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Vor 50 Jahren wurden das badische Villingen und das württembergische Schwenningen zu einer Stadt

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50 Jahre Villingen-Schwenningen
Vor 50 Jahren wurden das badische Villingen und das württembergische Schwenningen zu einer Stadt. © Silas Stein/dpa

Nicht nur das Land feiert in diesem Jahr Jubiläum. Vor 50 Jahren wurden das badische Villingen und das württembergische Schwenningen zu einer Stadt. Wie sehr sind die beiden seitdem zusammengewachsen?

Villingen-Schwenningen (dpa/lsw) - Nirgends kommen sich Badener und Württemberger so nah wie hier. Durch die heutige Doppelstadt Villingen-Schwenningen verlief früher eine Landesgrenze. Und noch heute spielt die Zweiteilung eine große Rolle. 50 Jahre nach dem Zusammenschluss sind sich der badische und der württembergische Stadtteil zwar sehr viel näher gekommen. Doch wirklich zusammengewachsen ist die Stadt auch räumlich bislang nicht.

Ob im Sport, dem Vereinswesen oder der Kirche: Viele der landesweiten Strukturen durchtrennen weiterhin die Stadt und verhindern so einen noch intensiveren Austausch. Auch der Oberbürgermeister der Doppelstadt ist überzeugt, dass eine Änderung dieser Verbandsstrukturen, sei es nur beim Sport, vieles vereinfachen würde. «Ich würde da gerne was machen, aber das liegt nicht in meiner Hand», sagt Jürgen Roth (CDU). So fahren junge Sportler aus Villingen zwar mitunter bis nach Karlsruhe, aber nie auch nur zehn Kilometer nach Osten in die württembergische Landeshälfte.

Auch der Zusammenschluss an sich war damals laut Rathauschef Roth eine große Hürde. Nach einer Befragung der Bürgerinnen und Bürger, die in Schwenningen mit 78 Prozent und in Villingen mit 64 Prozent Zustimmung ausfiel, wurde die Zusammenkunft zum 1. Januar 1972 vollzogen. «Die Menschen mussten erst gedanklich die Vorteile erkennen», sagt Roth rückblickend. Vorbehalte gab es auf beiden Seiten.

Einen wichtigen Baustein für das Zusammenwachsen der Stadt sieht Roth etwa in der Landesgartenschau 2010. Auch sie war zunächst sehr umstritten. Und doch bewirkte sie etwas Wichtiges: «Die Menschen der beiden Stadtteile besuchten sich und tauschten sich aus», sagt Roth. Überhaupt sei es das beste Mittel, sich zu begegnen und so Widerstände abzubauen, ist der OB überzeugt.

Deshalb soll die Stadt nach 50 Jahren auch räumlich noch stärker zusammenwachsen. In der Mitte zwischen beiden Stadtteilen ging 2013 das Schwarzwald-Baar-Klinikum in Betrieb. Es ersetzt die zuvor in beiden Stadtteilen vorhandenen Kliniken. Nun soll ein neues Wohngebiet beim Klinikum auch den räumlichen Lückenschluss zwischen beiden Teilen der Stadt schaffen.

Doch wichtiger als der Zusammenschluss auf der Landkarte ist für den Rathauschef die Betonung der Unterschiede. In Villingen-Schweninngen werde das Anderssein hervorgehoben, nicht das Trennende, sagt Roth. Diese Unterschiede sind auch heute noch augenscheinlich. Das bürgerlich geprägte Villingen als historische Reichsstadt mit seiner Stadtmauer, der Altstadt und der Nähe zum Wald.

Auf der anderen Seite Schwenningen mit seinen Hochschulen, der Industrie, den überregional erfolgreichen Sportvereinen und der sich zur Baar öffnenden Landschaft. Eine Altstadt wie in Villingen sucht man hier zwar vergebens. Doch auch das soll sich ändern. Um das Schwenninger Rathaus - in Villingen gibt es natürlich auch noch eines - wurde der Marktplatz neu gestaltet und soll so auch im jüngeren Stadtteil künftig für mehr Leben in der Innenstadt sorgen.

Nach 50 Jahren ist die Doppelstadt aus Sicht Roths bereits ein gutes Stück zusammengewachsen. Doch wie beim Zusammenschluss des Landes falle es auch hier noch nicht immer leicht, dies auch zu leben.

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