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Umfrage: Fast alle Realschulen wollen Hauptschulabschluss loswerden

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In einer Umfrage des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) sprechen sich neun von zehn Lehrerinnen und Lehrer dafür aus, den Hauptschulabschluss an der Realschule abzuschaffen und der Grundschulempfehlung wieder mehr Gewicht zu verleihen (Symbolbild). © Marijan Murat/dpa/Symbolbild

Die Realschulen sind die Sandwich-Schulen im Land: Sie nehmen mögliche Hauptschüler ebenso auf wie überforderte Gymnasiasten. Darunter leidet das Niveau der Realschulen, sagen die Lehrkräfte dort. Und fordern fast durch die Bank eine Reform des Systems.

Stuttgart (dpa/lsw) - Fast alle Lehrkräfte in den baden-württembergischen Realschulen sorgen sich um überforderte Kinder in den beiden Eingangsklassen und würden den Hauptschulabschluss lieber heute als morgen loswerden. In einer Umfrage des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) sprechen sich neun von zehn Lehrerinnen und Lehrer dafür aus, den Hauptschulabschluss an der Realschule abzuschaffen und der Grundschulempfehlung wieder mehr Gewicht zu verleihen.

Den Hauptschulabschluss können Schüler an unterschiedlichen Schulformen erwerben. Hauptschüler können auf dem Weg zum Abschluss «grundständig», also auf einem einfacheren Niveau (G-Niveau), unterrichtet werden. Der Unterricht an Realschulen erfolgt dagegen in den ersten zwei Schuljahren auf einem «mittleren Niveau» - unabhängig davon, welcher Schulabschluss später angestrebt wird. Für viele Mütter und Väter ist es aus Sicht der Realschulen aber attraktiver, von der Grundschulempfehlung abzuweichen und ihr leistungsschwächeres Kind auf die Realschule und nicht auf die eigentlich passende Haupt- oder Werkrealschule zu schicken.

Das unter dem damaligen Kultusminister Andreas Stoch (SPD) beschlossene Angebot des Hauptschulabschlusses an der Realschule gilt seit dem Schuljahr 2016/17.

Sandwich-Position werde Kindern auf der Realschule nicht gerecht

«Die Schulpraxis hat ein klares Urteil gefällt», sagte der VBE-Landesvorsitzende Gerhard Brand zu den Ergebnissen der Umfrage, deren Details am Freitag (11.00 Uhr) in Stuttgart vorgestellt werden sollen. «Der Unterricht von G-Schülerinnen und -Schülern gemeinsam mit den anderen Realschülerinnen und -Realschülern in einer Klasse wird aus pädagogischen Gründen in Frage gestellt.» Durch das gleichzeitige Unterrichten könne keines der Niveaus richtig bedient werden, kritisierte Brand. Das System werde den Kindern nicht gerecht und sei arbeitsintensiv.

Realschulen sind in Baden-Württemberg in einer Art Sandwich-Position: Sie sind Auffangbecken für die Schüler, die an eine der Hauptschulen gegangen wären, die zunehmend geschlossen werden. Sie können dort ihren Hauptschulabschluss machen. Aber auch Gymnasiasten, die wegen Überforderung an die Realschule kommen, tragen zur zunehmenden Vielfalt der Schulart bei. Der Schulartwechsel ist verpflichtend, wenn zweimal aufeinander das Klassenziel nicht erreicht wurde. Schüler können aber auch freiwillig die Schulart wechseln.

An den 479 öffentlichen und privaten Realschulen im Land sind im Schuljahr 2020/2021 insgesamt 209 552 Jungen und Mädchen unterrichtet worden. Fünf Jahre zuvor lag die Zahl der Schulen noch bei 507 Einrichtungen.

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