Biergarten, Theater und Co.

„Normalität spüren“: Touristen überrennen Tübingen - OB Palmer verhängt Obergrenzen

Zwei junge Männer sitzen in einem Biergarten in Tübingen direkt am Neckar.
+
Ungewöhnliches Bild in diesen Zeiten, in Tübingen aber Realität: Menschen sitzen in einem Biergarten am Neckar.
  • Sina Alonso Garcia
    vonSina Alonso Garcia
    schließen

Ein Flair wie vor Corona herrschte am Samstag bei Sonne satt in Tübingen. Da Oberbürgermeister Boris Palmer einen weiteren Ansturm erwartet, schränkt er die Besucherzahlen ab sofort jedoch ein.

Tübingen - Frühlingshafte Temperaturen lockten am Samstag zahlreiche Touristen nach Tübingen. Als bundesweit erste Stadt verhängte Tübingen eine Testpflicht für Außengastronomie, Shoppen und Co. - und ermöglicht so im Rahmen eines Modellprojekts viele neue Freiheiten. Bilder vom Samstag zeigen fröhliche Menschen, die in Biergärten und Cafés sitzen. Um in den Genuss zu kommen, nahmen viele Auswärtige eine weitere Reise sowie längere Wartezeiten für einen Corona-Test in Kauf.

„Die Normalität zu spüren war uns das wert“, sagte ein junges Paar laut der Deutschen Presseagentur (dpa). Eineinhalb Stunden hätten sie auf ihr Testergebnis gewartet. Trotz der Warnung, dass Auswärtige für die Tagestickets lange anstehen müssen, war sogar ein Ehepaar aus Mainz nach Tübingen gereist. „Man hört viel in den Medien über dieses Modell hier - da dachten wir, das probieren wir einfach mal aus“, sagte die Mainzerin Sylvia Lehmann dem SWR. „Mal was anderes erleben“ lautete ihre Devise. Ihr Ticket bekommen die Getesteten als Armband mit QR-Code.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Stadt Tübingen schränkt Zahl der Tagestickets für Besucher ein

Während alle, die in Tübingen leben oder arbeiten, uneingeschränkten Zugang zu den Teststationen haben, limitierte Tübingen die Coronatests für Shopping-Touristen. Die Auswärtigen konnten sich am Samstag lediglich an drei Standorten testen lassen, maximal 3.000 Tests waren für sie verfügbar. Tübinger hingegen haben sechs Stationen zur Auswahl. Mit dem zertifizierten „Tübinger Tagesticket“, das alle negativ auf Corona Getesten erhalten, wird neben dem Shoppen dann auch der Eintritt ins Museum oder ins Theater möglich.

Zunächst hatte Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) angekündigt, die Besucherzahlen für Touristen lediglich am Samstag zu beschränken. Da er den Besucheransturm jedoch für anders nicht mehr kontrollierbar hält, soll die Zahl der Gäste ab sofort täglich auf 3.000 eingeschränkt werden. Die Regelung gilt ab Montag, 29. März, bis Gründonnerstag sowie nach Ostern bis zum Ende des Modellversuchs. „Ich bitte alle, die nun eine weite Anfahrt auf sich nehmen würden, um das Flair unserer Stadt zu genießen, diesen Plan auf den Sommer zu verschieben“, so Palmer.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Stadt Tübingen verlängert Modellprojekt bis zum 18. April - andere Kommunen eifern nach

Vor dem Wochenende wurde das Modellprojekt zunächst bis zum 18. April verlängert. Aktuell sei die Positivrate der Schnelltests mit 1:1.000 sehr konstant, wie das Gesundheitsministerium verkündete. Seit mehreren Wochen liege die Inzidenz in der Universitätsstadt bei unter 35. Das Modell in Tübingen scheint auch für andere Kommunen im Südwesten äußerst attraktiv zu sein. So reichen immer mehr Städte ihre Bewerbung ein, um im Kampf gegen das Coronavirus in Baden-Württemberg eine Modellstadt zu werden: Calw, Ludwigsburg, Neckarsulm, Singen, Karlsruhe oder Böblingen haben bereits Interesse bekundet.

Die Idee der Kommunen, das Modell nach dem Vorbild von Tübingen auch in ihrer eigenen Stadt durchzusetzen, wird von einem Teil der Politik jedoch skeptisch betrachtet. So sprach sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dagegen aus - es sei „nicht der richtige Zeitpunkt“.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare