Auch für E-Autos

Tübingen: OB Palmer will SUV-Fahrer radikal abkassieren - Ausschuss stoppt den Plan

Collage: Tübingens OB Boris Palmer (rechts) und mehrere SUVs (links).
+
Ein Ausschuss blockiert die Idee von Tübingens OB Boris Palmer.
  • Julian Baumann
    VonJulian Baumann
    schließen

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer wollte die Parkgebühren für große Autos drastisch erhöhen. Ein Ausschuss kippt die Erhöhung nun allerdings - sehr zum Ärger des Oberbürgermeisters.

Update vom 23. Juli, 15.56 Uhr: Der Klimaschutzausschuss der Stadt Tübingen hat die geplante Erhöhung der Anwohner-Parkgebühren für größere Autos vorerst gekippt. Das fünfseitige Konzept wurde von den meisten Fraktionen mit der Begründung abgelehnt, dass die Gebühren zu hoch seien. Sie brachten stattdessen eigene Vorschläge ein.

Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer hatte zuvor die Idee vorgestellt, das Parken für Anwohner der Uni-Stadt drastisch zu verteuern, um den öffentlichen Nahverkehr attraktiver zu machen. Statt 30,70 Euro im Jahr sollten die Gebühren für große Fahrzeuge wie SUVs auf bis zu 360 Euro im Jahr steigen. Die meisten Fraktionen hielten maximal 120 Euro für angemessener.

Boris Palmer zeigte sich im Nachgang der Sitzung enttäuscht. Nun müssten die Einnahmen anderweitig erzielt werden: „Wenn die Bewohnerparkgebühren niedriger ausfallen, müssen durch Ausweitung der Gebührenzonen auf die ganze Kernstadt, höhere Gebühren für das Straßenparken und eine Nahverkehrsabgabe höhere Einnahmen generiert werden.“ Die Entscheidung über den Vorschlag ist vorerst auf September vertagt.

Erstmeldung vom 20. Juli: Die Landeshauptstadt Stuttgart kämpft bereits seit langem gegen die Abgase durch den dichten Verkehr in Stuttgart und errichtete sogenannte Filterwürfel an dicht befahrenen Straßen in der Stadt. Auch in der Universitätsstadt Tübingen soll der Klimaschutz weiter vorangetrieben werden. Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) will deshalb das Parken in der Innenstadt deutlich teurer machen, wie die Deutsche Presseagentur (dpa) berichtet. Vor allem Fahrer von großen Autos wie SUVs sollen zukünftig deutlich tiefer in die Taschen greifen müssen.

Wie wichtig der Klimaschutz ist, zeigten in den vergangenen Tagen auch die heftigen Unwetter in Deutschland. In Rheinland-Pfalz forderte das Hochwasser Opfer und auch Teile von Nordrhein-Westfalen waren von heftigen Überschwemmungen betroffen. Die Bundesländer sprachen sich bereits für eine strengere Klimapolitik aus, doch auch in Baden-Württemberg werden die Gesetze verschärft. Die Landesregierung beschloss im Juli, dass Städte im Südwesten deutlich höhere Parkgebühren verlangen dürfen.

Parken in Tübingen: SUV-Fahrer sollen am meisten drauf zahlen

Die schweren großen SUV, die auch von der Daimler AG und der Porsche AG gebaut werden, stehen oftmals aufgrund ihrer Abgaswerte in der Kritik. Daimler erhielt im vergangenen Jahr sogar einen Negativpreis für den absurdesten Monster-SUV des Jahres. Und Porsche will weiter die umstrittenen Modelle bauen, da Fahrzeuge wie der Cayenne bei Kunden sehr beliebt sind. Für Fahrer solcher „Stadtpanzer“ wird das Parken in Tübingen jedoch in Zukunft ganz besonders teuer werden. Das geht aus Unterlagen für die nächste Sitzung des Tübinger Ausschusses zur Fortschreibung des Klimaschutzprogramms am Donnerstag hervor, über die zunächst das Portal t-online.de berichtet hatte.

Demnach sollen Fahrer von großen Fahrzeugen zukünftig in Tübingen 360 Euro pro Jahr für das Anwohnerparken zahlen. Bislang lag der Satz dagegen bei 30 Euro. „Ich sehe uns da als Vorreiter“, sagte OB Boris Palmer der dpa. Der Rathauschef erhofft sich dadurch nicht nur mehr Geld für den Klimaschutz, sondern auch deutlich weniger Autos in Tübingen. „SUVs brauchen gerade in einer historischen Stadt wie Tübingen eher zwei als einen Parkplatz“, so Palmer.

Tübingen: Erhöhte Parkpreise auch für kleinere Wagen und E-Autos

In der Universitätsstadt Tübingen sollen zukünftig jedoch nicht nur die Fahrer von großen, schweren Autos tiefer in die Taschen greifen müssen. Für Autos von der Mittelklasse bis zum Minivan werden demnach 180 Euro pro Jahr fällig. Bezieher von Sozialleistungen sollen jedoch 50 Prozent Nachlass erhalten. Tübingen will mit dem so eingenommenen Geld die Infrastruktur ausbauen. „Wir wollen als Stadt bis 2030 klimaneutral sein“, sagte Boris Palmer gegenüber t-online.de. „Der Nahverkehr muss dafür massiv ausgebaut und deutlich günstiger werden.“

In der weltweiten Automobilindustrie legen die Hersteller ihren Fokus aktuell auf die E-Mobilität. Der batteriebetriebene Motor gilt als deutlich umweltfreundlicher als die altbewährten Verbrenner-Motoren. Die Daimler AG stellte vor einigen Wochen ihre E-Auto-Hoffnung EQS vor und Porsche erzielte einen Absatzrekord mit dem elektrischen Taycan. Fahrer von E-Autos müssen jedoch in Tübingen in Zukunft ebenfalls mehr Geld für das Anwohnerparken ausgeben, heißt es in der Beschlussvorlage. Die Gebühr soll 120 Euro im Jahr betragen.

Erhöhung der Parkpreise wie in Tübingen auch in anderen Städten in Baden-Württemberg

Die deutlich angehobenen Preise für das Anwohnerparken in Tübingen gelten zukünftig nicht nur für einzelne Stadtteile, sondern für die gesamte Kernstadt. Zugleich soll in der ganzen Stadt auch das Anwohnerparken kostenpflichtig werden, sagte OB Boris Palmer. Darüber solle jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt abgestimmt werden.

Durch den Beschluss der Landesregierung werden die Preise für das Anwohnerparken wohl auch in anderen Städten im Südwesten deutlich steigen, berichtet die dpa. In Freiburg ist eine entsprechende Vorlage bereits beschlossen worden, dort steigen die Preise wie in Tübingen von derzeit 30 Euro auf 360 Euro pro Jahr und Auto und auch die Stadt Reutlingen plant einen vergleichbaren Anstieg der Preise. Zudem sei eine solche Vereinbarung auch in Stuttgart, Karlsruhe und Ulm zuletzt diskutiert worden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare