Touristenandrang zu groß

Tübingen stoppt Shopping-Touristen: keine Coronatests mehr für Auswärtige

Menschen sitzen auf einer Mauer in Tübingen.
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In Tübingen können Menschen in der Stadt kostenlose Corona-Tests machen - Auswärtige sollen aber vorübergehend fern bleiben.
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
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  • Valentin Betz
    Valentin Betz
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Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer zieht wegen eines erhöhten Besucheransturms die Reißleine. Auswärtige erhalten nun erstmal keine Tests mehr.

Update vom 31. März, 16:21 Uhr: Das Tübinger Modellprojekt steht zunehmend unter Druck. Weil die Zahl der Neuinfektionen im Landkreis aktuell steigt, erhält Oberbürgermeister Boris Palmer sogar Morddrohungen. Die Kritik am Modell wird immer lauter - nun zieht die Stadt Konsequenzen. Weil Touristen Tübingen nur so überrennen, sieht sich Palmer gezwungen, einzuschreiten. Wie die Stadt in einer Pressemitteilung bekannt gibt, sind bereits ab Donnerstag, 1. April, keine Tagestickets mehr für auswärtige Gäste verfügbar. Damit ist Shopping in Tübingen für Touristen nicht mehr möglich. Die Regelung gilt zunächst bis Ostermontag, 5. April.

„Es kommen momentan einfach zu viele Personen von auswärts in die Stadt“, so Palmer. Dadurch verliere der Modellversuch an Aussagekraft. „Wir möchten mit dem Modellversuch zeigen, wie sich häufiges Testen auswirkt. Zu viele auswärtige Gäste zerstören das Tübinger Infektionsgeschehen und damit den Versuch.“ Der OB bittet für diese Entscheidung um Verständnis. „Der Modellversuch richtet sich in erster Linie an die Bewohner der Stadt und des Landkreises Tübingen.“ Alle anderen bitte er, ihren Besuch auf den Sommer zu verschieben.

Inzidenz in Tübingen steigt immer weiter - Palmer postet auf Facebook Eindrücke der vergangenen Tage

Zuletzt lag die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis Tübingen bei 110,2 (Stand 31. März). „Aber auch wenn Tübingen im Gesamtvergleich noch unterdurchschnittliche Werte hat, ist die aktuelle Entwicklung kritisch zu sehen“, hieß es dazu aus dem Gesundheitsministerium in der Landeshauptstadt Stuttgart. Im Durchschnitt liegt die Inzidenz in ganz Baden-Württemberg vergleichsweise bei 125,7.

Der Modellversuch läuft offiziell noch bis zum 18. April. Wegen der steigenden Inzidenzen könnte dem Projekt jedoch der Abbruch drohen. Auf seinem Facebook-Kanal veröffentlichte Boris Palmer deshalb nochmal ein Foto, das zeigt, wie überlaufen Tübingen derzeit ist - „zur Erklärung, warum es ab morgen nur noch Tickets für Tübinger gibt.“

Update vom 26. März, 14:04 Uhr: Aus Angst vor Shoppingtouristen begrenzt die Stadt Tübingen die Zahl der kostenlosen Corona-Tests für Auswärtige. Wie die Stadt ankündigte, liege die Inzidenz in Tübingen 16 Tage nach der Wiederöffnung der Geschäfte bei 30. Im Streit mit Karl Lauterbach hatte Oberbürgermeister Boris Palmer bereits darauf verwiesen, dass es sich hier um die Inzidenz in der Stadt selbst und nicht im ganzen Landkreis handle. Weil er die guten Werte bei der Inzidenz in der Universitätsstadt nicht gefährden will, beschloss Palmer, gemeinsam mit der Pandemiebeauftragten Lisa Federle, die Zahl der „Tübinger Tagestickets“ für auswärtige Gäste zu begrenzen.

