Karlsruhe

Urteil im erneuten Prozess um lebensgefährlichen Stoß vor Zug erwartet

Blick auf Güterwaggons, die in einem Rangierbahnhof stehen als Symbolbild.
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Im zweiten Prozess um den lebensbedrohlichen Stoß eines Mannes vor einen fahrenden Güterzug will das Landgericht Karlsruhe am Montag das Urteil sprechen (Symbolbild).

Es war eine ungeheuerliche Tat: Aus Frust über sein Leben stößt ein Mann am Bahnhof einen anderen ins Gleisbett, während sich ein Güterzug nähert. Das Opfer entgeht nur knapp dem Tod. Der BGH hat das Landgericht Karlsruhe verdonnert, den Fall noch einmal zu verhandeln.

Karlsruhe (dpa/lsw) - Im zweiten Prozess um den lebensbedrohlichen Stoß eines Mannes vor einen fahrenden Güterzug will das Landgericht Karlsruhe am Montag (12.00 Uhr) das Urteil sprechen. Die Staatsanwaltschaft geht weiter von der Schuldfähigkeit des Hauptangeklagten aus und hat wegen versuchten Mordes eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren gefordert, für seinen jüngeren Bruder wegen unterlassener Hilfeleistung sechs Monate auf Bewährung. Die Verteidigung des 27-Jährigen plädierte nach Angaben einer Sprecherin des Gerichts auf eine milde Strafe ohne konkreten Antrag, der Anwalt des 24-Jährigen auf einen Freispruch. Der neue Prozess ist auf Anordnung des Bundesgerichtshofs (BGH) nötig geworden.

Eine andere Kammer des Gerichts hatte es im ersten Verfahren als erwiesen angesehen, dass der ältere Bruder im Sommer 2020 aus Frust über seine Lebenssituation einen damals 54-Jährigen, der am Bahnhof in Waghäusel zwischen Karlsruhe und Heidelberg wartete, unvermittelt ins Gleisbett gestoßen hatte. Mit Tritten und Schlägen habe er den Mann daran gehindert, auf den Bahnsteig zu klettern - als sich ein Güterzug mit etwa Tempo 90 näherte. Das Opfer konnte sich in eine schmale Lücke pressen und überlebte mit mehreren Knochenbrüchen.

Im April 2021 verurteilte das Gericht den Haupttäter wegen Mordversuchs zu zehn Jahren Haft, seinen Bruder wegen unterlassener Hilfeleistung zu neun Monaten auf Bewährung. Der BGH gab allerdings den Revisionen der beiden Syrer teilweise statt und ordnete eine neue Verhandlung an. Die Schuldfähigkeit der an paranoider Schizophrenie erkrankten Männer sei nicht richtig beurteilt worden. Ein Gutachter im neuen Prozess sah das im Fall des 27-Jährigen aber anders. Vor Gericht machten beide Angeklagte von ihrem Schweigerecht Gebrauch.

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