Impfstoff aus Tübingen

Studie: Curevac hat kaum noch Chancen gegen Biontech und Co.

Franz-Werner Haas sitzt bei einer Pressekonferenz zum Curevac-Impfstoff
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Curevac-Vorsitzender Franz-Werner Haas rechnet fest mit der Zulassung des Impfstoffs.
  • Berkan Cakir
    VonBerkan Cakir
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Das finale Studienergebnis zum Impfstoff der Tübinger Firma Curevac ist da - und es ist ernüchternd. Die Wirksamkeit reicht bisher weiter nicht für eine Zulassung.

Update vom 1. Juli, 15.12 Uhr: Es war ein herber Rückschlag für den Tübinger Impfstoff von Curevac. Die Impfstoff-Hoffnung aus Baden-Württemberg erreichte bei einer Studie zur Wirksamkeit nur einen Prozentsatz von 47 Prozent, wie das Unternehmen vor einigen Tagen in einer Mitteilung verkündete. Um als Impfstoff gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg zugelassen zu werden, bräuchte der mRNA-Wirkstoff allerdings eine Wirksamkeit von mindestens 50 Prozent. Im Gegensatz dazu beträgt die Wirksamkeit vom mRNA-Impfstoffkonkurrenten Biontech laut RKI bis zu 95 Prozent.

Trotz der enttäuschenden Ergebnisse der Wirksamkeitsstudie blieb Curevac-Chef Franz-Werner Haas zuversichtlich. Er rechne mit einer Zulassung nach der finalen Studie, sagte der Vorstandsvorsitzende des Tübinger Biotech-Unternehmens. Auf der finalen Studie lag somit nicht nur für die Tübinger, sondern für die gesamte Impfkampagne ein hoher Druck.

Doch auch die finale Studie zur Wirksamkeit brachte nur ein ernüchterndes Ergebnis, wie die Deutsche Presseagentur (dpa) berichtet. In einer am gestrigen Mittwochabend veröffentlichten Mittelung von Curevac heißt es, der Wirkstoff habe auch bei der finalen Analyse nur eine Wirksamkeit von 48 Prozent gegen eine Erkrankung über alle Altersgruppen hinweg erreicht.

Curevac-Impfstoff: Unternehmen rechnet trotz geringer Wirkung mit einer Zulassung durch die EU

Mit dem ernüchternden Ergebnis der finalen Analyse sind die Bedingungen für eine Zulassung des Tübinger Impfstoffes von Curevac nicht erfüllt. In der Mitteilung heißt es jedoch auch, dass die Wirksamkeit des mRNA-Impfstoffes für die Altersgruppe zwischen 18 und 60 Jahren zumindest bei 54 Prozent liege. Zudem schütze das Vakzin bei dieser Altersgruppe zu 77 Prozent vor einem Krankenhausaufenthalt oder dem Tod.

Obwohl mit der geringen Wirkung gegen eine Erkrankung in allen Altersgruppen in Deutschland eher nicht mit einer Zulassung des Impfstoffes von Curevac zu rechnen ist, gibt sich das Unternehmen nicht geschlagen. Die geringere Wirksamkeit im Vergleich zu den Vakzinen der Konkurrenz sei noch immer keine Niederlage, sagte Franz-Werner Haas laut der dpa. „Es geht darum, die Weltbevölkerung zu impfen.“

Curevac gehe demnach auch weiterhin von einer baldigen Zulassung des mRNA-Impfstoffes durch die EU aus. „Das ist ein sicherer Impfstoff, der verträglich ist und eine Wirksamkeit zeigt. Ob er dann breit angewendet wird und in welchen Ländern, ist eine ganz andere Sache“, sagte Peter Kremsner, Leiter der Impfstoff-Studie des Tübinger Biotech-Unternehmens.

Impfstoff von Curevac: Vorstandsvorsitzender erwartet Zulassung nach finaler Studie

Erstmeldung vom 29. Juni: Tübingen - Eine Wirksamkeit von mindestens 50 Prozent müsste der Tübinger Impfstoff von Curevac haben - dann stünde einer Zulassung nach der finalen Studie nichts im Weg. Franz-Werner Haas, der Vorstandsvorsitzende des Biotech-Unternehmens, rechnet fest damit, dass die finalen Ergebnisse sehr bald vorliegen. „Es wird nicht länger als eine Woche oder zehn Tage dauern. Wir rechnen kurzfristig mit den Ergebnissen“, sagte Haas am Montagabend in Tübingen bei einer Pressekonferenz mit Bundesforschungsministerin Anja Karliczek und Staatsministerin Annette Widmann-Mauz (beide CDU).

Das Unternehmen aus der Universitätsstadt hatte zuletzt verkündet, dass der Curevac-Impfstoff nur eine Wirksamkeit von 47 Prozent gegen das Coronavirus hat. Nicht nur der Börsenwert der Aktie fiel anschließend dramatisch. Für dieses Jahr flog Curevac wegen der Verzögerungen auch aus der Impfkampagne des Bundes.

Der Tübinger Impfstoff von Curevac sorgte mit der geringen Wirksamkeit für Enttäuschung

Als Grund für das Scheitern des Impfstoffs in der Zwischenstudie wurde die geringe Dosis angeführt, die nicht in herkömmlichen Mengen an die Probanden verabreicht werden konnte. Curevac-Studienleiter Peter Kremsner bezeichnete die starken Nebenwirkungen, die dabei entstanden, als „nicht akzeptierbar“. Der Tübinger Professor äußerte wenig Hoffnung für den Impfstoff. An die Vakzine von Biontech und Moderna würde Curevac nicht heranreichen.

Die geringe Wirksamkeit sorgte auch bei Politikern für Enttäuschung. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek sagte bei der Pressekonferenz, man hätte sich gewünscht, dass die aktuellen Zwischenergebnisse besser ausgefallen wären. Es sei richtig, auf die mRNA-Technologie zu setzen, um die Souveränität in Europa zu erhalten im Vergleich zu China und den USA. Es gehe auch um strategische Investitionen im internationalen Wettbewerb.

Curevac-Vorsitzender rechnet fest mit der Zulassung des Impfstoffs aus Tübingen

Der Bund war im vergangenen Jahr über die Aufbaubank KfW mit 300 Millionen Euro bei Curevac eingestiegen und hält laut KfW damit einen Anteil von 16 Prozent. Aus einem Sonderförderprogramm stehen Curevac rund 250 Millionen Euro zur Verfügung. Berichten zufolge soll der Bund nach dem Kursabsturz der Unternehmensaktie einen Verlust von rund 1,1 Milliarden Euro verzeichnet haben.

Franz-Werner Haas zeigte sich indes weiter überzeugt davon, den Impfstoff zur Zulassung bringen zu können. „Wir planen auch heute noch mit einer Zulassung dieses Impfstoffs“, so der Vorstandsvorsitzende von Curevac.

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