Konkret bedeutet das: Am Samstag, 27. März, wird die Zahl der Corona-Schnelltests für Auswärtige auf maximal 3.000 begrenzt. Besucher aus anderen Landkreisen erhalten ausschließlich an den folgenden drei Stationen in der Stadt die Möglichkeit, sich testen zu lassen:

  • Kelternplatz
  • Bürger- und Verkehrsverein an der Neckarbrücke
  • Europaplatz/Post

An den übrigen sechs Schnellteststationen erhalten nur Bewohner aus dem Landkreis Tübingen oder Menschen, die in Tübingen arbeiten, ein Tagesticket. Ein entsprechender Nachweis muss vorgelegt werden. „Unser Modellvorhaben soll klären, ob es möglich ist, das normale Stadtleben wiederzugewinnen“, sagt Oberbürgermeister Boris Palmer. „So groß die Sehnsucht danach ist, können wir doch als kleine Stadt diese nicht für halb Süddeutschland stillen. Daher müssen wir einen Großteil der Tagestickets am Samstag für die Menschen reservieren, die hier leben und arbeiten.“

Auch Notärztin Lisa Federle plädierte für eine Beschränkung des Besucherstroms: „Der Versuch ist nur erfolgreich, wenn die Inzidenzen niedrig bleiben. Eine überfüllte Stadt können wir uns nicht erlauben. Wir müssen unsere Stadt beschützen.“ Während am Samstag die Besucherzahl beschränkt wird, gilt die Begrenzung der Ticketzahl jedoch nicht von Montag bis Gründonnerstag. Das heißt, Auswärtige erhalten dann wieder Zutritt zu allen Teststationen. Um die Wartezeit vor den Läden zu verringern, führte Tübingen erst kürzlich ein Armband mit QR-Code für Corona-Getestete ein.

Erstmeldung vom 22. März: Tübingen - Die Maßnahmen gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg sind seit Beginn der Pandemie heftig umstritten. Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer schaltete sich wiederholt in die Diskussion bezüglich der idealen Herangehensweise ein.

Zuletzt verfolgte Tübingen beim Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg seinen eigenen Weg. So erlaubte Oberbürgermeister Boris Palmer das Shoppen in Tübingen für Einkaufstouristen - aber nur mit negativem Coronatest. Dieses Modell weitete die Stadt auch auf andere Bereiche aus. Erst vergangene Woche verhängte Tübingen eine Corona-Testpflicht neben dem Shoppen auch für Friseur- und Restaurantbesuche.

Doch die kostenlosen Tests für mehr Normalität trotz des Coronavirus in Baden-Württemberg sieht Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer keineswegs als Selbstverständlichkeit. Auswärtigen Besuchern der Stadt und Shopping-Touristen zeigte er jetzt die Grenzen seiner Strategie auf.

Shopping-Touristen trotz Coronavirus in Baden-Württemberg: Tübingen will Teststrategie notfalls einschränken

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer hat seit Beginn der Corona-Pandemie auch die Lage der Wirtschaft im Blick. So forderte er kürzlich Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann dazu auf, die Regeln für verkaufsoffene Sonntage zu lockern. Hintergrund war, dass diese in Baden-Württemberg immer an besondere Veranstaltungen geknüpft sein müssen - was der Sicherheit angesichts einer Pandemie allerdings entgegenstehe, so Boris Palmer.

Das kürzlich gestartete Test-Modell Tübingens hat laut Boris Palmer allerdings Grenzen. Zwar sind die kostenlosen Coronatests dazu gedacht, das Shoppen oder den Besuch in der Außengastronomie oder Kultureinrichtungen zu ermöglichen. Allerdings können momentan auch Besucher aus anderen Bundesländern nach Tübingen kommen, um sich einfach nur kostenlos testen zu lassen. Wenn das Überhand nehme, werde Tübingen laut Boris Palmer jedoch einschreiten. „Wir sind da reaktionsfähig, wenns nötig ist“, erklärte der Oberbürgermeister der Stadt gegenüber dem Deutschlandfunk.

Kostenlose Corona-Tests in Tübingen: Modell könnte auf Bewohner des Landkreises begrenzt werden

Sollten also zu viele Bewohner aus anderen Bundesländern nach Tübingen kommen, um sich einfach testen zu lassen ohne zu Shoppen oder Einrichtungen zu besuchen, werde er die Notbremse ziehen, so Boris Palmer - und die Strategie nur noch auf Personen aus dem eigenen Landkreis einschränken. „Das heißt, wir würden dann die Tests den auswärtigen Gästen nicht mehr zur Verfügung stellen, damit würden sie auch nicht an die Voraussetzungen kommen, um unsere Angebote zu nutzen“, so Boris Palmer zum Deutschlandfunk.

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