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Verurteilter Klimakleber aus Freiburg: „Ich werde es wieder tun“

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Von: Julia Hawener

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Ein Aktivist klebt seine Hand mit Sekundenkleber auf der Straße fest
Ein Aktivist klebt seine Hand mit Sekundenkleber auf der Straße fest. © dpa/Carsten Koall

Im Februar blockierten mehrere Klimaaktivisten in Freiburg eine Bundesstraße. Einer der sogenannten Klimakleber muss nun eine Geldstrafe von 400 Euro zahlen. Der Angeklagte plant trotz Strafe weitere Aktionen.

Stuttgart – Sie beschmutzen Kunstwerke in Museen und blockieren seit Anfang des Jahres auch Straßen und Autobahnzufahrten in ganz Deutschland – damit wollen Aktivisten der Gruppe „Letzte Generation“ auf eine drohende Klimakatastrophe aufmerksam machen. Einige der Teilnehmer an diesen Straßenblockaden sitzen nur, manche ketten sich an und wieder andere gehen noch weiter und kleben sich mit Sekundenkleber auf der Straße fest. Auch in Stuttgart blockierten sogenannte Klimakleber Anfang des Jahres für mehrere Stunden den Verkehr auf der B10. Für diese aufsehenerregenden Aktionen ernten sie immer wieder reichlich Kritik aus der Bevölkerung.

Erst Anfang November kochte die Debatte um die Aktivisten wieder hoch, weil eine Radfahrerin in Berlin tödlich verunglückte und der Verdacht bestand, ein Rettungswagen hätte den Unfallort aufgrund einer Straßenblockade der „Letzten Generation“ zu spät erreicht. „Das ist illegal, das sind Straftäter“, kritisierte etwa Baden-Württemberg Innenminister Thomas Strobl (CDU). Einer dieser „Straftäter“ wurde erst zuletzt vor dem Amtsgericht in Freiburg schuldig gesprochen.

Verurteilter Klimakleber wird sich trotz Strafe wieder auf Straße festkleben

Das Gericht verhängte eine Geldstrafe von 400 Euro gegen den 29-jährigen Klimakleber. Dem Angeklagten war vorgeworfen worden, mit weiteren Demonstranten der Bewegung „Letzte Generation“ Anfang Februar dieses Jahres an einer Straßenblockade in Freiburg beteiligt gewesen zu sein. Der Aktivist gestand laut eines Berichts des Südkuriers alle Vorwürfe und betonte aber, dass er sich auch in Zukunft auf Straßen festkleben würde.

Der Klimaaktivist der „Letzten Generation“ hätte sich einen Freispruch gewünscht. Die Strafe schreckt ihn aber offenbar nicht ab. „Ich werde es wieder tun“, sagte er nach der Urteilsverkündung gegenüber dem Südkurier. Ein anderer Klimaaktivist der selben Bewegung wurde erst einen Tag zuvor vom Freiburger Gericht freigesprochen und kam ohne Strafe davon. Die Begründung: Wie ein Sprecher des örtlichen Amtsgerichts mitteilte, habe sich der Klimaaktivist nicht festgeklebt und gegenüber der Polizei kooperativ verhalten. Anders war es offenbar im Fall des 29-Jährigen. Er habe laut der Richterin mit seinem Protest das sozial Adäquate überschritten und in das Rechtsgut der Autofahrer eingegriffen.

„Die Strafen sind viel zu wenig“: Internet findet Gerichtsurteil „zu lasch“

Auf Facebook können einige User die Entscheidungen des Gerichts nicht ganz nachvollziehen. „Das habe ich noch nie verstanden, wie man bei einer Angelegenheit zu zwei unterschiedlichen Verteilungen kommen kann“, schreibt eine Frau dazu, während ein anderer kommentiert: „Demokratie ist halt Auslegungssache. Für manche gibt es das Demonstrationsrecht, für manche nicht.“ Doch nicht nur die zwei unterschiedlichen Urteilsfälle werden kritisiert, sondern auch die Härte der Strafe. „Die Strafen sind viel zu wenig“, schreibt ein Nutzer. Eine Userin stimmt zu und kommentiert: „Viel zu lasch“.

Die Klimaprotestgruppe „Letzte Generation“ erregte 2021 erstmals Aufsehen. Inzwischen ist sie häufiger in den Schlagzeilen zu sehen. Für die Gruppe geht es darum, auf einen Klimakollaps aufmerksam zu machen. Denn der steht laut den Aktivisten kurz bevor. Von der Politik verlangen sie unter anderem Tempolimits auf Autobahnen von 100 Kilometern pro Stunde sowie ein 9-Euro-Ticket für den Bus- und Bahnverkehr.

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