„Jeder Bürger ist für sich selbst verantwortlich“

Trigema-Chef für harten Corona-Schritt: Alle Einschränkungen sollen fallen

Wolfgang Grupp, alleiniger Inhaber und Geschäftsführer des Textilunternehmens Trigema, steht mit einem Mund- und Nasenschutz, der einen Affen mit Maske zeigt, in seinem Unternehmen.
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Trigema-Chef Wolfgang Grupp sieht keine Notwendigkeit für Corona-Einschränkungen mehr.
  • Julian Baumann
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Das Coronavirus in Baden-Württemberg führt noch immer zu Einschränkungen, vor allem für Ungeimpfte. Der Trigema-Chef spricht sich für ein Ende der Maßnahmen aus.

Burladingen - Die Einschränkungen durch das Coronavirus in Baden-Württemberg sind inzwischen sehr überschaubar. Zumindest für diejenigen, die den sogenannten 3G-Nachweis (geimpft, genesen, negativ getestet) erbringen können. Für ungeimpfte Bürger werden die Einschränkungen dagegen deutlich strenger. Baden-Württemberg greift im Herbst zu harten Regeln, wenn die Kapazitäten der Intensivbetten weiter ausgeschöpft werden. Diese Maßnahme dient nicht nur dem Infektionsschutz, sondern hat laut einer Berechnung auch finanzielle Vorteile. Ungeimpfte auszuschließen sei günstiger als ein neuer Lockdown, sagen Wissenschaftler.

Obwohl die meisten Einschränkungen durch das Coronavirus in Baden-Württemberg inzwischen aufgehoben wurden, gilt beispielsweise auch für Geimpfte und Genesene noch die Maskenpflicht beim Einkaufen und im Nahverkehr. Zudem stellt die Kontrolle der 3G-Nachweise viele Betreiber vor große Verwaltungsherausforderungen. In anderen europäischen Ländern gelten dagegen überhaupt keine Corona-Beschränkungen mehr - so beispielsweise seit einiger Zeit in England und seit kurzem auch in Dänemark. Der Chef der baden-württembergischen Handelskette Trigema mit Sitz in Burladingen (Zollernalbkreis) forderte in einem Interview mit Focus Online ebenfalls die Abschaffung der Beschränkungen in Deutschland.

Corona-Einschränkungen: Trigema-Chef rechnet mit Regierung ab - „da brauchen wir nichts anzuordnen“

Im Südwesten steigen die Infektionen mit dem Coronavirus in Baden-Württemberg seit Juli wieder an. Besonders auffallend ist, dass sich vor allem Ungeimpfte mit dem Virus infizieren. Die Landeshauptstadt Stuttgart weist die Inzidenz bereits nach Geimpften und Ungeimpften aus. Wolfgang Grupp, Chef des Mischkonzerns Trigema, sprach sich im Interview für das Ende der Einschränkungen aus.

„Jeder Bürger ist für sich selbst verantwortlich, da brauchen wir nichts anzuordnen“, sagte er gegenüber Focus Online. Zugleich machte er jedoch deutlich, dass für Ungeimpfte weiterhin Beschränkungen gelten sollten. „Wer nicht geimpft ist, muss auch mit Einschränkungen rechnen“, so Grupp.

Trigema-Chef zur Corona-Politik - „Ich hätte das klarer kommuniziert“

Das Coronavirus in Baden-Württemberg hatte fatale Folgen für die Wirtschaft, weshalb die Regierung zu Maßnahmen wie Kurzarbeitergeld und Subventionen griff. Eine Einmischung der Regierung in die deutsche Wirtschaft könne er nachvollziehen, sagte Wolfgang Grupp, aber die Kurzarbeit sei auch ausgenutzt worden. „Es gab Firmen, die Aufträge hätten übernehmen können, aber die Mitarbeiter lieber in Kurzarbeit geschickt haben“, so der Trigema-Chef.

Auch dem Stuttgarter Autokonzern Daimler AG wurde ein solcher Vorwurf gemacht. Der Bezirksleiter der IG Metall Baden-Württemberg, Roman Zitzelsberger, glaubt, dass deutsche Autobauer wie Daimler die Pandemie ausnutzen, um Mitarbeitern die Löhne zu kürzen.

Für sein Mischunternehmen auf der Alb lehnt Grupp ein solches Vorgehen grundsätzlich ab. Insgesamt hält sich der Trigema-Chef mit seiner Meinung zur Corona-Politik nicht zurück. Dass Bürger, die sich weiterhin gegen eine Impfung entscheiden, mit strengen Einschränkungen rechnen müssen, hätte deutlicher kommuniziert werden müssen, sagte er Focus Online. „Als politischer Entscheidungsträger hätte ich das klarer kommuniziert.“

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