Zuflucht vor der Eiseskälte: Ulm stellt Schlafkapseln für Obdachlose auf

Eine geöffnete Schlafkapsel steht vor einem Wohnblock im Schnee
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Die Stadt Ulm hat Schlafkapseln für Obdachlose aufgestellt
  • Sabrina Hoffmann
    vonSabrina Hoffmann
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In Ulm können Obdachlose ab jetzt in Schlafkapseln Schutz suchen. Bei großer Kälte im Winter kann das lebensrettend sein. Die Idee hinter den „Ulmer Nestern“ ist klug.

Ulm - Das Wetter in Deutschland ist derzeit bitterkalt. Während sich Familien mit Kindern über die Massen an Neuschnee freuen, kann ein eisiger Winter für andere lebensbedrohlich sein: Immer wieder erfrieren Obdachlose bei Minusgraden, weil sie nachts keinen Unterschlupf finden. Die Stadt Ulm will den Bedürftigen helfen - mit Schlafkapseln, die den Obdachlosen einen warmen Schlafplatz bieten sollen.

Die Schlafkapseln für Obdachlose werden als „Ulmer Nester“ bezeichnet. Am Freitag wurden sie in der Stadt wieder aufgestellt. Die Schlafkapseln gibt es schon seit 2019. Sie kommen in Ulm seit dem jedes Jahr bei großer Kälte zum Einsatz. Menschen ohne festen Wohnsitz trifft die Corona-Krise besonders hart. So müssen Obdachlose in Baden-Württemberg Tausende Euro an Bußgeldern nachzahlen, weil sie gegen die Corona-Verordnung verstoßen haben. Außerdem gehen ihnen im Lockdown viele Einnahmequellen verloren, zum Beispiel das Sammeln von Pfandflaschen und das Betteln.

Die Schlafkapseln in Ulm sollen die Not der Obdachlosen nun zumindest etwas lindern und ihnen Zuflucht der Kälte im Winter bieten. Die „Ulmer Nester“ bestehen aus Stahlblech und Holz und sind besonders gut abgedichtet, damit die Wärme im Inneren bleibt. Die Obdachlosen können die Kapseln von innen abschließen, was ihnen ein Gefühl von Sicherheit vermitteln soll.

Wenn jemand in die Schlafkapsel steigt, melden Sensoren die Aktivität an die Caritas in Ulm. Das hat neben Sicherheitsgründen weitere Vorteile: So können Mitarbeiter des Caritasverbands Ulm-Alb-Donau am nächsten Morgen zu der genutzten Schlafkapsel fahren und die Obdachlosen über Hilfsangebote informieren. Gerade in der Corona-Krise ist wohltätiges Engagement wichtiger denn je und viele Menschen in Baden-Württemberg sind bereit, zu helfen. Schon kleine Gesten machen einen Unterschied, etwa wenn ein Restaurant in Lörrach kostenlos Burger und Pizza an Obdachlose ausgibt.

Auch in Stuttgart steht eine mobile Unterkunft. Das „Schlafwägele“ steht vor der Markuskirche in Stuttgart-Süd und wurde von einem privaten Unternehmer gespendet. Die Stadtverwaltung plant indes nicht, ein ähnliches Modell wie die Schlafkapseln aus Ulm einzuführen. Das sei in Stuttgart nicht nötig, weil es „ein umfangreiches und sehr ausdifferenziertes Angebot der Wohnungsnotfallhilfe“ gebe, wie die Stadt der Stuttgarter Zeitung mitteilte. Auch andere Landkreise wie Esslingen, Böblingen und Waiblingen sehen laut StZ keinen Bedarf für Angebote wie die Schlafkapseln.

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