OB-Wahl 2022

Tübingen: Kampfansage an Boris Palmer - diese Frau will Bürgermeisterin werden

Die Lokalpolitikerin Ulrike Baumgärtner (Bündnis 90/Die Grünen) steht im Ortsteil Weilheim bei Tübingen auf einer Grünfläche.
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Grünen-Politikerin Ulrike Baumgärtner will im kommenden Jahr bei der Oberbürgermeisterwahl in Tübingen antreten.
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
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Im kommenden Jahr findet in Tübingen die Oberbürgermeisterwahl statt. Dabei bekommt der Amtsinhaber Boris Palmer Konkurrenz aus den eigenen Reihen.

Tübingen - Die Stadt Tübingen liegt rund 30 Kilometer südlich von der Landeshauptstadt Stuttgart am Neckar und ist vor allem für die bekannte Eberhard Karls Universität, die malerische Innenstadt und ihre Lage zwischen Klein- und Großstadt bekannt. Und für ihren polarisierenden Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne), der sich nicht selten in die Politik des ganzen Landes einmischt. Kürzlich tobte in Tübingen etwa ein Streit zwischen dem OB und Autofahrern, da er die Parkgebühren in der Stadt deutlich erhöhen wollte. Zudem sorgte der Grünen-Politiker in diesem Jahr bereits mit einem heiklen Kommentar für Aufregung. Aufgrund einer rassistischen Äußerung gegenüber Fußballspieler Dennis Aogo wollten die Grünen Palmer sogar aus der Partei werfen.

Im kommenden Jahr 2022 findet in Tübingen die Oberbürgermeisterwahl statt. Die Grünen suchten zuletzt nach einer Alternative für Amtsinhaber Boris Palmer, die nun gefunden zu sein scheint. Vor wenigen Tagen entschieden die Grünen in Tübingen, über eine Urwahl abstimmen zu wollen. Nun bekommt der Amtsinhaber möglicherweise Konkurrenz von Ulrike Baumgärtner, der bisherigen Ortsvorsteherin des Tübinger Stadtteils Weilheim, wie die Deutsche Presseagentur (dpa) berichtet. Boris Palmer selbst hat noch nicht über eine erneute Kandidatur entschieden.

OB-Wahl in Tübingen: Konkurrentin für Palmer mit klarem Statement - „Politik geht auch anders“

Ob Ulrike Baumgärtner und Boris Palmer bei der Oberbürgermeisterwahl in Tübingen wirklich Konkurrenten sein werden, wird sich erst im April endgültig klären. Dann sollen die Mitglieder des Stadtverbands darüber entscheiden, wer für die Partei in der Universitätsstadt antreten wird. Bei den beiden vorherigen Wahlen war der derzeitige Amtsinhaber der einzige Kandidat der Partei. „Ich kenne aus eigener Tätigkeit die Abläufe in Verwaltungen und habe Erfahrung im Führen und Zusammenführen von Menschen“, sagte Baumgärtner laut der dpa am Samstag.

Die bisherige Ortsvorsteherin von Weilheim und der OB von Tübingen kennen sich bereits seit langem. Baumgärtner war zwischen Studium und Promotion persönliche Mitarbeiterin von Boris Palmer, als dieser Landtagsabgeordneter war. In ihrem Bewerbungsschreiben für den Posten der Rathauschefin spricht sie sich für ein „möglichst parteiübergreifendes Bündnis“ aus, mit dem sie „ein neues Kapitel sozial-ökologischer Kommunalpolitik in Tübingen“ aufschlagen will. Zudem erlaubte sie sich einen Seitenhieb auf den amtierenden OB, ohne dessen Namen zu nennen. „Ich bin davon überzeugt. Politik geht auch anders“, schrieb Baumgärtner.

Tübingen: Amtierender OB polarisiert - Konkurrentin setzt andere Ziele

Obwohl sich Boris Palmer als Oberbürgermeister für die Universitätsstadt in Baden-Württemberg einsetzte und mitunter auch Akzente setzte, stehen die Grünen dem polarisierenden Politiker kritisch gegenüber. Im zweiten Corona-Lockdown startete Tübingen beispielsweise ein Modell-Projekt, das zum Vorbild vieler anderer Städte wurde. Daneben fiel Palmer jedoch immer wieder mit Sprüchen und Meinungen auf, die er auch in zahlreichen Talkshows zum Besten gab. Die mögliche Konkurrentin Baumgärtner will dagegen einen gänzlich anderen Weg gehen.

Als Ortsvorsteherin des Tübinger Stadtteils Weilheim sieht Ulrike Baumgärtner ihre Aufgabe darin, „den Laden zusammenzuhalten und Brücken zu bauen.“ Das will die Grünen-Politikerin auch im Falle einer Kandidatur und eines möglichen Gewinns beibehalten. Ganz wichtig sei ihr auch, keine Einzelaktionen zu fahren, nicht zu polarisieren, sich nicht zu inszenieren, macht sie deutlich. „Das ist mein Markenkern und mein Angebot.“ Ihr persönliches Lebensmotto ist dagegen deutlich bescheidener. „So einzuschlafen, dass ich, wenn ich am nächsten Tag nicht mehr aufwachen sollte, nichts versäumt habe“, sagte Baumgärtner der dpa.

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