Der Umwelt zuliebe

Steuer auf Becher und Pizzakartons: Tübinger Wirte greifen zu Mehrweg - weil es zu teuer wird

Müll in der Tübinger Innenstadt.
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Mit einer Steuer auf Einwegverpackungen sollen unter Becher aus dem Tübingern Stadtbild verschwinden (Symbolbild).
  • Franziska Vystrcil
    VonFranziska Vystrcil
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Die Stadt Tübingen erhebt ab 2022 eine kommunale Steuer auf Einwegverpackungen. Erste Wirte steigen schon jetzt auf das Mehrwegsystem um.

Tübingen - Plastik und Einwegprodukte sind schädlich für die Umwelt. Vor allem durch Kaffeebecher zum Mitnehmen entstehen jedes Jahr tonnenweise Abfall. Denn Müllbergen will die grün regierte Stadt Tübingen künftig mit einer kommunalen Steuer auf Einwegverpackungen den Kampf ansagen - und ist damit die erste Stadt in Baden-Württemberg mit solch eine Steuer.

Auf Pizzakartons, Kaffeebecher und Nudelboxen sollen dann zusätzlich 50 Cent erhoben werden. 20 Geschäfte in Tübingen beteiligen sich schon jetzt an der Aktion „tü go - besser bechern“ und bieten Mehrweg- statt Einweg-Trinkbecher an. Jetzt folgen weitere Wirte dem Beispiel, ehe die neue Steuer in Kraft tritt.

Neue Steuer in Tübingen soll Geld einbringen: Müllleerungen kosten die Stadt 700.000 Euro im Jahr

Mit der Steuer will die Stadt nicht nur grüner werden, sondern auch Einnahmen generieren. „Beides ist gut, um Tübingen ökologisch voranzubringen“, so Oberbürgermeister Boris Palmer.

Er freut sich über die Unterstützung der Wirte. „Die neue Verordnung wirkt. Mehrere Gastronomen haben bei der Stadt Fördergeld zur Anschaffung von Mehrweg-Behältern beantragt“, sagt der Grünen-Politiker der Bild. Nach Angaben des Bürgermeisters werden in der Universitätsstadt jährlich bis zu 900.000 Kaffeebecher getrunken und anschließend entsorgt. Fast ebenso groß wie die Anzahl der Becher sind die Kosten, die durch die Wegwerfprodukte der Stadt entstehen: Die Kosten für die Leerungen der Abfalleimer schätzt Boris Palmer auf 700.000 Euro im Jahr.

In der Vergangenheit sorgte die neue Steuer jedoch auch für Ärger. Eine Filiale der Fastfood-Kette McDonald‘s verklagte Tübingen deswegen sogar. Eine Franchise-Nehmerin, welche die Filiale in Tübingen betreibt, bezeichnete das Werkzeug gegen Einwegmüll als unverhältnismäßig und klagte. Zu einer Einigung kam man noch nicht.

Tübingen: Kaffeebecher-Steuer sorgt auf Facebook für Diskussionen

Auf Facebook teilte Boris Palmer einen Bild-Artikel zur Kaffeebecher-Steuer. Der Beitrag rief heftige Reaktionen hervor, fast 700 Mal wurde er kommentiert. „Mich würde mal interessieren, wie das abgerechnet werden soll“, schreibt etwa ein Nutzer. Boris Palmers Antwort: Verpackungen, die der Händler einkauft, sollen besteuert werden. „Differenziert die Verpackungssteuer eigentlich zwischen nachhaltiger, recycelbarer, sogar partiell kompostierbarer Verpackung und „normaler“ Verpackung?“, will ein anderer wissen. Hier verneint der Oberbürgermeister. „Müll ist Müll“, lautet seine Erklärung.

Doch es gibt auch positive Stimmen zur Steuer. „Endlich kann die Stadt handeln“, freut sich eine Facebook-Userin. „Die Verpackungssteuer ist eine sehr wirksame Maßnahme“, schreibt sie weiter. In einem anderen Kommentar heißt es: „Finde ich völlig in Ordnung. Kein Mensch muss auf der Straße oder sonst wo Kaffee aus Plastikbechern trinken.“

Doch nicht jede Idee des Oberbürgermeisters findet Anklang. So wurde etwa der erste Entwurf für höhere Parkgebühren für SUVs abgelehnt. Der Ausschuss stoppte den Plan. Inzwischen sind die SUV-Parkgebühren in Tübingen aber Fakt: Man hat sich auf einen Kompromiss geeinigt. Anwohner sollen künftig 120 Euro pro Jahr für das Parken bezahlen. Für Autos mit Verbrennungsmotor, die mehr als 1.800 Kilogramm wiegen und für Elektroautos mit einem Gewicht von mehr als 2.000 Kilogramm werden 180 Euro fällig.

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