„Mit viel Herzblut“

Frau rettet Eichhörnchenbabys und päppelt sie zu Hause auf - „rund 50 Tiere im Jahr“

Eins der Eichhörnchenbabys, die Anja Hahn gerettet hat, liegt in ihrer Hand.
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Eins der Eichhörnchenbabys, die Anja Hahn gerettet hat, liegt in ihrer Hand.
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Anja Hahn hat ein Herz für Tiere. Jährlich finden zahlreiche geschwächte Eichhörnchen bei ihr zu Hause Unterschlupf und werden wieder zu Kräften gebracht.

Grünkraut - Wenn Eichhörnchen von März bis August ihren Nachwuchs bekommen, passiert es leider immer wieder, dass Jungtiere aus den Nestern fallen. Insbesondere bei unbeständigem Wetter mit Stürmen kann es sein, dass es ganze Kobel mitsamt ihren Insassen vom Baum fegt. Doch was tut man, wenn man ein kleines, hilfloses Eichhörnchen findet? „Die Erstversorgung ist in so einem Fall das A und O“, sagt Anja Hahn von der Wildtierhilfe Baden-Württemberg gegenüber BW24. „Als Laie kann man viel falsch machen, deshalb ist es sehr wichtig, sich fachmännische Hilfe zu holen.“ Um ein geschwächtes Eichhörnchen wieder zu Kräften zu bringen, braucht es das richtige Equipment und Know-how.

Jährlich päppelt Anja Hahn, die in Grünkraut (Kreis Ravensburg) wohnt, rund 50 Eichhörnchen auf, die geschwächt sind und es alleine nicht mehr schaffen. In selbstgebauten, großräumigen Volièren mit Ästen, Nestern, Hängematten und Schaukeln finden die Tiere zeitweise einen Unterschlupf. Anja Hahn pflegt sie so lange, bis sie sie guten Gewissens wieder auswildern kann. „In der Regel sind die Tiere bis zu neun Wochen im Haus, dann ziehen sie in die Außenvolière um“, so Hahn. In dem 35 Quadratmeter großen Außengehege kommen die Kleinen erstmals in Kontakt mit der Natur, bevor sie nach weiteren drei bis vier Wochen zurück in die Freiheit entlassen werden.

Die Baby-Hörnchen sind anfangs sehr geschwächt.

Eichhörnchenbabys richtig aufpäppeln: „Tiere brauchen alle zwei Stunden ihre Milch“

„Viele Menschen unterschätzen, wie viel Arbeit es ist, ein Eichhörnchen bei sich zu Hause aufzupäppeln“, sagt Anja Hahn. „Die Babys müssen beispielsweise alle zwei Stunden mit Milch gefüttert werden. Das heißt, man muss auch in der Nacht regelmäßig aufstehen.“ Auch sei es sehr wichtig, dass die Tiere nicht alleine, sondern mindestens zu zweit sind. „Gerade in jungen Jahren sind Eichhörnchen immer in Gruppen unterwegs, deshalb sollte man sie auch so halten.“ Zeitweise tummeln sich in Anja Hahns Volière bis zu dreizehn der putzigen Tierchen gleichzeitig.

In Anja Hahns großräumigen Volièren haben die Eichhörnchen genug Platz, sich auszutoben.

Da Hahn, die als Bürokauffrau arbeitet, ihren Geschäftsbereich unmittelbar neben ihrer Wohnung hat, lässt sich ihr Engagement für die Tiere gut mit ihrem Job vereinbaren. „Ich kann einfach schnell rübergehen, die Tiere füttern und dann wieder weiterarbeiten“, sagt sie. Neben Eichhörnchen nimmt sie zeitweise auch andere Tiere in Not bei sich auf - zum Beispiel Feldhasen, Siebenschläfer, Singvögel, Fasane, Stockenten oder Graugänse.

Ihre besondere Zuneigung für Tiere hat Hahn bereits in die Wiege gelegt bekommen. „Ich bin sehr naturnah aufgewachsen. In meiner Kindheit in den Bergen gab es keinen Fernseher, dafür aber viel Natur.“ Dass sie sich um Tiere kümmert, die Hilfe brauchen, ist für sie selbstverständlich.

Wildtierhilfe Baden-Württemberg: Tiere gesund pflegen und sie später auswildern

Im Ehrenamt ist Hahn als dritte Vorständin der Wildtierhilfe Baden-Württemberg tätig, die in ihrem Heimatort Grünkraut sitzt. Der Verein ist im Ländle bestens vernetzt und vermittelt geschwächte Wildtiere an Menschen weiter, die - genau wie Anja Hahn - professionell ausgestattet sind und die Tiere artgerecht halten und später wieder auswildern können. „Man muss wirklich viel Herzblut da reinstecken - und sich auch über die Kosten bewusst sein, die so ein Tier verursacht“, sagt Anja Hahn. Für die Pflege eines Eichhörnchens etwa müsse man rund 130 Euro aufbringen, für einen Feldhasen sogar 200 Euro.

„Wir sind natürlich keine Tierärzte“, betont Hahn. „Je nach Verletzung müssen wir mit dem Tier zu einem fachkundigen Arzt. Natürlich sind wir froh, wenn das der Finder übernimmt, denn in der Saison fehlt uns dafür die Zeit und finanziell ist es halt auch so eine Sache.“ Sie selbst habe unter ihren Eichhörnchen manchmal Tiere, die von Krähen verletzt wurden, deren Hinterbeine lahm sind und die schnell geröntgt werden müssen, falls ihr Rückenmark kaputt ist. „Oft müssen wir die Tiere dann auch erlösen, wenn es keine Heilung gibt.“

Anja Hahn (links) und die beiden weiteren Vorständinnen des Vereins Wildtierhilfe BW, Andrea Binder (Mitte) und Sonja Heidegger.

Bereits im dritten Jahr nach der Gründung hat der Verein Wildtierhilfe BW 100 Mitglieder. Wer die zahlreichen Ehrenamtlichen unterstützen möchte, kann gerne mit einer Überweisung auf betterplace.org helfen. Weitere Informationen zum Verein finden Interessierte unter www.wth-bw.de.

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