Deutschgebot an Schulen?

Drittklässlerin spricht während der Pause Türkisch und bekommt Strafarbeit

Grundschüler mit Schutzmasken in Schulgang.
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Eine Drittklässlerin bekam eine Strafarbeit, weil sie sich auf Türkisch unterhalten hat. (Symbolfoto)
  • Anna-Lena Schüchtle
    vonAnna-Lena Schüchtle
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Weil sie sich auf dem Schulhof auf Türkisch mit einer Freundin unterhielt, musste eine Schülerin im Schwarzwald-Baar-Kreis eine Strafarbeit schreiben. Die harte Maßnahme der Lehrerin wird nun überprüft. Die Eltern der Drittklässlerin hatten Widerspruch eingelegt.

  • Eine Drittklässlerin im Schwarzwald-Baar-Kreis musste eine Strafarbeit schreiben, weil sie sich auf dem Schulhof auf Türkisch unterhalten hat.
  • Das Regierungspräsidium in Freiburg versucht jetzt herauszufinden, ob es sich bei der Maßnahme der Lehrerin um Diskriminierung handelt.
  • in Schulen in Baden-Württemberg gilt keine generelle Pflicht, Deutsch zu sprechen.

Schwarzwald-Baar-Kreis - Von den deutschen Flächenländern hatte Baden-Württemberg Ende 2019 den zweitgrößten Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund wie das Staatsministerium auf seiner Seite mitteilt. Er entsprach etwa 30,9 Prozent, also etwas weniger als einem Drittel der gesamten im Südwesten lebenden Bevölkerung. Die größte Gruppe von Migranten außerhalb der EU stamme laut Staatsministerium in Stuttgart aus dem ehemaligen Jugoslawien und der Türkei.

Zwar gibt es regionale Unterschiede bezüglich der Bevölkerungsverteilung, doch nicht nur Deutsch, sondern vor allem auch Türkisch wird in Baden-Württemberg entsprechend viel gesprochen. Dies wurde jetzt einer Schülerin im Schwarzwald-Baar-Kreis im Regierungsbezirk Freiburg zum Verhängnis.

Drittklässlerin unterhielt sich auf dem Pausenhof auf Türkisch - die Lehrerin ergreift eine strenge Maßnahme

Die Drittklässlerin aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis soll sich nach Angaben der Deutschen Presseagentur auf dem Schulhof mit einer Freundin auf Türkisch unterhalten haben. Einer Lehrerin fiel das negativ auf und sie erlegte dem Mädchen eine halbseitige Strafarbeit auf. Titel der Arbeit: „Warum wir in der Schule Deutsch sprechen!“ Die Eltern haben mittlerweile einen Anwalt eingeschaltet, der bereits Widerspruch gegen die Strafarbeit eingelegt hat.

Eine Sprecherin des Regierungspräsidiums Freiburg bestätigte laut Deutscher Presseagentur, dass der Fall nun die Schulaufsicht beschäftige. Das Staatliche Schulamt Donaueschingen sei gebeten worden, eine Stellungnahme der Schule einzuholen. Bis dahin könne das Regierungspräsidium jedoch noch keine Bewertung des Vorgehens der Schule beziehungsweise der Lehrkraft abgeben. „Selbstverständlich nehmen wir derartige Vorwürfe einer Diskriminierung sehr ernst“, sagte die Sprecherin.

Keine Deutsch-Pflicht an Schulen in Baden-Württemberg - aus pädagogischen Gründen aber manchmal angebracht

Nicht nur bei den Eltern stößt die harte Maßnahme der Lehrerin aus Baden-Württemberg auf Kritik. So kommentierte beispielsweise Kemal Ülker, Vorsitzender der „Förderation der Vereine Türkischer Elternbeiräte in Baden e.V.“, dass es nicht sein könne, dass Schülerinnen eine Bestrafung bekommen, weil sie sich außerhalb des Unterrichts auf Türkisch unterhielten. Dieses grundgesetzwidrige Verhalten der Lehrkraft habe die Kinder „verängstigt und verunsichert“.

Rückendeckung bekommt er zum Teil aus dem Netz. Auf Twitter heißt es beispielsweise in einem Tweet: „Schülerin spricht Türkisch – und bekommt Strafarbeit. Soweit ist es schon. Unglaublich“. Ein anderer Kommentator schreibt auf Facebook zu dem Thema: „Pause ist Pause und dient zur Erholung. Ich finde, es geht es keinen etwas an, in welcher Sprache gesprochen wird. Während dem Unterricht ist das was anderes.“ Andere Kommentatoren unterstützen dagegen die Maßnahme der Lehrerin: „Was ist daran falsch, die Kinder dazu anzuhalten, Deutsch zu sprechen? Erstens übt es dadurch und zweitens vermeidet man dadurch Missverständnisse. Das ist doch keine Diskriminierung.“

Immer wieder kommt die öffentliche Diskussion auf, ob es eine Art Deutsch-Pflicht an deutschen und auch an Schulen und Schulhöfen in Baden-Württemberg geben sollte. Vor knapp 13 Jahren sorgte eine Schule im Berlin Wedding für Schlagzeilen. Etwa 90 Prozent der Schüler hatten einen Migrationshintergrund. Man vereinbarte deshalb mit Schülern, Lehrern und Eltern, dass auch in den Pausen ausschließlich Deutsch gesprochen werden sollte. Diese freiwillige Form der Deutsch-Pflicht dient bis heute als Vorbild für viele andere Schulen, stößt jedoch auch auf viel Kritik.

In Schulen in Baden-Württemberg gibt es jedoch kein generelles Verbot, sich in seiner nicht-deutschen Muttersprache zu unterhalten. Das bestätigt auch die Sprecherin des Regierungspräsidiums in Freiburg gegenüber der Deutschen Presseagentur. Allerdings gebe es Situationen, in denen es aus pädagogischen Gründen angebracht sei, die Schülerinnen und Schüler dazu anzuhalten, auf Deutsch miteinander zu kommunizieren. «Dazu kann beispielsweise gehören, dass man sich bei Konflikten in einer für alle Beteiligten verständlichen Sprache ausdrückt.»

Ob es sich bei der Strafarbeit für die Schülerin um einen Akt der Diskriminierung handelt, gilt es jetzt von Seiten der Behörden herauszufinden. Das Thema wurde in den vergangenen Wochen emotional diskutiert - spätestens seit dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd und der darauffolgenden Bewegung „Black lives matter“. Auch in Stuttgart wurde demonstriert, was die vorherigen Corona-Proteste kläglich aussehen hat lassen.

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