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Boris Palmer schießt gegen geforderte Umbenennung der Uni Tübingen

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Von: Nadja Pohr

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Universität Tübingen und Boris Palmer
Die Umbenennung der Universität Tübingen sei aus Sicht der Juso-Hochschulgruppe dringend notwendig. Laut ihnen war Gründer Eberhard im Bart ein überzeugter Antisemit. Oberbürgermeister Boris Palmer sieht das anders. © Fotomontage BW24/Edith Geuppert/dpa/IMAGO/ULMER

Die Juso-Hochschulgruppe fordert die Umbenennung der Universität Tübingen aufgrund ihrer Entstehungsgeschichte. Boris Palmer ist klar dagegen.

Tübingen - Die Universität Tübingen zählt zu den ältesten Universitäten in Europa. Im Jahr 1477 wurde sie durch den Grafen Eberhard im Bart gegründet. Ihm zu Ehren wurde sie nach Eberhard sowie nach dem ersten württembergischen Herzog Karl Eugen benannt und trägt seither den Namen Eberhard Karls Universität Tübingen.

Über die Vergangenheit der beiden Namensgeber hat man sich in Tübingen über viele Jahre keine Gedanken gemacht. Die Juso-Hochschulgruppe legte im Juni 2020 jedoch erstmals Protest ein und forderte eine Umbenennung der Uni. Der Grund: Graf Eberhard im Bart war ein überzeugter Antisemit. Im Antrag der Hochschulgruppe heißt es, er habe die Gründung der Universität erst zugelassen, nachdem die Bürger sich dafür erklärt hatten, alle Juden aus der Stadt zu vertreiben.

Boris Palmer ist gegen Umbenennung der Uni Tübingen: „Irgendeine Verfehlung wird man bei jedem finden“

Die Umbenennung der Universität in Baden-Württemberg sei aus Sicht der Juso-Hochschulgruppe dringend notwendig. Sie wollen mit ihrer Forderung einen verantwortungsvollen und kritischen Umgang mit der Geschichte der Uni anstoßen. Außerdem wolle man sich nicht mit „Antisemiten und Menschenhassern identifizieren“. Die Idee stößt nun jedoch beim Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer auf Kritik.

Auf Facebook positioniert sich der Lokalpolitiker klar gegen den Vorschlag der Jusos. „Die Forderung danach entspringt erkennbar der Woken Cancel Culture“, schreibt Palmer. Auch er selbst sieht sich unter anderem durch seinen Parteiausschluss als Opfer der Cancle Culture an. In seiner weiteren Argumentation listet er Fakten aus einem Gutachten der Historikerkommission auf.

„Die Belege für Eberhards Judenfeindschaft sind im Kontext der Zeit keineswegs drastisch“, findet der OB. „So hatte er ein ganz konkretes und nachvollziehbares Motiv für die Festlegung, keine Schutzjuden mehr in Tübingen zuzulassen.“ Man müsse bedenken, dass es ohne Graf Eberhard keine Universität geben würde und Tübingen dadurch heute eine relativ unbedeutende Mittelstadt im Schatten Stuttgarts sein würde. Palmers Fazit: „Wenn also die Universität Tübingen den Namen ihres Gründers nicht mehr führen soll, dann müssten alle alten deutschen Universitäten die Namen ihrer Gründer ablegen [...] Irgendeine Verfehlung wird man bei jedem finden.“

Uni Tübingen: Geforderte Namensänderung löst Debatte aus

Unter dem Beitrag von Boris Palmer wird über die geforderte Namensänderung der Uni Tübingen stark diskutiert. „Ich finde das Umbenennen sehr befremdlich. Denn es hat Jahre nicht gestört und hat auch nicht geschadet. Wir haben unsere Vergangenheit und sollten nicht alles, was damit zu tun hat, löschen“, schreibt eine Userin dazu. „So absurd finde ich den Antrag nun auch nicht“, kommentiert eine andere Nutzerin. „Manchmal nimmt diese Geschichtsauslöschung schon groteske Züge an“, so die Auffassung eines anderen.

Palmer selbst gibt in seinem Post zudem an, dass er wisse, wie sich Antisemitismus anfühle und man dagegen vorgehen müsse. Es sei jedoch „kein Beitrag zur Bekämpfung des Antisemitismus, Eberhards Namen zu tilgen oder die Rathausfassade im nächsten Schritt zu übermalen“. Bereits häufiger sind in Deutschland Straßen oder Sachen aufgrund antisemitischer Hintergründe oder Bezüge zur Zeit des Nationalsozialismus geändert worden. Kürzlich wurde unter anderem auch das Buchstabieralphabet geändert, da es Nazi-Bezüge beinhaltete.

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