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„Unangenehmes Erwachen“ nach 9-Euro-Ticket: Fahrten im VVS werden teurer

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Von: Franziska Vystrcil

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Hand wirft ein 2-Euro-Stück in Ticketautomaten ein, im Hintergrund fährt eine S-Bahn
Im Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) stehen 2023 die nächsten Preiserhöhungen an. © Bernd Weissbrod/dpa

Gefühlt wird aktuell alles teurer. Bald müssen wohl auch Reisende im Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) tiefer in die Tasche greifen.

Stuttgart - Gas, Strom und Benzin werden immer teurer. Vor allem beim Gas herrscht aufgrund des Ukraine-Krieges ein Krisenzustand. Aber auch an den Zapfsäulen war in den vergangenen Monaten der Schrecken groß. Um die Bürger finanziell zu entlasten und um sie dazu zu animieren, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen, wurde das 9-Euro-Ticket ins Leben gerufen.

Doch die Freude über das günstige Angebot währt nur kurz. Denn schon bald schlägt bei Bus und Bahn die nächste Preissteigerung zu. Der Aufsichtsrat der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) empfiehlt eine Erhöhung der Tarife für Bus- und Bahnfahrten um 4,9 Prozent. Der Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) will diese Preissteigerung ebenfalls anwenden. Diese soll doppelt so hoch wie im April 2022 ausfallen.

VVS: Fahren mit Bus und Bahn wird teurer - Preise steigen um fast 5 Prozent

Wie die Ludwigsburger Kreiszeitung (LKZ) berichtet, tagt der Aufsichtsrat der SSB jährlich im Frühsommer, ehe im Herbst verschiedene politische Gremien der Landkreise, der Landeshauptstadt und der Verkehrsausschuss des Verbands Region Stuttgart (VRS) darüber beraten, wie hoch die Preissteigerungen im VVS ausfallen sollen.

Ein Grund für die erneute Preissteigerung 2023 sind nicht nur die gestiegenen Kosten für Benzin. Noch immer wirkt sich das Coronavirus in Baden-Württemberg auf den Betrieb aus. Eine Tarifanpassung von 4,9 Prozent werde angestrebt, wie die SSB laut LKZ nun mitteilte. „In einer Situation deutlich steigender Energie- und Kraftstoffpreise und um Angebotsverbesserungen realisieren zu können, bleibt den VVS-Verbundpartnern leider nichts anderes übrig, als eine Tariferhöhung vorzunehmen“, sagt Frank Nopper, Aufsichtsratsvorsitzender und Stuttgarter Oberbürgermeister (CDU), in der Mitteilung.

Ein Schlag in die Magengrube für viele Pendler, die auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen sind. Denn wird die Preissteigerung von 4,9 Prozent umgesetzt, wird diese Erhöhung fast doppelt so hoch ausfallen als die im vergangenen April mit 2,5 Prozent. Eine Fahrt von Ludwigsburg zum Stuttgarter Hauptbahnhof würde etwa für einen Erwachsenen anstatt 3,40 Euro künftig 3,60 Euro kosten. „Für viele gibt es nun ein unangenehmes Erwachen, nach der Phase mit dem 9-Euro-Ticket“, sagt Tobias Hähnle, ÖPNV-Planer beim Bietigheimer Omnibusunternehmen Spillmann. Die Beschwerden über zu volle Züge durch das 9-Euro-Ticket waren groß. Unsere BW24-Autorin kann das Meckern über die vollen Züge nicht nachvollziehen.

Nahverkehr: Kostenweitergabe an Fahrgäste lässt sich nicht vermeiden

Eine Alternative für die Kostenweitergabe an den Kunden sehe man nicht, sagt Tobias Hähnle gegenüber der LKZ weiter. Verzichte man auf den jährlichen Turnus bei den Preisanpassungen, würden die Erhöhungen nach zwei Jahren noch deutlich höher ausfallen, so der ÖPNV-Planer. Doch womöglich gibt es bald einen günstigen Nachfolger zum 9-Euro-Ticket geben. Wie HEIDELBERG24 berichtet, fordert der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen ein Ticket für 69 Euro.

Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper äußert auch Kritik. „Bund und Land sind mit dem 9-Euro-Ticket für die frohen Botschaften zuständig und die Verkehrsunternehmen und Kommunen mit Tariferhöhungen für die harten Realitäten“, so der Politiker. „Es wäre sinnvoller, wenn Bund und Land den ÖPNV dauerhaft stärker fördern würden, statt mit einem dreimonatigen 9-Euro-Strohfeuer.“ Es wurden bereits Stimmen laut, die ein dauerhaftes 1-Euro-Ticket fordern.

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