Eltern am Handy

Forscher aus Heidelberg warnen: Mit Babys passiert etwas Beunruhigendes, wenn Eltern am Smartphone hängen

Eine Frau sitzt mit ihrem Kind vor einem Laptop und telefoniert mit einem Handy.
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Wenn Eltern zu viel am Handy kleben, kann das bei Babys Bindungsstörungen, Mangel an Empathie und Konzentrationsprobleme auslösen.

Über die Folgen von häufigem Handy-Konsum wird in der Wissenschaft viel diskutiert. Dabei geht es meist um die Auswirkungen für den Handynutzer selbst. Doch gerade kleine Kinder und Babys leiden, wenn ihre Eltern ununterbrochen am Handy hängen. Experten der Universität Heidelberg fordern deshalb mehr Aufklärung.

  • Das Handy ist aus dem Alltag vieler Menschen nicht mehr wegzudenken.
  • Forscher beschäftigen sich mit den Auswirkungen des Handy-Konsums, zum Beispiel auf den Schlaf oder die Konzentration.
  • Eine Entwicklungspsychologin der Universität Heidelberg warnt vor den Folgen für Babys, deren Eltern non stop aufs Handy starren.

Heidelberg - Eigentlich ist es keine Neuigkeit mehr, dass erhöhter Handy-Konsum nicht gerade förderlich für die Gesundheit ist. Ganz zu schweigen von den Inhalten, die mancher Nutzer konsumiert. 2015 hatte Langenscheidt „Smombie“ sogar zum Jugendwort des Jahres gewählt. Die Wortneuschöpfung aus „Smartphone“ und „Zombie" beschreibt eine Person, die ihre Umwelt kaum noch wahrnimmt, weil sie so auf ihr Handy fixiert ist. Die Universität Heidelberg warnt jetzt vor einem bislang unterschätzten Aspekt: Kleine Kinder und Babys leiden stark, wenn ihre Eltern ununterbrochen mit dem Handy beschäftigt sind.

Universität Heidelberg: Mehr Aufmerksamkeit auf Handy-Konsum von Eltern richten

Experten fordern, diese Problematik stärker in den Fokus der Diskussion zu rücken. „Das Thema wird total unterschätzt, wir brauchen unbedingt Aufklärung“, sagte Sabina Pauen gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Sie ist Entwicklungspsychologin an der Universität Heidelberg. Eltern müsse bewusst gemacht werden, wie sich ihr Handy- und Medienkonsum auf ihre kleinen Kinder auswirke. Ansonsten „wird nicht genug darauf geachtet und man bekommt fünf Jahre später die Quittung“, so Pauen zur dpa. Pauen wünscht sich mehr Begleitung für junge Eltern. Sonst könnten aus unreflektiertem Handy-Konsum Bindungsstörungen, ein Mangel an Empathie und Konzentrationsprobleme bei Babys und kleinen Kindern resultieren.

Auswirkungen auf 0- bis 3-Jährige: Forschung gleicht einer Brachlandschaft

Bislang gibt es kaum Studien, die sich mit den Auswirkungen von Handy- und Medienkonsum auf Babys beschäftigen. Rainer Riedel, Direktor des Instituts für Medizinökonomie und medizinische Versorgungsforschung Köln, bezeichnet den momentanen Forschungsstand gegenüber der dpa als Brachlandschaft. Gerade in Bezug auf Bindungsstörungen werde der Grundstein aber schon sehr früh gelegt - unter anderem durch das Verhalten der Eltern.

Rainer Riedel pflichtet seinen Kollegen der Universität Heidelberg daher bei. „Um über die möglichen Gefahren einer zu frühen Nutzung digitaler Medien von unseren Kleinsten besser aufzuklären, müssten sich im Grunde schon die Hebamme oder der Gynäkologe im Gespräch mit den schwangeren Frauen diesem Thema zuwenden“, so Riedel.

Für Till Reckert, Kinderarzt und Medienreferent im Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), sind die negativen Begleiterscheinungen des Handy-Konsums von Eltern offensichtlich: „Je mehr das Handy ‚angewachsen‘ ist, desto eher behindert es bei der nötigen Präsenz für die Kindererziehung der nächsten Generation“, so Reckert zur dpa. Auch er mache sich deshalb vor allem um die künftige Elterngeneration sorgen, da sie schon früh an das Handy gewöhnt worden seien. Ebenso wie die Forscher der Universität Heidelberg sieht er die Notwendigkeit, Eltern über die Folgen für ihre Babys aufzuklären.

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