Boris Palmer mit Knallhart-Ansage

Tübingens OB fordert Lockdown-Ende: „Wir müssen leben!“ - und er hat auch einen Plan dafür

  • vonIsabel Ruf
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Lockdown-Verlängerung – und dann? Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer hat mit einer knallharten Ansage ein Lockdown-Ende gefordert – und schlägt andere Maßnahmen im Kampf gegen Corona vor.

Seit November steckt Deutschland im Lockdown, im Dezember wurde er zunächst verschärft. Seit Ende Dezember wird jetzt deutschlandweit geimpft, am 22. Januar gehen in Baden-Württemberg die Kreisimpfzentren an den Start*, wie echo24.de* berichtet. Doch statt Besserung wurden die Lockdown-Regeln noch einmal verlängert*, die Maßnahmen ab dem 11. Januar sogar noch verschärft – vorerst bis zum 31. Januar. Aber wie geht es dann weiter? Viele fürchten bereits die nächste Lockdown-Verlängerung. Wann ist endlich Besserung in Sicht?

Tübingens OB Palmer fordert Lockdown-Ende im Februar: „Wir müssen auch leben!“

In der Diskussion um das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie hat Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer jetzt ein deutliches Statement abgegeben. Im Bild-Talk „Die richtigen Fragen“ forderte Palmer ein Ende des Lockdowns. Eine Sieben-Tage-Inzidenz von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche sei im Winter nicht zu erreichen. Diese Zielmarke würde seiner Meinung nach noch harte Maßnahmen über Monate bedeuten: „Lockdown durchhalten, bis das Frühjahr uns rettet“ – das sei nicht machbar.

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer ist davon überzeugt, dass die Schäden an Gesellschaft und Wirtschaft exponentiell steigen. „Der Innenstadthandel ist schon auf der Intensivstation, der fällt bald ins Koma. Die Insolvenzen werden anrollen“, warnt er. „Ich meine, wir halten das nicht durch und ich halte es auch für falsch!“ Palmer fordert stattdessen ein Ende der strikten Corona-Maßnahmen und kontrollierte Lockerungen des Lockdowns im Februar. „Schärfer als es jetzt ist, geht nicht mehr. Wir können uns einfach nicht mehr abverlangen“, wurde der Grünen-Politiker deutlich. „Wir können nicht schärfer, es reicht jetzt! [...] Wir müssen auch leben!“

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer fordert ein Ende der Lockdown-Maßnahmen im Februar.

Tübingens Oberbürgermeister Palmer kritisiert harte Lockdown-Maßnahmen

Baden-Württemberg hat die beim Corona-Gipfel von Bund und Ländern* besprochenen Regeln weitgehend umgesetzt, allerdings seinen Spielraum genutzt und auch wichtige Ausnahmen gemacht. So gilt im Südwesten der 15-Kilometer-Bewergungsradius für Corona-Hotspots* nicht und auch für Familien mit Kindern gibt es Ausnahmen*. Diese werden bei den härteren Kontaktbeschränkungen – private Treffen sind nur noch mit einer Person, die nicht zum eigenen Haushalt gehört, möglich – ausgenommen. Außerdem kann eine Familie mit einer anderen Familie eine feste Betreuungsgemeinschaft bilden. Stattdessen hat Ministerpräsident Winfried Kretschmann härtere Regeln für Schnee-Gebiete angekündigt*.

Die Lockdown-Ausnahmen, die Baden-Württemberg beschlossen hat, begrüßt Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer explizit. Gerade der eingeschränkte Bewegungsradius oder die harten Regeln für Familien, die in anderen Bundesländern gelten würden, führten dazu, die Akzeptanz der Menschen zu verlieren. „Wenn einer alleinerziehenden Mutter verboten wird, ihre Eltern zu treffen, hört es bei den Leuten einfach auf“, sagt Palmer. Härtere Maßnahmen könnte man Familien nicht zumuten, eher der Wirtschaft, „weil viele das Homeoffice nicht nutzen, obwohl sie es könnten. Da frag ich mich schon, warum man da so zurückhaltend bleibt“, kritisierte der Oberbürgermeister in Richtung der Unternehmen.

Tübingens OB Palmer mit klarer Ansage: DAS ist das eigentliche Problem

Boris Palmer sieht das Problem in der Corona-Krise vor allem bei den Behörden und der Nachverfolgung der Kontaktketten. „Ich sage Ihnen klipp und klar, die funktioniert so oder so nicht. Unser Problem sind nicht die Fallzahlen, sondern die Geschwindigkeit. Unsere Prozesse sind mittelalterlich, wir machen das mit Telefon, Fax und Gedächtniserforschung. [...] Das Virus ist immer schon weg, bevor wir es gefunden haben“, meint der Oberbürgermeister aus Baden-Württemberg und fordert „effiziente Kontaktverfolgung mit Hightech“.

Und wie sollte die Corona-Pandemie nach Meinung von Boris Palmer bekämpft werden? „Das Risiko sitzt ganz massiv bei den Über-65-Jährigen. Dass wir es nicht schaffen, uns auf die zu konzentrieren, ist das eigentliche Problem“, erklärt der Grünen-Politiker. Tübingen hatte viel Lob für seine Anti-Corona-Strategie erhalten, schützte früh vor allem Altenheime. Bereits im September waren dort laut dpa regelmäßige Corona-Tests für das Personal in Pflege- und Altenheimen eingeführt worden. Zuletzt gab es aber auch Rückschläge: Im Dezember wurden in drei Pflegeheimen Corona-Infektionen erfasst. *echo24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © Tom Weller/dpa/Archivbild

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