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„Weißes Gold“ sorgt für Goldgräberstimmung in Baden-Württemberg

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Von: Julian Baumann

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Im Oberrhein findet sich „weißes Gold“, das für 400 Millionen E-Autos reichen würde. Unternehmen wollen den seltenen Rohstoff aus dem Wasser filtern.

Karlsruhe/Bühl - In der weltweiten Autobranche liegt der Fokus inzwischen deutlich auf den E-Autos. Die batteriebetriebenen Modelle gelten als deutlich umweltfreundlicher als die altbekannten Benziner- und Dieselfahrzeuge. Während Strom theoretisch unendlich herstellbar ist, sind manche Rohstoffe, die beim Bau von E-Autos benötigt werden, eben nicht unendlich abbaubar. Laut einer Studie reicht ein wichtiger Rohstoff für E-Autos nur noch 11 Jahre. Die E-Autos von Herstellern wie Mercedes-Benz oder Porsche werden hauptsächlich mit Lithium-Ionen-Batterien angetrieben. Dementsprechend sind Lithium, aber auch Kobalt und Graphit wichtige Rohstoffe für die Produktion der Batteriezellen.

Zwischen Basel (Schweiz), dem Elsass (Frankreich) und den südwestdeutschen Bundesländern Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen fließt der 360 Kilometer lange Abschnitt des Rheins, der Oberrhein genannt wird. Im Oberrhein versteckt sich ein Rohstoff, der für 400 Millionen E-Autos reichen würde. Während viele Unternehmen zwischen Basel und Mannheim das siedend heiße Thermalwasser nutzbar machen, haben es manche Unternehmen auf das Lithium abgesehen, berichtet die Stuttgarter Zeitung. So etwa in Bühl bei Baden-Baden, wo die geplante Förderung Ängste schürt. Da Lithium auch als „weißes Gold“ bezeichnet wird, herrscht im Südwesten derzeit eine regelrechte Goldgräberstimmung.

„Weißes Gold“ Lithium löst Goldgräberstimmung aus

Beim aus Filmen und Büchern bekannten „Goldrausch“ in Nordamerika galt für viele Jahre das Faustrecht bei der Inbesitznahme von Schürfstellen. Erst mit dem „General Mining Act of 1872“ wurde Recht durch Abstecken öffentlichen Bodens mit Pflöcken und Namensschild festgelegt. Im Gegensatz zu dem Gold ist das „weiße Gold“, also Lithium, aber nicht ohne weiteres aus dem Wasser des Oberrheins zu schöpfen. Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) will den seltenen Rohstoff mittels Manganoxid aus dem Wasser filtern, berichtet die Stuttgarter Zeitung.

Auch der Energieversorger EnBW mit Sitz in Karlsruhe betreibt seit 2009 in Bruchsal eine kleine Geothermal-Anlage und kündigte an, in Kürze werde mit der „Produktion von Lithium zu Testzwecken aus einem Prototyp gerechnet“. Konkretere Pläne hat das australische Unternehmen Vulcan Energy, das bereits im November angekündigt hatte, ein Bohrteam aus 30 Spezialisten aufbauen zu wollen. In einem Werk südlich von Landau (Rheinland-Pfalz) soll in Kürze die Gewinnung von Lithium aus dem Oberrhein erprobt werden. Das „weiße Gold“ im Oberrhein sei, „von einer solchen Qualität, dass es für die Automobilproduktion eingesetzt werden kann“, sagte Horst Kreuter, Geschäftsführer der deutschen Vulcan-Tochter laut der Stuttgarter Zeitung. Man stehe bereits in Kontakt mit VW, die Lieferung soll ab 2026 beginnen.

Goldgräberstimmung am Oberrhein: Kritik von den Gemeinden verlangsamen Pläne

In Bezug auf die Pläne von Vulcan Energy, im Oberrhein Lithium abbauen zu wollen, regte sich Kritik in der Bevölkerung der betroffenen Stadt Bühl. Die Gemeinde in Baden-Württemberg kritisierte, man sei nicht genau über die Pläne und das Vorgehen des Unternehmens informiert worden und legte Veto ein. Grundsätzlich sei man nicht gegen die Pläne des Unternehmens, man ärgere sich aber über das nicht transparente Vorgehen, sagte der Bürgermeister von Bühl. „Es kann nicht sein, dass die Leute einfach unangemeldet im Rathaus auftauchen und plötzlich bei Landwirten auf dem Hof stehen“, kritisierte Hubert Schnurr.

Wie die Bevölkerung der Gemeinde Insheim bei Landau auf die Pläne des Unternehmens zur Gewinnung von Lithium aus dem Oberrhein reagiert, bleibt abzuwarten. Gerade für die Stuttgarter Autobauer Mercedes-Benz und Porsche wäre ein Abbau des riesigen Lithiumvorkommens aus dem Oberrhein jedoch ein Gewinn für die E-Auto-Strategie. Bislang wird der seltene Rohstoff nämlich vorrangig in Südamerika gewonnen und dann zur Batteriefertigung exportiert. Sowohl Mercedes-Benz als auch Porsche planen aber eigene Batteriefabriken in Deutschland, die dementsprechend eine große Menge Lithium benötigen.

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