Große Kreisstadt im Rems-Murr-Kreis

Geschichte von Waiblingen: Einst Ackerbürgerstadt, heute Industriestandort

Der Marktplatz von Waiblingen mit der Plastik „Taubenhäusler“ von Karl-Henning Seemann im Vordergrund.
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Waiblingen: Die große Kreisstadt im Rems-Murr-Kreis liegt in der Nähe von Stuttgart und hat eine bewegte Geschichte.
  • Lisa Schönhaar
    vonLisa Schönhaar
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Waiblingen hat eine bewegte Geschichte. Bereits zur Römerzeit besiedelt, wurde der Ort zur Königspfalz und wandelte sich zum modernen Industriestandort.

  • Waiblingen war bereits zur Zeit der Römer besiedelt und wurde 885 unter Kaiser Karl III. zur Königspfalz.
  • Im Jahre 1250 erhielt Waiblingen in der Region Stuttgart das Stadtrecht und begann mit dem Bau einer Stadtmauer.
  • Heute haben mehrere große Industrieunternehmen ihren Sitz in der großen Kreisstadt im Rems-Murr-Kreis.

Mit seinen rund 55.000 Einwohnern ist Waiblingen die größte Kreisstadt im Rems-Murr-Kreis und eine der mittelgroßen Städte Baden-Württembergs. Unweit der Landeshauptstadt Stuttgart gelegen, steht die Stadt Waiblingen oft im Schatten der Metropole. Dennoch hat die große Kreisstadt eine interessante Geschichte aufzuweisen, die bis in die Zeit der Römer zurückreicht. Erfolgreich meisterte Waiblingen im Rems-Murr-Kreis den Strukturwandel und ist mittlerweile ein moderner Industriestandort, der jedoch seine Tradition nicht vergessen hat.

Geschichte von Waiblingen: Die große Kreisstadt im Rems-Murr-Kreis in der Römerzeit und im Mittelalter

Im Süden Deutschlands waren die frühen Städte vom Einfluss der Römer geprägt. So auch Waiblingen in der Region Stuttgart, denn auf dem heutigen Stadtgebiet wurde nachweislich Handwerk betrieben und unter anderem Geschirr nach römischem Vorbild gefertigt. Der Limes verlief nur wenige Kilometer östlich der großen Kreisstadt und markierte die Grenze zu den Alemannen. 746 gewannen die Karoliner die Kontrolle über die Region und die Stadt im Rems-Murr-Kreis etablierte sich als Verwaltungsstandort.

Im August des Jahres 885 gründete Kaiser Karl III. die Königspfalz in Waiblingen, was die Bedeutung des Ortes weiter steigerte. Ab dem 10. Jahrhundert waren es die Salier und Staufer, die die Geschicke der Stadt lenkten. Friedrich III. von Schwaben, der später Kaiser Friedrich I. war und auch als Barbarossa bekannt ist, wurde möglicherweise in der großen Kreisstadt im Rems-Murr-Kreis geboren. Auch namhafte Vorfahren wie Heinrich von Waiblingen hatten ihren Sitz in der Stadt in der Nähe von Stuttgart.

Nach 1200 regierte Württemberg über Waiblingen. Im Jahre 1250 erhielt der Ort das Stadtrecht und begann mit dem Bau der Stadtmauer. Diese ist in Teilen bis heute erhalten und kann besichtigt werden. Im ausgehenden Mittelalter wurde die große Kreisstadt dann zum Amtssitz. Nur vier Städte in Württemberg waren zu jenem Zeitpunkt Sitz einer Regionalverwaltung.

Geschichte von Waiblingen: Von der Renaissance in die Neuzeit – wechselhafte Zeiten für die Kreisstadt

Im 14. Jahrhundert wuchs die Stadt Waiblingen und einige ihrer Wahrzeichen - etwa die Michaelskirche und die äußere Stadtmauer entstanden in dieser Zeit. Von 1618 bis 1648 tobte in Mitteleuropa der Dreißigjährige Krieg und auch die große Kreisstadt im Rems-Murr-Kreis war direkt betroffen. Am 6. September 1634 fand die Schlacht bei Nördlingen statt und der Heilbronner Bund, dem auch Waiblingen angehörte, unterlag. Die Stadt in der Region Stuttgart wurde von kaiserlichen Truppen geplündert und niedergebrannt. Erst vier Jahre später begann man mit dem Wiederaufbau.

1758 wurden in Württemberg neue Verwaltungsstrukturen eingeführt. In diesem Zuge erhielt Waiblingen den Status einer Oberamtsstadt. Bis zum Jahr 1934, als die Strukturen erneut geändert wurden, behielt die große Kreisstadt im Rems-Murr-Kreis diesen Rang. Ab 1804 begann der Aufstieg Napoleons. Zusammen mit Württemberg stand Waiblingen auf der Seite von Napoleon, als dieser mit seinem Feldzug startete. Bereits 1805 war Österreich besiegt und Napoleon verlieh Württemberg die Königswürde. Die Stadt Waiblingen in der Nähe der heutigen Landeshauptstadt Stuttgart profitierte davon, da der Stadt neue Ländereien zugesprochen wurden und sich der Machtbereich somit vergrößerte.

Geschichte von Waiblingen: Auf dem Weg zum Industriestandort - die große Kreisstadt im Rems-Murr-Kreis im Wandel

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Waiblingen primär landwirtschaftlich ausgerichtet. Die umliegenden fruchtbaren Äcker begünstigten diese Ausrichtung. 1861 begann mit dem Bau der Remsbahn die Industrialisierung der großen Kreisstadt im Rems-Murr-Kreis. Als Remsbahn wird die Bahnstrecke von Stuttgart über Bad Cannstatt nach Aalen bezeichnet. Nun war die Oberamtsstadt an das Eisenbahnnetzwerk angeschlossen, was die wirtschaftliche Entwicklung begünstigte.

Gemeinsam mit der nahegelegenen Stadt Fellbach bildet Waiblingen das Mittelzentrum der umliegenden Gemeinden. Schorndorf ist die drittgrößte Stadt im Rems-Murr-Kreis und der Geburtsort von Gottlieb Daimler.

1876 verbesserten sich die Transportmöglichkeiten mit dem Bau der Murrtalbahn noch einmal. Diese Bahnstrecke führt von Waiblingen über Schwäbisch Hall nach Hessental. Im Zuge dieser Entwicklungen entstanden in der Kreisstadt eine Ziegelei sowie eine große Seidenstoffweberei. 1910 gab es in der Stadt im Rems-Murr-Kreis außerdem eine Werkzeugmaschinenfabrik sowie eine Lederwarenfabrik, sodass in der Industrie mehr als 1.500 Menschen Beschäftigung fanden.

Heutzutage ist Waiblingen ein wichtiger Industriestandort in der Nähe von Stuttgart. Die Stihl AG, weltweit bekannt für Kettensägen, hat ihren Stammsitz in der großen Kreisstadt. Auch die Bosch GmbH besitzt zwei Fabriken an diesem Standort. Den Schritt ins 21. Jahrhundert und die moderne Informationstechnologie hat die Oberamtsstadt im Rems-Murr-Kreis ebenfalls geschafft. Das Winwin Office Network beschäftigt in verschiedenen IT-Bereichen rund 1.200 Mitarbeiter am Standort Waiblingen. (Jouni Frommann)

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