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Uniklinik Freiburg: Video zeigt dramatische Corona-Lage - vor allem Ungeimpfte auf Intensivstation

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Von: Franziska Vystrcil

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Die Intensivstationen im Land sind gefüllt mit Corona-Patienten. Immer mehr junge und ungeimpfte Menschen landen dort. Die Situation spitzt sich weiter zu.

Freiburg - Seit beinahe zwei Jahren befindet sich die Welt im Ausnahmezustand. Das Coronavirus bestimmt unseren Alltag, unser Leben, unsere Gedanken. Auch Deutschland und Baden-Württemberg werden aktuell von der vierten Welle gebeutelt. Die Intensivstationen kommen an ihre Grenzen.

Wie dramatisch die Situation in den Kliniken ist, zeigt ein aktueller Report des SWR über die Intensivstation der Uniklinik Freiburg. Viele der Coronapatienten dort sind jung und ungeimpft. Für die Mediziner ist das Leid ihrer Patienten kaum zu ertragen. Schließlich hätte oftmals eine Impfung gereicht und die Menschen wären gar nicht erst bei ihnen gelandet.

Coronavirus in Baden-Württemberg bringt Kliniken an ihre Grenzen: „Dieser Mann müsste hier nicht liegen“

Überall scheinen Schläuche aus dem Körper des jungen Mannes zu kommen, medizinische Geräte piepsen, das Beatmungsgerät klackert. Die Reportage des SWR führt mit dramatischen Bildern vor Augen, wie schlimm eine Coronainfektion verlaufen kann. Intensivärztin Vivianne Zotzmann betreut in der Uniklinik Freiburg solche Fälle. Einer ihrer Patienten ist noch keine 40, hat keine Vorerkrankungen. Und doch fesselt ihn das Coronavirus ans Bett, er muss intensiv betreut werden. Denn der junge Mann ist wie viele Patienten auf der Freiburger Intensivstation ungeimpft.

Ein Coronavirus-Patient auf Intensivstation. (Symbolbild)
Immer mehr junge und ungeimpfte landen auf der Intensivstation des Uniklinikums Freiburg (Symbolbild). © Frank Molter/dpa

„Es ist ein junger Patient und es ist fraglich, ob er überlebt“, sagt Vivianne Zotzmann ehrlich. Denn ob der Mann die Infektion übersteht, lässt sich nach aktuellen Stand noch nicht sagen. Die Therapie sei langwierig und komplikationsträchtig, so die Medizinerin. Das Schicksal ihrer Patienten geht der jungen Ärztin sichtlich an die Nieren. „Es ist bitter. Es wäre einfach vermeidbar gewesen“, sagt sie. „Dieser Mann müsste hier nicht liegen.“ Eine Stuttgarter Intensivpflegerin ist sauer auf die Ungeimpften: „Ich muss die Dummheit der Menschen pflegen“, sagte sie.

Wie die Ehefrau des Patienten gegenüber dem SWR erzählt, seien sie und ihr Mann gar nicht gegen die Impfung gewesen. Sie hätten sich auch impfen lassen wollen, jedoch sei immer wieder etwas dazwischen gekommen. Als sie schließlich einen festen Impftermin hatten, infizierte sich ihr Mann. Mit verheerenden Folgen. Eine weitere ungeimpfte Patientin infizierte sich, als sie schwanger war. Inzwischen ist sie auf dem Weg der Besserung, ihr Kind hat sie allerdings verloren.

Klinik wappnet sich für nächste Welle - Zahl der Intensivpatienten „wird Kapazität deutlich übersteigen“

Solche Geschichten gehören aktuell zum Alltag der Intensivmediziner in Freiburg. Sie sind repräsentativ für das, was sich in Kliniken im ganzen Land abspielt. Anfang Dezember knackte Baden-Württemberg einen traurigen Rekord bei der Zahl der Coronapatienten auf den Intensivstationen. Bei den Patienten in Freiburg handle es sich nicht um Impf-Gegner, auch nicht um Corona-Leugner, so Vivianne Zotzmann. Viele hätten sich aus Angst nicht impfen lassen. Dadurch hätten viele allerdings einen „maximal schweren Verlauf“, sagt die Ärztin.

Die Situation auf den Intensivstationen wird sich laut Einschätzung der Experten auch in den nächsten Wochen nicht verbessern, eher sogar noch verschlimmern. Paul Biever, Teil der Covid-19-Taskforce der Uniklinik, gibt düstere Aussichten. Durch die anrollende fünfte Welle durch die Omikron-Variante rechnet er mit dem Schlimmsten. „Die Modelle geben leider her, dass die Anzahl der zu erwartenden Intensivpatienten die Kapazität deutlich übersteigt.“ Auch ein Pforzheimer Klinik-Chef alarmierte schon, dass es durch Corona kein freies Intensivbett für Patienten mit Herzinfarkt mehr gibt.

Dieses Szenario könnte schon bald eintreten. „Da reden wir von einer Perspektive von in drei Wochen. Zwei, drei höchstens vier Wochen“, sagt Paul Biever. „Also eine zeitnahe, echte Bedrohung.“ Die Klinik plant bereits, wie sie die nächste Welle behandeln können.

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