Umwelthilfe wehrt sich

McDonald‘s verklagt Tübingen: Plan der Stadt wäre für Fastfood-Filiale verheerend

Blick auf die Innenstadt in Tübingen.
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Tübingen will sein Müllproblem angehen, eine Filiale von McDonald‘s hat dagegen geklagt.
  • Valentin Betz
    VonValentin Betz
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Tübingen wird vom grünen Oberbürgermeister Boris Palmer regiert. Entsprechend steht Umweltschutz weit oben auf der Agenda. Eine Filiale von McDonald‘s klagt nun gegen eine Maßnahme.

Tübingen - Tübingen ist mit der idyllischen Lage am Neckar und der Universität eine der Sehenswürdigkeiten in Baden-Württemberg. Die Kleinstadt fällt aber auch mit vielen Fahrradfahrern, Grünflächen und durch ihre Sauberkeit auf. Das ist mitunter auch dem Grünen-Politiker und Oberbürgermeister Boris Palmer zu verdanken.

Doch nicht alles, was der Chef des Tübinger Rathauses beschließt und von sich gibt, findet auch Anklang. Besonders seine Äußerungen zu Migration und der Corona-Pandemie polarisieren. Zuletzt eskalierte in Tübingen der Streit zwischen OB Palmer und Autofahrern. Angestoßen wurde deren Debatte vom Beschluss zahlreicher Städte in Baden-Württemberg, Parkgebühren zu erhöhen. Das sollte auch in Tübingen umgesetzt werden. Der Plan von OB Palmer, SUV-Fahrer dabei radikal abzukassieren, wurde aber vorerst gestoppt.

Jetzt steht Tübingen erneut im Zentrum eines Streits um ein Umweltthema. Wie der SWR berichtet, geht es dabei um eine bundesweit einmalige kommunale Steuer auf Einwegverpackungen. Oberbürgermeister Boris Palmer steht dieses Mal aber nicht im Mittelpunkt. Vielmehr streiten sich die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und eine Filiale von McDonald‘s.

McDonald‘s verklagt Tübingen: Streit um Einwegverpackungen eskaliert

Die Stadt Tübingen geht schon länger gegen diverse Umweltprobleme vor. Auch das Problem der Einwegverpackungen wird schon seit geraumer Zeit adressiert. 20 Geschäfte in Tübingen beteiligen sich an der Aktion „tü go - besser bechern“. Sie bieten Mehrweg- statt Einweg-Trinkbecher an.

Mit der kommunalen Steuer auf Einwegverpackungen wollte die Stadt Tübingen den Müll weiter reduzieren. Dabei hatte das Rathaus um Oberbürgermeister Boris Palmer die Rechnung aber offenbar ohne eine Franchise-Nehmerin von McDonald‘s gemacht. Die Frau betreibt eines der Fastfood-Restaurants und klagte wegen der geplanten Steuer. Sie bezeichnete das Werkzeug gegen Einwegmüll als „unverhältnismäßig“ und im Sinne eines modernen Umweltschutzes „nicht zielführend“, so der SWR.

Gegen die Klage von McDonald‘s wehrt sich nun wiederum die Deutsche Umwelthilfe. Sie hatte im Rahmen der Aktion „Plastikfreie Städte“ bei 130 Städten und Landkreisen Anträge zur Vermeidung von Einweg-Plastikmüll gestellt.

Klage von McDonald‘s: Umwelthilfe startet Petition

Die DUH wehrt sich deshalb mit einer Petition gegen McDonald‘s und die Franchise-Nehmerin in Tübingen. Damit will die Organisation verhindern, dass andere Städte mit dem Vorhaben, Einwegverpackungen zu reduzieren, abgeschreckt werden. Deshalb hält die Umwelthilfe einen Preis von 20 Cent für Einweg-Besteck und 50 Cent für Einweg-Essensboxen für „eine der effektivsten Maßnahmen gegen die Müllflut“, heißt es beim SWR.

Der Fastfoodkette McDonald‘s wirf die DUH vor, Umwelt- und Klimaschutz mit der Klage gegen die Stadt Tübingen auszubremsen, „statt seine jährlich über 51.000 Tonnen Verpackungsmüll deutlich zu reduzieren.“ Entsprechend verlangt die Organisation, dass McDonald‘s die Klage zurückzieht und auf Mehrweg-Alternativen bei seinen Verpackungen umstellt.

McDonald‘s selbst stört sich offenbar nur daran, dass die Stadt Tübingen bei ihrer Steuer einen Alleingang macht. „Es kann nicht für jede der über 10.000 Städte und Gemeinden in Deutschland lokale Insellösungen und Sonderwege geben“, erklärte der Konzern laut SWR. Auch McDonald‘s fordere bundeseinheitliche Regelungen für den Kampf gegen Plastikmüll, heißt es.

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