Coronavirus in Baden-Württemberg

Tübingen: Doppelt so viele Sicherheitsleute, „wenn das Partyvolk kommt“ – bald auch Alkoholverbot?

  • Anna-Lena Schüchtle
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Die Zahl der Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg steigt seit einigen Wochen wieder. In Tübingen wird daher der Sicherheitsdienst verstärkt. Oberbürgermeister Boris Palmer bereiten die großen Menschenmengen im Nachtleben Sorgen.

  • Das Infektionszahlen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg steigen seit einigen Wochen wieder. Ein Grund ist der sorglose Umgang einiger Menschen mit den Schutzmaßnahmen.
  • Oberbürgermeister Boris Palmer erhöht nun die Sicherheitsvorkehrungen in Tübingen und verdoppelt den Ordnungsdienst im Nachtleben.
  • Zudem wird in Tübingen über ein Alkoholkonsum- und Betretungsverbot für bestimmte Stadtbereiche diskutiert.

Tübingen - Vor etwa einem Monat wurden die Schutzmaßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus in Baden-Württemberg gelockert. Zuvor gab es von Corona-Skeptikern einige Proteste gegen die Einschränkungen, die laut Grünen-Politiker Boris Palmer jedoch beiseite gedrängt wurden. Seit 1. Juli ist der Bevölkerung unter Einhaltung der Hygieneregeln jedoch beinahe alles wieder erlaubt. Das hat zur Folge, dass auch die Zahlen der Neuinfektionen mit Covid-19 im Südwesten wieder steigen. Experten wie der SPD-Politiker Karl Lauterbach, der in einer Talkrunde am Mittwochabend von Boris Palmer provoziert wurde, warnen bereits vor einer zweiten Welle.

Um einer erneuten Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg entgegenzuwirken, startete Oberbürgermeister Boris Palmer in Tübingen bereits vor Wochen eine Initiative mit Massen-Antikörpertests in der Bevölkerung. Wie viele Gemeinden und Städte kämpft auch Tübingen mit dem Problem, dass die Bereitschaft, sich an die Schutzmaßnahmen gegen Covid-19 zu halten, bei vielen Menschen sinkt. Das betrifft in erster Linie die Abstandsregeln sowie die immer noch gültige Maskenpflicht. An einigen Badeseen wie etwa am Breitenauer See herrschte bei sommerlichen Temperaturen in den vergangenen Wochen immer wieder Chaos aufgrund zu vieler Menschen.

Österberg in Tübingen: Treffpunkt von Jugendlichen bereitet Boris Palmer Sorge

Jugendliche im Nachtleben. (Symbolbild)

In Städten sind es vor allem öffentliche Plätze, die von zahlreichen Menschen aufgesucht werden. Am Marienplatz in Stuttgart treffen sich beispielsweise vor allem am Wochenende viele Gruppen von Menschen, von denen sich viele nicht an die Hygienemaßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg halten. In Tübingen lässt sich dieser Tage Ähnliches beobachten. Vor allem Jugendlichen beziehungsweise Minderjährigen fehlt ein Ausgeh-Angebot, weshalb insbesondere freitag- und samstagabends Hunderte auf dem Österberg zusammenkommen, um zu feiern. Nicht selten artet dies in Alkoholexzessen aus. Lärm, Müll und Aggression stellen ebenfalls ein Problem dar.

„Es ist sehr stark zu bemerken, dass junge Leute aus einem großen Umkreis in die Stadt kommen und fast jeden Sommerabend Wiesen und zentrale Parks stark in Anspruch nehmen“, berichtet auch Boris Palmer, Oberbürgermeister von Tübingen, in einer Talkrunde in der ARD. Das führt in der Universitätsstadt zu Schwierigkeiten in Bezug auf die Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg.

Auf die Frage der Moderatorin, wie es sich in Bussen mit der Maskenpflicht zum Schutz vor dem Coronavirus in Baden-Württemberg verhält und ob es aufgrund dessen schon zu Gewaltanwendungen kam, antwortet Boris Palmer: „Von Prügeleien weiß ich nichts, aber Auseinandersetzungen gibt es schon – vor allem abends, wenn das Partyvolk kommt. Deswegen haben wir jetzt auf besonders wichtigen Buslinien in dieser Zeit auch Sicherheitsdienste eingesetzt“.

Oberbürgermeister Boris Palmer: Prüfung von Alkoholkonsum- und Betretungsverboten für manche Stadtbereiche

In einer Mitteilung der Stadt Tübingen wurden nun weitere Maßnahmen zum Schutz vor einer erneuten Ausbreitung des Coronavirus in Baden-Württemberg angekündigt. So seien ab sofort in den Nächten auf Freitag, Samstag und Sonntag doppelt so viele Sicherheitskräfte im Einsatz wie bisher, um die Feiernden auf die geltenden Abstandsregelungen hinzuweisen. Auf dem Österberg, wo sich vor allem Jugendliche treffen, würden zudem Mitarbeiter der mobilen Jugendarbeit unterwegs sein.

Das sommerliche Nachtleben mit großen Menschenmengen auf dem Holzmarkt und auf dem Österberg macht uns Sorgen. Im Falle einer zweiten Welle müssen wir kurzfristig eingreifen können, um Massenansteckungen zu vermeiden. Deshalb prüfen wir jetzt, welche Maßnahmen rechtlich möglich sind.

Boris Palmer, Oberbürgermeister von Tübingen, in einer Pressemitteilung

Entschieden wird noch in Abhängigkeit zu den Zahlen von Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg, ob der Kommunale Ordnungsdienst zukünftig die Personalien von Gruppen mit mehr als fünf Personen aufnehmen darf. „Ich gehe davon aus, dass wir an zentralen Treffpunkten [...] ebenso Personalien erfassen können, wie es die Verordnung für einen Restaurantbesuch vorsieht“, erklärt Oberbürgermeister Boris Palmer in der Mitteilung der Stadt Tübingen. „Auf diese Weise werden im Falle einer Ansteckung Infektionsketten leichter nachvollziehbar“.

Zu guter Letzt werden laut Mitteilung Alkoholkonsum- und Betretungsverbote für bestimmte Bereiche der Altstadt in Tübingen geprüft. „Sollte es tatsächlich eine zweite Welle geben, kommt es ganz entscheidend darauf an, dass man von Anfang an dazwischen geht“, erläutert Boris Palmer die Vorgehensweise und betont: „Die Einschränkungen, die jetzt zur Diskussion stehen, haben das Ziel, andere Freiheiten im Bereich der Kitas und Schulen sowie im Einzelhandel und in der Gastronomie zu erhalten“. Aktuell bringen gibt es einige Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württenberg, weil Urlauber sich auf Reisen mit Covid-19 anstecken.

Universitätsstadt Tübingen: Forschung nach Impfstoff wegen Coronavirus in Baden-Württemberg

In Bezug auf das Coronavirus in Baden-Württemberg gibt es aus Tübingen jedoch auch immer wieder gute Nachrichten. In der Universitätsstadt wird derzeit unter Hochdruck an einem Impfstoff für Covid-19 geforscht. Ein Tübinger Immunologe entwickelte beispielsweise potentiellen Corona-Impfstoff, den er an sich selbst testete. Die Firma Curevac aus Tübingen veröffentlichte unlängst zudem erste Daten eines Impfstoff-Projekts veröffentlicht und teilte erste Erfolge mit.

Rubriklistenbild: © David Ebener/dpa

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