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Der „Veganuary“ wirbt für vegane Ernährung - was vor allem den Supermärkten nützt

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Von: Valentin Betz

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Eine junge Frau hält Rucola in einer Hand, in der anderen eine Tüte davon. (Symbolbild)
Vegane Ernährung stellen sich viele noch vor wie auf dem Bild. Der „Veganuary“ soll das ändern. Doch statt wirklich den veganen Lebensstil zu vermarkten, werden eher entsprechende Produkte beworben (Symbolbild). © Cavan Images/Imago

Der Januar ist der Monat, um Neujahrsvorsätze anzugehen - etwa, sich vegan zu ernähren. Nur sorgt der „Veganuary“ mehr für volle Kassen in Supermärkten als für eine bessere Welt.

Stuttgart - Es ist kein Geheimnis, dass die Ernährungsweise eines Großteils der Menschheit weder gut für deren Gesundheit, noch für das weltweite Klima ist. In den vergangenen Jahren gerieten deshalb alternative Herangehensweisen an das Thema Ernährung zunehmend in den Fokus. Besonders zu viel Fleisch schadet Gesundheit und Klima, weshalb viele wohl den Jahreswechsel nutzen, um den Konsum zu reduzieren.

Der sogenannte „Veganuary“ treibt diesen Vorsatz auf die Spitze, indem er Menschen die vegane Ernährungsweise näherbringen möchte - also den kompletten Verzicht auf tierische Produkte. Das Ziel: Einen Monat rein pflanzliche Ernährung. Doch der Veganuary ist längst kein reiner Denkanstoß mehr. Dahinter steckt ein riesiger Markt für vegane Produkte, der weniger für das Klima, sondern vielmehr für die Supermärkte attraktiv ist.

Der Veganuary boomt, hat aber nicht nur positive Seiten

Hinter dem Veganuary steckt eine gleichnamige Organisation, die es seit 2014 gibt. „Unsere Mission ist es, Menschen dabei zu unterstützen, eine rein pflanzliche Ernährung auszuprobieren“, heißt es auf deren Homepage unter anderem. In Deutschland findet der vegane Monat inzwischen zum dritten Mal statt. Global ist die Kampagne durchaus ein Erfolg, im vergangenen Jahr zogen laut der Organisation etwa 580.000 Menschen den Veganuary durch.

Zu den Fakten rund um den Aktionsmonat gehört aber auch, dass 2021 insgesamt 825 neue vegane Produkte und Menüs auf den Markt gebracht wurden. Dort liegt für viele Unternehmen - Pardon für diese nicht vegane Redewendung - der Hase im Pfeffer. Ich selbst lebe seit einiger Zeit vegetarisch und bin ein Sympathisant und Unterstützer veganer Ernährung. Aber zu suggerieren, eine vegane Ernährungsweise mache zwingend auch den Kauf solcher Produkte notwendig, halte ich für falsch und verwerflich. Zudem: Wer seine Ernährung umstellen will, braucht dafür weder einen bestimmten Monat, noch einen Jahreswechsel. Fangt einfach an!

Die Supermärkte nutzen den Veganuary vor allem für ein gutes Geschäft

Auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtete unlängst: „Die pflanz­lichen Produkte sind vor allem eines: ein gutes Geschäft.“ Denn der Anteil von Vegetariern und Veganern ist zuletzt angestiegen, genau wie auch die Zahl derer, die zumindest experimentieren und das Fleisch ab und an beiseitelegen. Supermärkte wie Lidl, Aldi und Co. könnten also die Obst- und Gemüsetheke in ihren Filialen prominenter gestalten und so einen Beitrag zum Veganuary leisten, oder?

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht wäre das vermutlich fatal, denn mit Obst und Gemüse alleine könnte wohl kein Supermarkt in Deutschland überleben. Stattdessen setzen die Unternehmen auf vegane Produkte. Natürlich kommen auch diese ohne Fleisch aus und leisten damit zumindest einen Beitrag, diese klimaschädliche Industrie weniger prominent zu machen. Allerdings sind die veganen Produkte oft nicht gerade billig - und meist auch einfach überflüssig. Klar, wer seinen Kaffee nicht schwarz trinken und kein staubtrockenes Müsli frühstücken will, braucht Alternativen für Milch und Joghurt. Aber im Sortiment von Lidl finden sich beispielsweise auch vegane Fertigpizzen, Fertiggerichte, Käse- und Fleischalternativen. Bei Aldi und Co. sieht das Bild kaum anders aus. Solche Produkte sind für eine pflanzliche Ernährung nicht notwendig und wenn man genau hinschaut, wahrscheinlich ähnlich ungesund wie ihr Pendant mit Fleisch.

Veganuary in Deutschland: Die Verbraucher werden ausgenutzt, das Ziel verfehlt

Hinzu kommt, dass eine vegane Ernährung für einen Monat zwar ein nettes Selbstexperiment ist, dem einzelnen aber ebenso wenig nützt, wie dem Klima - sofern es dabei bleibt. Es wäre interessant zu erfahren, wie viele von den 580.000 Menschen im vergangenen Jahr einfach weitergemacht haben und auch nach dem Veganuary bei der pflanzlichen Ernährung geblieben sind.

Es gilt dasselbe wie auch beim „Dry January“: Wer die „überstandenen“ vier Wochen erstmal mit einem ordentlichen Rausch oder im Falle des Veganuary mit einem 500 Gramm T-Bone-Steak feiert, hat nichts erreicht. Der Veganuary ist vielmehr der „Black Friday“ der Lebensmittelindustrie. Die Kunden glauben, einen Beitrag geleistet zu haben, dabei sind es die Unternehmen, die eigentlich davon profitieren. Ich glaube nicht, dass das der Kern einer veganen Ernährungsweise ist.

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