„Tussies“ aus Metzingen

Kameras in Umkleide von Bundesliga-Handballerinnen versteckt - „Einfach nur schockierend“

Die Handballerinnen der TuS Metzingen bejubeln einen Sieg über den HSG Blomberg-Lippe.
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Die Handballerinnen der TuS Metzingen zeigen sich nach dem Fund von Kameras in ihrem Umkleideraum kämpferisch.
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
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Anfang der Woche entdeckten Spielerinnen des Bundesliga-Handballvereins TuS Metzingen Kameras in ihrer Umkleide. Der Tatverdächtige stammt aus dem direkten Umfeld.

Metzingen - Die Stadt Metzingen ist in der Region Stuttgart und weit darüber hinaus wegen den vielen dort ansässigen Outlets bekannt. Deshalb wird die Stadt im Kreis Reutlingen auch „Outlet City“ genannt. Seit Beginn der Woche macht aber ein Vorfall aus Metzingen bundesweit Schlagzeilen, auf den die Betroffenen mit Sicherheit gerne verzichtet hätten. Spielerinnen der TuS Metzingen, einem Verein, der in der Handball-Bundesliga aktiv ist, entdeckten in ihrer Umkleide in der Öschhalle zwei versteckte Kameras.

Der Sportclub informierte umgehend die zuständige Polizei der Stadt in Baden-Württemberg über den Vorfall. Als dringend tatverdächtig wurde ein Mann aus dem unmittelbaren Umfeld der Handballerinnen, die in Anlehnung an den Vereinsnamen auch „Tussies“ genannt werden, ermittelt. In einem Statement zeigten sich sowohl die Spielerinnen als auch der Vorsitzende der Handball-Bundesliga der Frauen (HBF) von dem Vorfall entsetzt.

TuS Metzingen: Tatverdächtiger nach Entdeckung von versteckten Kameras im Umkleideraum ermittelt

Durch die schnelle Reaktion der Handballerinnen aus Metzingen konnte die zuständige Polizei einen Tatverdächtigen ermitteln. Bei dem Mann aus dem unmittelbaren Umfeld des Vereins sei „Beweismaterial“ sichergestellt worden, sagte ein Sprecher des Reutlinger Polizeipräsidiums dem Reutlinger Generalanzeiger (GEA). „Diese widerliche Tat – zudem auch noch durch eine direkte Vertrauensperson – ist einfach nur schockierend und hat uns alle sehr getroffen“, erklärte Club-Manager Ferenc Rott.

Die Mannschaft ließ sich trotz des erschreckenden Vorfalls und der groben Verletzung der Privatsphäre nicht unterkriegen und absolvierte bereits wenige Tage nach der Entdeckung der Kameras ein Spiel gegen die SG BBM Bietigheim. Er sei von dem Zusammenhalt der Spielerinnen „sehr beeindruckt“, so Manager Rott. „Wir werden uns durch so etwas nicht kleinkriegen lassen - und dass das Team sofort wieder Handball spielen möchte, ist ein sehr starkes Signal“, erklärte er laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa). „Wir haben in dieser schwierigen Zeit von Polizei, Verband und anderen Mannschaften viel Unterstützung erfahren. Das hilft natürlich und dafür bedanken wir uns.“

Handballerinnen der Tus Metzingen zeigen sich kämpferisch: „Lassen uns von nichts und niemandem unterkriegen“

Nach der Entdeckung der Kameras in ihrer Umkleide zeigten sich die Handballerinnen der TuS Metzingen schockiert, aber auch kämpferisch. „Wir lassen uns von nichts und niemanden unterkriegen. Der Frauenhandball steht zusammen und wehrt sich entschlossen gegen all diejenigen, die uns und unseren Sport bedrohen“, schrieben die „Tussies“ auf Instagram und posteten ein Teamfoto. „Unser Zusammenhalt ist größer als jede Rivalität, jedes Spiel, jedes Tor!“

Unterstützung erhielten die Handballerinnen aus Metzingen auch von anderen Mannschaften sowie von der Handball-Bundesliga Frauen (HBF). „Eine solche kriminelle Tat widerspricht allen Werten, die wir als HBF zusammen mit unseren Vereinen vertreten“, sagte der HBF-Vorsitzende Andreas Thiel in einer Stellungnahme. „Die TuS Metzingen hat schnell gehandelt und umgehend die Polizei informiert, sodass bereits ein Tatverdächtiger ermittelt werden konnte. Der Verein kann sich der vollen Unterstützung der HBF sicher sein.“

Die Zusammenarbeit der TuS Metzingen mit dem Tatverdächtigen sei unmittelbar beendet worden. Bei einer möglichen Verurteilung könnte dem Mann aufgrund von Verletzungen der Persönlichkeitsrechte eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren blühen.

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