Interviewer bald unterwegs

Volkszählung im Land: Wer die Auskunft verweigert, riskiert Tausende Euro Bußgeld

  • Jason Blaschke
    VonJason Blaschke
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In Baden-Württemberg beginnt ab Mitte Mai eine Volks- und Wohnungszählung. Wer dazu befragt wird, sollte besser antworten, denn: es drohen saftige Bußgelder.

Stuttgart - Das Thema Bußgelder schaffte es in Baden-Württemberg zuletzt immer wieder in die Schlagzeilen. Erst vor wenigen Wochen hatte BW24 berichtet, dass Beleidigungen im Straßenverkehr richtig teuer werden können. Und auch die Nachricht, dass sogar einzelnen SUV-Fahrern auf Autobahnen Bußgelder drohen, wenn ihr Fahrzeug zu breit ist, sorgte für Aufsehen. Teuer kann es aber nicht bloß auf der Straße werden.

Volkszählung in Baden-Württemberg: Verweigerung der Auskunft kann Geldstrafe nach sich ziehen

Auch, wer bei der Volks- und Wohnungszählung eine Auskunft verweigert, muss mit Geldstrafen rechnen. Eine solche Zählung steht in Baden-Württemberg ab Mitte Mai an und ist für das Statistische Landesamt von zentraler Bedeutung. Auf Grundlage der derzeitigen Bevölkerungszahlen werden etwa Wahlkreise eingeteilt, die Besoldungen für die Bürgermeister geregelt oder auch die Finanzzuweisungen für die Kommunen angepasst.

Für die Volks- und Wohnungszählung in Baden-Württemberg wählt das Statistische Landesamt stichprobenartig Bürger aus, die in Interviews oder Online-Befragungen Auskünfte geben müssen - etwa zu Ausbildung, Beruf und Erwerbstätigkeit. Informationen, wie die Art von Gebäuden, deren Größe oder Heizungsart, werden bei der Wohnungszählung abgefragt. Die Befragten sollten sowohl bei der Volks-, als auch bei der Wohnungszählung kooperativ sein.

LandBaden-Württemberg
Fläche35.751 km²
Bevölkerung1,07 Millionen (2019)
HauptstadtStuttgart
MinisterpräsidentWinfried Kretschmann

„Mehrere Tausend Euro“ Bußgelder drohen, wenn bei offiziellen Zählungen nicht kooperiert wird

Wer das nicht ist, muss mit saftigen Bußgeldbescheiden rechnen. Diese reichen laut der Präsidentin des Statistischen Landesamts, Anke Rigbers, von „einigen Hundert bis mehreren Tausend Euro“. Ausschlaggebend dafür ist Berichten der Stuttgarter Nachrichten zufolge, wie groß der Verstoß gegen die Auskunftspflicht ist. Die ehrenamtlichen Interviewer werden in Baden-Württemberg per Brief angekündigt.

Die persönliche Befragung könne in fünf Minuten an der Haustür erledigt werden, meint Rigbers. Abgefragt werden ausschließlich Name, Geschlecht, Geburtsdatum und Staatsangehörigkeit. Frage wie etwa zum Migrationshintergrund der Eltern oder auch der Religionszugehörigkeit werden nicht mehr gestellt. Zusätzlich zu persönlichen Befragungen werden in Baden-Württemberg auch Online-Fragebögen verschickt.

Volks- und Wohnungszählung in Baden-Württemberg – diese Auskünfte muss man geben

Vom Statistischen Landesamt heißt es, dass etwa eine Million der rund 1,7 Millionen von der Volkszählung betroffenen Bürger zur persönlichen Befragung auch noch zu einer ausführlicheren Online-Befragung aufgefordert werden. Im persönlichen Gespräch an der Haustür stehen Fragen zu Name oder Geschlecht im Mittelpunkt. Der Fokus der Online-Befragung liegt stattdessen auf Merkmalen wie Ausbildung, Beruf und Erwerbstätigkeit.

Zusammen mit der Volkszählung kommt ab Mitte Mai in Baden-Württemberg auch die Wohnungszählung. Etwa drei Millionen aller Eigentümer im Land müssen der obersten Statistikbehörde mit Sitz in Stuttgart Auskunft geben. Auch hier drohen Bußgelder, wenn man als Eigentümer nicht kooperativ ist. Besitzt jemand mehrere Wohnungen und verweigert die Auskunft, können schon mal einige Tausend Euro Zwangsgeld fällig werden, so Anke Rigbers.

Volks- und Wohnungszählung: Das wird abgefragt

Die Interviewer an der Haustür fragen nach Name, Geschlecht, Geburtsdatum und Staatsangehörigkeit. Im Online-Fragebogen müssen Auskünfte zu Ausbildung, Beruf und Erwerbstätigkeit erteilt werden. In Alten- und Pflegeheimen wird lediglich die Zahl der Bewohner erfragt. Persönlich befragt werden auch Studenten in Wohnheimen.

Die Wohnungszählung erfolgt postalisch oder online. Angeschriebene Eigentümer müssen Angaben zur Gebäudeart, zur Art der Heizung, dem Baujahr sowie zur Anzahl und Größe der Wohnungen machen. Auch Leerstände werden erfasst. Die Angaben können schriftlich per Post oder online an das Statistische Landesamt übermittelt werden.

Drohende Bußgelder erzürnen Facebook-Nutzer – „das ist eine Frechheit“

Anders als die Volkszählung erfolgt die Wohnungszählung ausschließlich per Post. Der Fragebogen kann entweder online ausgefüllt oder alternativ schriftlich an das Statistische Landesamt zurückgeschickt werden. Das Porto übernimmt die Behörde. Reagieren die Eigentümer nicht, kommt zunächst eine Erinnerung per Post – erst, wenn auch dann nicht reagiert wird, drohen Bußgelder. Und auf die sind einige Facebook-User gar nicht gut zu sprechen.

„Das ist eine Frechheit und geht die nichts an!“, schreibt ein Nutzer unter die Ankündigung, dass die Zählungen ab Mitte Mai starten sollen. „Echt krank – wozu haben wir ein Rathaus, wo Wohnsitz und Personalausweis erfasst sind“, ergänzt dazu eine andere Facebook-Nutzerin. Wieder andere User finden eine solche Befragung nicht schlimm, bemängeln aber den Zwang. „Ich verstehe nicht, wieso man dazu gezwungen wird, Angaben zum Bildungsstand zu machen“, lautet ein Kommentar.

Rubriklistenbild: © dpa/dpaweb

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