Rund 290 Mäuse mussten sterben

Schlimmster Tierversuch des Jahres: Uni Tübingen für Negativpreis „Herz aus Stein“ nominiert

Eine Labormaus sitze auf einer Hand.
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Die Uni Tübingen ist für Versuche an Mäusen für „Herz aus Stein“ nominiert.
  • Berkan Cakir
    VonBerkan Cakir
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Zum vierten Mal rufen die „Ärzte gegen Tierversuche“ zur Wahl auf: Abgestimmt wird über das grausamste Tierversuchsprojekt. Auch die Uni Tübingen ist unter den Nominierten.

Köln - Es ist keine rühmliche Wahl und der Sieger dürfte sich am Ende alles andere als freuen: Zum vierten Mal in Folge verleiht der Verein „Ärzte gegen Tierversuche“ den Negativpreis „Herz aus Stein“. Der Preis geht seit 2017 jährlich an das grausamste Tierversuchsprojekt. In diesem Jahr stehen fünf Nominierte zur Auswahl, darunter auch die Universität Tübingen, die zuletzt mit Tierversuchen an Gehirnen von Krähen in den Schlagzeilen gewesen ist.

Der Preis stehe „für eine herzlose Forschung, bei der fühlende Tiere zu bloßen Messinstrumenten degradiert werden“, erklärt Corina Gericke, Vizevorsitzende von Ärzte gegen Tierversuche der Südwestpresse. „Natürlich sind alle Tierversuche schlimm und überflüssig. Mit der Abstimmung wollen wir exemplarisch einige besonders absurde und grausame Tierversuche ans Licht der Öffentlichkeit bringen.“

Universität Tübingen ist für Versuche an rund 290 Mäusen nominiert

Die Universität Tübingen steht nicht wegen der Krähenversuche zur Wahl. Nominiert ist das Klinikum der Uni für ein Versuchsprojekt mit Mäusen, das im vergangenen Jahr durchgeführt wurde. Dabei wurden bei einem Teil der Untersuchung Mäuse zu Beginn ihrer Schlafphase sechs Stunden lang wach gehalten. Eine weitere Gruppe von Mäusen hingegen durfte sich ungestört schlafen legen. Anschließend wurden alle Tiere getötet, um das Blut, die Milz und das Knochenmark untersuchen zu können.

Anderen Mäusen sei eine tödliche Sepsis mit Bakterien in die Schwanzvene injiziert worden, welche die Mäuse sechs Stunden lang wachhielt. Innerhalb von drei bis fünf Tagen sollen all diese Tiere gestorben sein. Insgesamt sollen laut Angaben des Kölner Vereins 287 Mäuse für die Forschung verwendet worden seien. Schlaf, so die Erkenntnis der Wissenschaftler, sei für eine gut funktionierende Immunantwort unerlässlich.

Die Universität Tübingen steht mit ihrer Mäuse-Forschung in der Kritik

Der Verein gegen Tierversuche kritisiert, dass die Übertragung der Erkenntnisse von Mäusen auf den Menschen unsinnig sei. „Die Reaktionen von Mäusen und Menschen auf eine Blutvergiftung unterscheiden sich nämlich dramatisch voneinander“, erläutert Tierärztin Corina Gericke der Südwestpresse.

Weitere Nominierte für den Negativpreis sind die Uni Oldenburg, die zum magnetischen Sinn von Zugvögeln geforscht hat. Mäuse waren auch an der Uni Gießen Forschungsobjekt. Sie bekamen Nikotinsäure gespritzt, um zu sehen, wie es ihre Ausdauerleistung beeinflusst.

Universität Tübingen wären nicht der erste Preisträger aus Baden-Württemberg

Rund 800 Mäuse wurden auch am Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns in Köln für eine Untersuchung verwendet. Bei ihnen wurde der Einfluss des Hungerns auf das Altern erforscht. Der fünfte Kandidat ist die Medizinische Hochschule Hannover für ihre Forschung mit 90 Ratten. Dabei wurde der Einfluss von zwei Hormonen auf den Alkoholkonsum von alkoholabhängigen Ratten untersucht.

Sollte das Klinikum der Uni Tübingen „gewinnen“, würde der Preis zum zweiten Mal an eine Institution in Baden-Württemberg gehen. Bereits 2018 erhielt die Universität Ulm den „Herz aus Stein“-Preis. Dort mussten Mäuse drei Wochen lang an fünf Tagen Rauch von bis zu acht Zigaretten einatmen. Die Forscher wollten so letztlich mehr über den Effekt des Rauchens auf schwere Traumata erfahren.

Zumindest in der Lehre soll es in Baden-Württemberg aber keine Tierversuche mehr geben. In Baden-Württemberg ist 2021 ein Gesetz dazu gekommen, das in anderen Ländern längst gilt. Tierversuche sollen demnach in der wissenschaftlichen Ausbildung nicht mehr erlaubt sein. Der Landtag in Stuttgart hatte dem Gesetzentwurf von Forschungsministerin Theresia Bauer (Grüne) im vergangenen Jahr zugestimmt.

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