf zuständige Minister einzuwirken. Das sei zwar schon immer der Fall gewesen, durch den hohen existenziellen Druck und enormen Stress in manchen Branchen habe das aber noch größere Ausmaße angenommen, erklärt Winfried Kretschmann im Interview mit der HST. Er könne trotzdem nicht alles machen, was ein Minister von ihm fordere, so Kretschmann weiter: „Deswegen braucht es einen, der auch mal auf der Bremse steht. Und das bin ich.“

Winfried Kretschmann erneuerte darüber hinaus seinen Wunsch, in Bezug auf weitere Lockerungen der Corona-Maßnahmen das Vorgehen der Bundesländer besser abzustimmen. Er kritisierte erneut die Landesregierung in Sachsen-Anhalt, die ohne Rücksprache mit den Ministerpräsidenten anderer Bundesländer Zusammenkünfte von bis zu fünf Menschen zugelassen hatte. Zwar seien die Ansteckungszahlen in Sachsen-Anhalt deutlich niedriger gewesen als die Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg oder Bayern. „Aber das gemeinsame Agieren der Länder mit dem Bund hat den Maßnahmen, die wir getroffen haben doch viel Nachdruck verliehen. Da konnte niemand auf ein anderes Land verweisen und fragen, warum die mehr lockern als wir.“

Absatzprämie für Verbrennungsmotoren: Winfried Kretschmann verteidigt sich weiter

Im Interview mit der Heilbronner Stimme geht Winfried Kretschmann auch auf die Kaufprämie für Autos mit Verbrennungsmotoren ein. Für die Forderung danach hatte der Ministerpräsident Baden-Württembergs heftige Kritik aus der eigenen Partei, aber auch in den sozialen Medien geerntet. Besonders die Grüne Jugend rügte Winfried Kretschmann und bezeichnete dessen Vorschlag als verantwortungslos.

Neben den Grünen bezog auch die Klimabewegung Fridays for Future Stellung bei Twitter. Sie rechnete dem grünen Ministerpräsidenten vor, welche umweltfreundlichen Transportmittel man stattdessen finanzieren könne. Winfried Kretschmann betonte hingegen gegenüber der HST, es gehe ihm mit der Absatzprämie nicht um die großen Autofirmen, sondern um die vielen Zulieferer, die durch das Coronavirus in Baden-Württemberg dringend Hilfe brauchten.

Trotz Coronavirus in Baden-Württemberg: Winfried Kretschmann will Klimakrise nicht vernachlässigen

Winfried Kretschmann wünscht sich außerdem, dass trotz des Coronavirus in Baden-Württemberg bald auch wieder andere Themen auf die Tagesordnung kommen. Bereits Anfang Mai hatte er gewarnt, dass der Klimawandel die Corona-Krise in den Schatten stellen könnte. Vor den weitreichenden Folgen einer Klimakrise habe er mehr Respekt, als vor der Corona-Pandemie.

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