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Restaurant verweigert Russen den Zutritt - „Schlag ins Gesicht“

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Von: Nadja Pohr

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Leere Esstische und ein Bild eines Textes, der es Russen verbietet, in einem Restaurant zu essen.
Nach dem Ausschluss von Besuchern mit „russischem Pass“ erntete ein Restaurant einen riesigen Shitstorm (Symbolbild). © Robert Michael/dpa/Screenshot „Traube“ Bietigheim

Ein Restaurant in Baden-Württemberg will als Zeichen der Solidarität mit der Ukraine keine Besucher mit russischem Pass bewirten und kassiert einen heftigen Shitstorm.

Bietigheim - Der Krieg in der Ukraine erschüttert die Menschen in ganz Deutschland. Auch in Stuttgart reagieren die Bürger geschockt auf Russlands Angriff auf die Ukraine (BW24* berichtete). Viele Menschen in Baden-Württemberg* gingen deshalb in den vergangenen Tagen auf die Straße, um ein Zeichen zu setzen oder ihre Solidarität zu bekunden.

Das Restaurant „Traube“ in Bietigheim (Kreis Rastatt) wollte ebenfalls seine Solidarität mit der Ukraine zeigen und verbannte russische Mitbürger kurzerhand aus dem Lokal. „Besucher mit russischem Pass sind bei uns im Haus unerwünscht“, schrieb das Restaurant auf seiner Website. Es sei ihnen bewusst, dass der „normale russische Staatsbürger“ keine Schuld an dem kriminellen Handeln der Regierung Russlands trage, texteten die Betreiber des Lokals weiter, dennoch wolle man dadurch ein Zeichen setzen.

Restaurant kassiert Shitstorm: „Leute wegen ihrer Herkunft ausschließen - Ernsthaft?“

Mit der Folge des politischen Zeichens hatte das Restaurant in Bietigheim jedoch sicherlich nicht gerechnet. In kurzer Zeit entstand ein riesiger Shitstorm im Netz. „Mega unverschämt“, „Richtig erbärmlich“ oder „Das Dümmste, was ich je gesehen habe“ schreiben die User im Internet. „Ausgrenzung führt nie zu Frieden“, meint eine Nutzerin. „Das ist nicht der richtige Weg, eher ein Schlag ins Gesicht für Menschen, die nichts dafür können, dass ihr Präsident ein Verbrecher ist“, findet auch ein anderer.

Aber nicht nur in den sozialen Medien gab es eine Welle der Entrüstung, auch in den Google-Rezensionen des Lokals entlädt sich der Unmut der Bürger. Im Minutentakt hagelte es dort noch am Montagvormittag (28. Februar) miserable Bewertungen mit nur einem von fünf möglichen Sternen. „Ekelhaftes Restaurant“, schrieb ein User etwa. „Leute wegen ihrer Herkunft ausschließen - Ernsthaft?“, kommentierte eine weitere Nutzerin ihre Ein-Stern-Bewertung. Ein weiterer meinte, man solle das Lokal aufgrund der Diskriminierung in Zukunft nicht mehr besuchen.

Nach heftigem Shitstorm: Homepage von Restaurant gelöscht

Die Homepage des Restaurants „Traube“ war am Montagvormittag zeitweise nicht erreichbar. Ebenso wurden die Bewertungen auf Google inzwischen gelöscht. Noch am Sonntagnachmittag gab der Wirt eine Entschuldigung auf Facebook und auf der Website des Restaurants ab: „Es war ein Fehler, die Kritik an Putin an der Nationalität festzumachen. Niemals wollte ich jemanden wegen seiner Nationalität beleidigen.“ Er gab auch an, dass seine Familie und Mitarbeiter nun bedroht werden würden. Auch ein Streifenwagen der Polizei postierte sich vor dem Lokal.

In den vergangenen Tagen kam es zu einigen Solidaritätsaktionen in Baden-Württemberg, die den Bürgern allerdings nicht weit genug gehen*. Unter anderem ließ das Land Baden-Württemberg das Neue Schloss in Stuttgart in den ukrainischen Farben blau-gelb erstrahlen, die Stadt Ludwigsburg* hisste die Flagge der Ukraine am Rathaus. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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