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Irrer „Gentleminions“-Trend auf TikTok: Jugendliche verwüsten Kinos

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Von: Sina Alonso Garcia

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Verwüstung am Filmpalast am ZKM Karlsruhe.
Eine einzige Verwüstung im Filmpalast am ZKM in Karlsruhe: Kino-Besucher hinterlassen nach dem neuen Film der „Minions“ eine Spur des Chaos. Auf TikTok wird der Trend als „Gentleminions“ bezeichnet. © Filmpalast am ZKM/TikTok

Es klingt völlig absurd, ist aber ein neuer TikTok-Trend: Jugendliche verabreden sich in Anzügen in Kinos, um den neuen Minion-Film anzuschauen. In Karlsruhe nahm der Trend nun zerstörerische Ausmaße an.

Karlsruhe - Wer in den vergangenen Tagen im Kino war, dürfte nicht schlecht gestaunt haben: Vielerorts verabreden sich dort aktuell Gruppen von Jugendlichen in Anzügen. Ihr Ziel: Den neuen „Minion“-Film abzufeiern und sich dabei zu filmen. Was als TikTok-Trend begann und erstmal ganz lustig klingt, nahm im Karlsruhe nun zerstörerische Ausmaße an: Die „Gentleminions“ hinterließen im Filmpalast am ZKM (Zentrum für Kunst und Medien) eine Schneise der Verwüstung.

„Gentleminions“: Video vom Filmpalast am ZKM Karlsruhe zeigt erschreckende Vermüllung von Kino

In einem Video auf TikTok zeigt der Kanal des Filmpalasts einen übel zugerichteten Kinosaal. Auf den Sitzen und dem Boden verteilt liegen Berge von Popcorn und leere Getränkeverpackungen. Mehr als 6,5 Millionen Nutzer haben das Video bereits gesehen (Stand: 18. Juli). „Damit ihr mal wisst, was die Gentleminions in den Kinos so anrichten“, schreiben die Betreiber. „Aus diesem Grund wurde der Film an vielen Standorten weltweit aus dem Programm genommen und Teenager in Anzügen erhalten keinen Zutritt mehr.“

„Die Reinigung kostet uns unglaublich viel Zeit und somit auch Geld“, so die Betreiber weiter. „Im Namen aller Kinos bitten wir euch deshalb um mehr Respekt.“ In der Kommentarspalte reagierten bereits zahlreiche Nutzer auf das Video. „Und ich fühle mich schlecht, wenn mir drei Popcorns runterfallen“, schreibt jemand. Andere finden: „Das geht wirklich zu weit!“ Außerdem ist zu lesen: „Man kann diesen Trend ja machen, aber trotzdem respektvoll sein.“

Mitarbeiter von Karlsruher ZKM schildert Vorfälle: „Es war nicht mehr normal“

„Anfang Juli haben sich die Leute noch echt gut benommen“, sagt Marcel Malachowski, Theaterleiterassistent beim Filmpalast am ZKM, im Gespräch mit BuzzFeed News Deutschland. Deswegen hätte das Kino den Gentleminions-Trend zu Beginn sogar promotet. „Wir stehen in Karlsruhe ja auch dafür, dass wir die Minions lieben“, so Malachowski. Am Donnerstag vergangene Woche sei die Stimmung dann gekippt. „Es war nicht mehr normal: Die Gentleminions haben ihr Handy eingeschaltet, gefilmt, herumgeschrien und einfach gestört. Die Verschmutzung kam eigentlich nur noch dazu: Da wurden Getränke ausgeschüttet, Popcorn auf dem Boden verteilt - ja sogar Becher wurden an die Leinwand geworfen.“ Die Zerstörungswut sei inzwischen auch ein finanzielles Problem - eine Leinwand koste schließlich viel Geld.

Angefangen hat der Gentleminion-Trend in Australien. Die Idee: Den Minion-Film zu zelebrieren, egal, wie man ihn wirklich findet. Die Teenager filmen sich dabei, wie sie Tickets kaufen, zu ihren Plätzen gehen und den Film anschauen. Später wird das Lied „Rich Minion“ von Yeat unter die Videoausschnitte gelegt. Dieses kommt zwar nicht im Kinofilm selbst vor, dafür aber im Trailer der Minions.

Karlsruher Filmpalast ZKM: So reagieren die Betreiber auf die Verwüstung

Marcel Malachowski vom Filmpalast am ZKM glaubt: Die Jugendlichen, die dort ein solches Chaos angerichtet haben, wollten einfach „eine Party im Kino veranstalten und respektlos sein“. Auch den anderen Kunden gegenüber sei das Verhalten übergriffig gewesen: „Eine Kundin hat sogar Salsa in die Haare geschmiert bekommen“, so der Theaterleiterassistent gegenüber BuzzFeed. Das anschließende Putzen des Kinosaals hätte doppelt so lang gebraucht wie gewöhnlich.

Während andere Kinos den Film mit den gelben kleinen Figuren nun verbieten, möchte der Filmpalast am ZKM ihn weiter zeigen. Stattdessen wollen die Betreiber den Zugang zu den Sälen noch besser kontrollieren. Anzüge per se seien okay - nur das Chaos eben nicht. „Jeder ist herzlich willkommen, sowohl in jedem Film, als auch im Anzug“, sagt Malachowski. „Aber es gilt eben eine Kinoetikette, die muss einfach eingehalten werden. Jeder verdient es zwei Stunden in einem abgedunkelten Saal zu sitzen und Kino zu genießen. Für wen das nichts ist, der soll getrost zu Hause bleiben und die Minions irgendwann streamen – weil sowas brauchen wir nicht.“

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