Stuttgart besonders betroffen

Darum wollen Ministerpräsidenten um Kretschmann den Abzug von US-Soldaten unbedingt verhindern

  • Valentin Betz
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US-Präsident Donald Trump will Teile der US-Truppen aus Deutschland abziehen - auch Baden-Württemberg wäre betroffen. Winfried Kretschmann will das gemeinsam mit drei weiteren Ministerpräsidenten verhindern.

  • Winfried Kretschmann* hat gemeinsam mit den Ministerpräsidenten aus Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz US-Politiker darum gebeten, den geplanten Truppenabzug zu verhindern.
  • US-Präsident Donald Trump will 9.500 Soldaten abziehen, weil Deutschland zu wenig für Verteidigung ausgebe.
  • Die vier Bundesländer wären besonders stark vom Abzug betroffen, da dort große US-Stützpunkte liegen.

Stuttgart/München - US-Präsident Donald Trump hat vor, 9.500 der insgesamt knapp 35.000 US-Soldaten aus Deutschland abzuziehen. Er übt damit indirekt Kritik an der deutschen Bundesregierung, weil sie zu wenig für Verteidigung ausgebe. Laut Nato sollten Mitgliedsstaaten 2 Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes in den Verteidigungsetat investieren. Während die USA dieses Ziel mit 3,4 Prozent sogar übererfüllen, liegen die Ausgaben Deutschlands trotz Erhöhung des Etats nur bei 1,38 Prozent.

Während sich laut SWR Friedensbewegungen über den Abzug der US-Truppen freuen, ist die Landespolitik von dem Schritt nur wenig begeistert. Der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl bedauert den angekündigten Abzug von US-Truppen aus Deutschland. Für die Entscheidung des US-Präsidenten fehle ihm jegliches Verständnis, so Strobl zum SWR. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann will jetzt gemeinsam mit den Länderchefs von Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz aktiv gegen die Entscheidung von Donald Trump vorgehen.

Abzug von US-Truppen aus Deutschland: Ministerpräsidenten um Winfried Kretschmann wenden sich an 13 US-Politiker

Abzug der US-Truppen aus Deutschland: Auch Standorte in Baden-Württemberg könnten betroffen sein, zum Beispiel die Patch Barracks in Stuttgart.

Laut „Stuttgarter Zeitung“, „Stuttgarter Nachrichten“ und „Süddeutscher Zeitung“ haben die Ministerpräsidenten von Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz deshalb an 13 US-Senatoren und Kongressabgeordnete geschrieben. Winfried Kretschmann und seine Kollegen fordern, dass sich die US-Politiker gegen Donald Trump stellen und den Teilabzug der in Deutschland stationierten Truppen verhindern.

Die Ministerpräsidenten um Winfried Kretschmann begründen ihre Forderung damit, dass die Militärpräsenz den strategischen Interessen der USA diene. Die Anwesenheit von US-Truppen in Deutschland sei „in ihrer Bedeutung für die transatlantische Partnerschaft nicht hoch genug einzuschätzen“, heißt es. Weitere Details und Argumente aus dem Schreiben sind nicht bekannt.

US-Truppenabzug aus Deutschland: In Baden-Württemberg wäre vor allem der Standort Stuttgart betroffen

Sollte das Schreiben an die US-Politiker keinen Erfolg haben und Donald Trump den Abzug von US-Truppen aus Deutschland durchziehen, ist noch nicht klar, welche Standorte davon betroffen wären. Für Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann sprechen wohl vor allem die Folgen für die Wirtschaft in Stuttgart (BW24* berichtete) gegen einen Truppenabzug. Wie der SWR berichtet, arbeiten allein in der Region Stuttgart* 20.000 Menschen für das US-Militär.

In Stuttgart befinden sich die Kommandozentralen für die US-Streitkräfte in Europa und in Afrika: Eucom in den Patch Barracks in Stuttgart-Vaihingen und Africom in den Kelley Barracks in Stuttgart-Möhringen. Laut SWR gibt es zudem noch eine Panzerkaserne in Böblingen.

Ähnlich einschneidend wäre ein Teilabzug der US-Truppen wohl auch in Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz. Grafenwöhr in der Oberpfalz gilt als einer der europaweit größten Standorte der US-Armee. Über Ramstein in Rheinland-Pfalz läuft die Versorgung der US-Einsätze im Irak oder in Afghanistan, im benachbarten Landstuhl steht das größte US-Militärkrankenhaus außerhalb der USA. Das hessische Wiesbaden beherbergt die Zentrale der US-Army in Europa. (*BW24 ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks) Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann ist nun in einen schweren Unfall verwickelt worden.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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