Caspar, Melchior und Balthasar 

Rassismus-Debatte: Ulmer Münster verbannt Heilige Drei Könige aus der Krippe

  • Valentin Betz
    vonValentin Betz
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An Weihnachten stellen viele traditionell eine Krippe auf. Mit dazu gehören meist auch die Heiligen Drei Könige. Die Münstergemeinde in Ulm stellt die drei Figuren dieses Jahr nicht auf.

Ulm - Anfang 2020 starb der US-Amerikaner George Floyd durch Polizeigewalt. Nachdem zunächst zahlreiche Menschen deshalb in den USA auf die Straße gingen, nahm „Black Lives Matter“ als weltweite Bewegung Fahrt auf, die auch in Deutschland ankam. In der Landeshauptstadt Stuttgart machten unterschiedliche Aktionen auf Rassismus aufmerksam und drückten Solidarität mit dem ermordeten George Floyd aus.

Im Stadtteil Stuttgart-Möhringen wurde beispielsweise eine Petition gestartet. Darin fordern Tausende, ein rassistisches Symbol auf dem Stuttgarter Wappen zu entfernen. Denn neben drei Symbolen ist darauf auch der Kopf eines Mohren abgebildet. Eine andere Aktion fand im öffentlichen Raum statt. Unbekannte benannten nachts den Bismarckplatz in Stuttgart um. Sie gaben ihm den Namen „George Floyd Platz“.

Jetzt hat sich auch die evangelische Münstergemeinde in Ulm gegen Rassismus positioniert. Dafür schaffte sie sogar eine jahrhundertealte Tradition ab, die von vielen Menschen an Weihnachten gepflegt wird.

Rassistische Stereotype: Ulmer Münstergemeinde verzichtet in der Krippe auf Heilige Drei Könige

Wie die dpa berichtet, sollen die Figuren der Heiligen Drei Könige dieses Jahr nicht Teil der Krippe der evangelischen Münstergemeinde in Ulm sein. „Die Holzfigur des Melchior ist etwa mit seinen dicken Lippen und der unförmigen Statur aus heutiger Sicht eindeutig als rassistisch anzusehen“, sagte Dekan Ernst-Wilhelm Gohl der dpa.

Krippe ohne die Heiligen Drei Könige: Die Münstergemeinde in Ulm will die Figur des Melchior nicht aufstellen, weil sie rassistische Stereotype bedient.

Die Ulmer Figur des Königs Melchior wurde laut SWR in den 1920er Jahren geschnitzt und mit stark überzeichneten Lippen und Feder-Kopfschmuck dargestellt. Selbst eine weitere Königsfigur der Münstergemeinde ist mit einem schwarzen Schleppenträger diskriminierend und rassistisch. Wie die Münstergemeinde künftig mit den Heiligen Drei Königen und insbesondere der Figur des Melchior umgehen will, wird laut Ernst-Wilhelm Gohl dann im kommenden Jahr „in aller Ruhe“ entschieden.

Heilige Drei Könige und Rassismus: Münstergemeinde in Ulm will Weihnachtszeit nicht mit Debatte zerstören

Der Grund für die aufgeschobene Rassismus-Debatte um die Heiligen Drei Könige liegt in der Weihnachtszeit. Laut Dekan Ernst-Wilhelm Gohl will die Münstergemeinde in Ulm nicht, dass Weihnachten von einer Debatte um die Krippenfiguren bestimmt wird. Stattdessen soll in diesem Jahr die Weihnachtsgeschichte nach Lukas erzählt werden, in der die Heiligen Drei Könige nicht vorkommen.

Denn die Figuren der Heiligen Drei Könige sind erst im Laufe der Jahrhunderte in Folge einer umfangreichen Legendenbildung entstanden. Demnach wurden aus den im Matthäusevangelium erwähnten „Sterndeutern“ mit der Zeit die Figuren der Könige - ohne dass diese Bezeichnung oder deren Anzahl jemals in der Bibel genannt worden waren.

Debatte um Heilige Drei Könige in Ulmer Münstergemeinde: Landesbischof schaltet sich ein

Der württembergische Landesbischof unterstützt die Entscheidung der Münstergemeinde in Ulm, die Debatte um die Figuren der Heiligen Drei Könige erst im kommenden Jahr zu führen. „Es ist wichtig, eine Entscheidung gut zu beraten und auf dem Weg dorthin die dafür nötige Ruhe in der Gemeinde zu gewinnen“, so Frank Otfried July zur dpa.

Der Landesbischof hat bereits eine klare Vorstellung davon, wie die Entscheidung über den Umgang mit den Krippenfiguren ausfallen sollte. „So etwas abzuhängen oder wegzustellen oder in einem Museum zu verstecken, halte ich für den schlechteren Weg“, sagte der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. „Es ist unsinnig, Dinge im Nachhinein unserer gegenwärtigen Überzeugung anzupassen. Man muss sie erklären und in eine heutige, kritische Bewertung stellen.“

Rubriklistenbild: © picture alliance/Sebastian Gollnow/dpa

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