Im ehemaligen Braunkohletagebau

Sensationsfund: Archäologen aus Tübingen haben höchst ungewöhnliche Skelett-Überreste freigelegt

  • Valentin Betz
    vonValentin Betz
    schließen

Seit 2016 ist das Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment der Universität Tübingen mit der Forschung und Ausgrabung in Schöningen beauftragt. Jetzt legten die Archäologen dort einmal mehr einen erstaunlichen Fund frei.

  • Archäologen der Universität Tübingen führen in niedersächsischen Schöningen Grabungen in einem ehemaligen Braunkohletagebau durch.
  • Das Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment der Uni Tübingen kooperiert dabei mit dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege.
  • Jetzt machten die Archäologen in Schöningen einen beeindruckenden Fund: Das fast vollständige Skelett eines für Deutschland höchst ungewöhnlichen Tieres.

Schöningen/Tübingen - Im ehemaligen Braunkohletagebau im niedersächsischen Schöningen haben Archäologen des Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment (SHEP) an der Universität Tübingen das fast vollständige Skelett eines eurasischen Waldelefanten ausgegraben. Der Fund sei außerordentlich gut erhalten, sagte Grabungsleiter Jordi Serangeli am Dienstag zur Deutschen Presse-Agentur.

Das für die heutige Fauna Deutschlands sehr ungewöhnliche Tier starb vor rund 300.000 Jahren, so die Archäologen aus Tübingen. Damals befand sich an der Fundstelle noch das Ufer eines Sees. „Was genau geschah und wie die Umgebung vor 300.000 Jahren beschaffen war, rekonstruiert das Team nun durch Analysen und weitere Grabungen“, teilte die Universität Tübingen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mit. Das Archäologen-Team ist nun damit beschäftigt, auch die noch fehlenden Knochen des Waldelefanten-Skeletts zu finden. Grabungsleiter Jord Serangeli zeigte sich diesbezüglich optimistisch.

Ein Archäologe der Universität Tübingen legt sorgfältig Teile des Elefanten-Skeletts frei.

Erst kürzlich haben im Kreis Konstanz in Baden-Württemberg Archäologen bei der Voruntersuchung für den Ausbau der Bundesstraße 33 ebenfalls einen Knochenfund gemacht - allerdings nicht von einem Tier. In Allensbach fanden die Archäologen aus Baden-Württemberg unweit vom Bodensee die Skelette von mindestens sechs Menschen und das Fundament eines Galgens. Es handelt wahrscheinlich um eine Hinrichtungsstätte aus der frühen Neuzeit.

Ausgrabung der Universität Tübingen: Auch Stoßzähne des Tieres erhalten

Erste Teile des Waldelefanten-Skeletts legten Archäologen aus Tübingen bereits bei einer Grabung 2017 frei. Die Forscher stießen dabei auf die Halswirbel des 300.000 Jahre alten Skeletts. Später folgten die Zähne des Unterkiefers, sowie die Stoßzähne des Elefanten. Die Stoßzähne des Waldelefanten haben beeindruckende Ausmaße: Sie sind mehr als zwei Meter lang und sehr gerade. Das Tier habe außerdem eine Schulterhöhe von ca. 3,2 Metern gehabt und ein Gewicht von 6,8 Tonnen, heißt es in einer Pressemitteilung der Universität Tübingen. Insgesamt waren die Archäologen der Universität Tübingen zwei Jahre mit dem Fund beschäftigt. Dabei fanden die Forscher auch detaillierte Fußabdrücke weiterer Waldelefanten.

Universität Tübingen kooperiert mit dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege

Dass das Senckenberg Centre for Human Evolution and Palaeoenvironment Grabungen in Niedersachsen durchführt, hat mit einer Kooperation der Universität Tübingen und dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege zu tun. Diese entstand bereits 2008. Seit 2016 ist das SHEP offiziell vom Land Niedersachen mit den Ausgrabungen und der Forschung im Tagebau Schöningen beauftragt. Die Erkenntnisse der Funde wollen die Wissenschaftler laut dpa im Fachmagazin „Archäologie in Deutschland“veröffentlichen.

Die Besonderheit in Schöningen ist, dass die Funde der Archäologen der Universität Tübingen, wie beispielsweise Skelette von Tieren, direkt im angeschlossenen Forschungsmuseum Schöningen ausgestellt werden. Das Museum war 2019 aus dem Erlebniszentrum Paläon hervorgegangen und ist dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege unterstellt. Das 2013 eröffnete Paläon hatte 15 Millionen Euro gekostet und stand wegen der hohen Kosten von Anfang an in der Kritik.

Universität Tübingen: Elefant starb vermutlich aus Altersgründen

Bevor die Universität Tübingen das Skelett des Waldelefanten freilegte, erlangte die Ausgrabungsstätte im niedersächsischen Schöningen bereits Mitte der 1990er Jahre mit einem Fund überregionale Berühmtheit. Der Archäologe Hartmut Thieme fand dort zwischen 1994 und 1998 mehrere, vollständig erhaltene Holzartefakte aus der Altsteinzeit. Die sogenannten „Schöninger Speere“ gelten mit einem Alter von etwa 300.000 Jahren als die bisher ältesten erhaltenen Jagdwaffen der Menschheit.

Unser Vorfahr „Homo heidelbergensis“, der zu dieser Zeit in der Region lebte, hat mit den über zwei Meter langen, sorgfältig bearbeiteten Speeren aber vermutlich nicht Jagd auf Waldelefanten gemacht. Sie seien auch so überaus erfolgreiche Jäger gewesen und mussten sich deshalb nicht durch die Jagd auf so große Tiere in Gefahr bringen, erklärt die Universität Tübingen. Das jetzt gefundene Exemplar des Elefanten starb deshalb höchstwahrscheinlich aus Altersgründen.

Rubriklistenbild: © Jordi Serangeli/Forschungsstation Schöningen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare